1979 zog der Essener Arbeitersohn Jürgen Baldiga nach West-Berlin, um Künstler zu werden. Mit seinen radikalen Fotografien entwickelte er sich zum Chronisten der schwulen Subkultur, deren Freiheitsdrang er als Aktivist emphatisch feierte, aber auch in ihrem widersprüchlichen Umgang mit AIDS schonungslos dokumentierte. Als Baldiga selbst an dem HIV-Virus erkrankte, rückte er auch seine eigene Hinfälligkeit ins Bild.
Der auch formal und in der Transparenz der gewählten Mittel äußerst durchdachte Dokumentarfilm von Markus Stein geht als Reflexion des Umgangs mit AIDS in der hedonistischen Kultur West-Berlins weit über die Rekonstruktion einer Biografie hinaus. Entlang von Baldigas poetischen Tagebüchern und schonungslosen Bildern sowie mit den Erinnerungen von Wegbegleiter:innen zeigt der Film den Künstler nicht nur als bahnbrechenden Fotografen, sondern auch als Aids-Aktivisten und engagierten Kämpfer gegen die Stigmatisierung schwuler Lebensentwürfe. „Baldiga – Entsichertes Herz“ ist das Porträt eines komplexen Künstlers – und der sagenumwobenen schwulen West-Berliner Szene der 1980er- und frühen 1990er-Jahre, die Baldiga fotografisch so einfühlsam und authentisch einfing wie niemand sonst. - Sehenswert ab 16.