Körperkino

Ein Porträt des katalanischen Filmemachers Albert Serra

Diskussion

Weltweit gilt der Katalane als einer der ungewöhnlichsten und radikalsten zeitgenössischen Filmemacher – und doch ist Albert Serras neuer Film „Der Tod von Ludwig XIV.“ der erste, der hierzu­lande regulär im Kino zu sehen war. Auf Filmfestivals wie in Cannes, Toronto oder New York sorgte Serra für Furore, für „Història de la meva mort“ erhielt er 2013 in Locarno den „Goldenen Leoparden“. Die ­„Cahiers du cinéma“ hatten seinen Don-Quijote-Film „Honor de cavalleria“ als einen der zehn besten Filme des Jahres 2007 gefeiert. Die längst überfällige Würdigung eines herausragenden ­Cineasten.


Albert Serras „Der Tod von Ludwig XIV.“ („La mort de Louis XIV“) bewegt sich prozesshaft auf den Tod des Sonnen­königs zu, das Ende ist unausweichlich, der Titel schickt es voraus. Nach etwas mehr als 100 Minuten ist es dann so weit: „Le roi est mort“, der König ist tot, verkündet Fagon, der Leibarzt des Königs. Es wird ein bisschen geweint, aber nicht sehr lange und auf eine etwas affektierte Art, dann folgt die Obduktion des Leichnams. Am Schluss blickt Fagon, der zu töricht war, die Blutvergiftung des Königs trotz unmissverständlicher Anzeichen zu erkennen, direkt in die Kamera und erklärt: „Meine Herren, nächstes Mal machen wir es besser!“

Essen, trinken, daherreden: Zeit vergeht

Natürlich kennt die Geschichte kein nächstes Mal, schon gar nicht wenn es um den Tod geht. Mit dem schelmenhaften Illusionsbruch verweist Albert Serra nicht zuletzt auf den Aufführungscharakter von verfilmter Geschichte, das „So ist es gewesen“ des Historienfilms weicht reiner Gegenwart. Zwar hält sich „La mort de Louis XIV“ durchaus an die Tatsachen, das Drehbuch stützt sich weitgehend auf die Memoiren Saint-Simons und des Marquis de Dangeau, beide Höflinge und Zeitzeugen der letzten Tage des Königs. Doch innerhalb dieses Rahmens passiert etwas entscheidend anderes: Man betrachtet einen Schauspieler – Jean-Pierre Léaud –, der seinen Körper einer historische Figur leiht, ohne jemals in ihr zu verschwinden. Was im konventionellen Verständnis als Superlativ der Schauspielkunst gilt – die vollständige Auflösung der Scha

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