Club der roten Bänder - Die Komplettbox

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Mehr noch als im gewöhnlichen Leben ist man als Kranker auf Freunde angewiesen. Und weit schwerer fällt es einem Kranken, solche zu finden. Der Teenager Leo, einer der zentralen Protagonisten der deutschen Krankenhausserie, hat das während eines langen Klinikaufenthalts schmerzvoll erfahren müssen, als sich ihm in Staffel 1 die Chance bietet, dieses Schicksal zu ändern und sogar eine Gang, einen „Club“ zu gründen. Mit ihm als Anführer, einem Stellvertreter, einem Hübschen, einem Schlauen, dem guten Geist und nicht irgendeinem, sondern dem ganz besonderem Mädchen.

In der episch angelegten Serie um die Jugendlichen Leo, Jonas, Emma, Toni, Alex und Hugo (von VOX erstmals in dieser Art eigenständig in Auftrag gegeben und zwischen 2015 und 2017 ausgestrahlt) wird der Zuschauer in verdichteter Form ungemein sensibel angesprochen und in den komplizierten Kosmos pubertierender Jugendlicher auf dem Weg zur Selbstfindung geführt. Die sechs Protagonisten befinden sich krankheitsbedingt alle mehr oder weniger in einer lebensbedrohlichen Situation. Dadurch erlangen ihre Fragen, Sehnsüchte und Konflikte einen besonderen existenziellen Druck. „Der Club der roten Bänder“ wurde als Remake der spanischen Serie „Polseres vermelles“ (seit 2011) entwickelt, die wiederum auf dem autobiografischen Roman „Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt“ des Katalanen Albert Espinosa beruht. Espinosa wurde damit weltweit zum wichtigen Exponenten eines überraschend erfolgreichen Subgenres der Jugendliteratur, der „Sick Lit“. Hier geht es zwar unmittelbar um Krankheit und Tod, doch nicht die Frage nach der Endlichkeit steht im Mittelpunkt, sondern jene nach Lebensfreude und -erfüllung in einer schicksalhaft komprimierten Zeitspanne.

Ohne Anflüge unangemessener Betroffenheit oder weinerlichen Kitsch und doch emotional sehr ergreifend nehmen die Episoden das Thema der Suche nach intensivem Leben auf und arbeiten sich nicht zuletzt auch am Thema Tod und der Angst davor ab. Erzählt wird konsequent aus der Perspektive der jungen Patienten. Sie reflektieren sich, aber auch die Erwachsenenwelt. Letzteres geschieht vielfach kritisch, sucht aber nie eine kategorische Konfrontation zwischen den Generationen. Sichtbar werden so Defizite, die über die Jugendlichen gespiegelt, für ältere Zuschauer aber ebenfalls spannende Anknüpfungspunkte bieten. Die Inszenierung ist von einem ruhigen Duktus geprägt, der nicht nur Raum für Zwischentöne bietet, sondern auch Grundlage für dezenten Humor ist.

Kommentiert wird die Handlung vom „guten Geist“ Hugo, dem jüngsten der Protagonisten, der infolge einer verunglückten Mutprobe bereits seit zwei Jahren im Koma liegt. Hier wird auf eine fantastische Ebene zurückgegriffen, die einerseits naturalistische Erwartungen an die Serie deutlich bricht, andererseits den verhandelten Gegenständen eine über den Alltag hinausgreifende Bedeutung verleiht.

Anbieter: Universum

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