Golden Globes 2018

Bei der Verleihung der Preise der Hollywood Foreign Press Association kleidete sich Hollywood in Schwarz

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Die Filmbranche trug schwarz. Während sich bei den „Golden Globes“-Verleihungen ähnlich wie beim „Oscar“-Reigen die Gäste normalerweise in farbenprächtigen Roben auf dem roten Teppich tummeln, dominierte in diesem Jahr ein düsterer Dresscode. Denn viele Schauspielerinnen und Schauspieler folgten dem Aufruf, durch schwarze Kleidung ihren Protest gegen sexuellen Missbrauch und sexuelle Diskriminierung (nicht nur) in Hollywood zum Ausdruck zu bringen. Was als Skandal um Einzelpersonen wie Harvey Weinstein und Kevin Spacey begann, ist inzwischen zu einer Bewegung angewachsen, bei der es längst nicht mehr nur um einzelne Fehltritte mächtiger Männer geht, sondern um einen Sturmlauf gegen strukturelle Diskriminierung und Ungleichheit. Besonders deutlich brachte dies Oprah Winfrey zum Ausdruck, die mit einem Preis für ihr Lebenswerk geehrt wurde, und in ihrer Rede (https://www.youtube.com/watch?v=fN5HV79_8B8) die #MeToo-Bewegung würdigte. Unter dem Applaus des Publikums kündigte sie ein „neues Zeitalter“ („a new day on the horizon“) für alle Frauen und Mädchen an.

Da passte es, dass auch die mit den „Globes“ ausgezeichneten Filme um starke Frauenfiguren kreisen. Als bester Film in der Kategorie Drama wurde Martin McDonaghs lakonischer Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgezeichnet, in dem Frances McDormand sich als wütende Mutter mit dem örtlichen Polizei anlegt, weil sie den Mord an ihrer Tochter gesühnt sehen will (deutscher Kinostart: 25.1.).

Als bester Film in der Kategorie Komödie/Musical triumphierte „Lady Bird“, eine Regiearbeit der Schauspielerin Greta Gerwig um eine junge Frau (Saoirse Ronan, die ebenfalls mit einem „Globe“ geehrt wurde) und ihr turbulentes Erwachsenwerden im kalifornischen Sacramento. Und als bester ausländischer Film gewann Fatih Akins „Aus dem Nichts“ ebenfalls mit einer starken Frauenfigur (Diane Kruger), die als verzweifelte Mutter Rache für die Morde Rechtsradikaler an ihrem Mann und ihrem Sohn nehmen will.

In den TV-Kategorien setzte sich dieser Trend fort. Als beste TV-Serien unterschiedlicher Formate wurden die Margaret-Atwood-Verfilmung „The Handmaid’s Tale“ und „The Marvelous Mrs. Maisel“ geehrt; „The Handmaid’s Tale“ als Dystopie eines misogynen Backlashs, „The Marvelous Mrs. Maisel“ als eine in den 1950er-Jahren angesiedelte Comedy um eine Stand-up-Pionierin. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Mini-Serie „Big Little Lies“, die unter anderem mit Nicole Kidman, Laura Dern und Reese Witherspoon um eine Gruppe weiblicher Charaktere und Probleme wie häusliche Gewalt oder die Vereinbarkeit von Karriere und Mutterrolle kreist.

Alle 2018 vergebenen „Golden Globes“ finden sich hier: https://www.goldenglobes.com/winners-nominees

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