Eines Nachts wird die Leiche einer toten jungen Frau auf einer Straße in Paris entdeckt. Bei den Ermittlungen rekonstruiert Kommissar Maigret (Gérard Depardieu) das traurige Schicksal von Louise Louvière, eines Mädchens aus der Provinz, das in der Metropole ein Leben der Einsamkeit führte. An ihren Namen erinnern sich auch diejenigen meist nicht, die ihr nachweislich begegnet sind. Nur der melancholische Maigret will dieses sang- und klanglose gewaltsame Ende eines Lebens nicht akzeptieren und rekonstruiert mit stoischer Sturheit die Umstände, die zum Tod von Louise führten. Je tiefer er sich in den Fall verbeißt, desto weniger kann er eine professionelle Distanz wahren.
Die Neuadaption eines der bekanntesten „Maigret“-Kriminalromane von Georges Simenon durch Patrice Leconte bietet eine sehr melancholische Interpretation des Kommissars mit farbentsättigten Bildern und gedrosseltem Tempo. Die geringe Beweglichkeit des massiven Körpers, den Depardieu mitbringt, setzt der Film offensiv ein, um einen zutiefst versehrten Menschen zu präsentieren. Selten hat der Darsteller in seiner langen Karriere so zurückhaltend agiert. Durch die Abkehr von der zielstrebigen Handlung der Vorlage auf erzählerische Nebengleise verliert der Film zwar an Konzentration, wird aber durch die beeindruckende darstellerische Leistung in seinem Zentrum zusammengehalten. – Ab 14.