Aloys

25.1., 23.05-00.35, arte (Erstausstrahlung)

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Es gibt zehn Schritte zur Unsichtbarkeit („Meide Spiegel, Schattenwürfe etc.“). Aloys Adorn (Georg Friedrich) beherrscht sie alle. Der Privatdetektiv strahlt pure Farblosigkeit aus und bedient sich einer Sprache, aus der jede Persönlichkeit und nahezu auch jedes Leben gewichen ist: „Wir interagieren nicht mit Zielpersonen“, lautet einer seiner typischen Sätze, oder auch „Man dankt.“ In seinem Beruf ist ihm dieses Auftreten durchaus nützlich, doch prägt die Tendenz zu grauer Tristesse Aloys’ gesamtes Dasein. In seiner ungemütlichen Wohnung in einem Hochhauskomplex sichtet er auch abends weiter Überwachungsbänder; von einem Privatleben will der Eigenbrötler nichts wissen. Den letzten Rest davon hat er mit seinem unlängst verstorbenen Vater (und Gründer der Detektei) begraben.

Der Schweizer Filmemacher Tobias Nölle ist weit davon entfernt, die Weltfeindseligkeit seines Protagonisten zu teilen. Sein Spielfilmdebüt gerät in Fahrt, als dem Ermittler die Kamera abhandenkommt und die ihm unbekannte Erfinderin ihn nun selbst zum Beobachteten macht; sie schickt ihm entsprechende Aufnahmen zu und meldet sich bald auch am Telefon. Aloys’ schüchterne Versuche, die Rückgabe des Gestohlenen einzufordern, blockt sie ab und verführt ihn stattdessen zu Gedankenreisen an alle möglichen Orte, wodurch der Detektiv aufzutauen beginnt. Nölle arbeitet bei der Bebilderung dieser „Telefonwander“-Sequenzen mit surrealen Effekten, die er virtuos montiert, um damit die Kraft der Imagination zu beschwören. Viel verdankt sein stilisierter Film auch Georg Friedrich, der Aloys bei aller Verschrobenheit nie der Karikatur preisgibt. – Sehenswert ab 16.

Foto: Film Kino Text

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