An Weihnachten, wenn Familien zusammenkommen und der Erwartungsdruck aneinander hoch ist, können leicht Konflikte hochkochen. Wer dann etwas zur Entschärfung sucht, findet dieses Jahr Zuflucht bei MUBI: Kurz vor den Feiertagen startet der Arthouse-Streamingdienst am 21. Dezember eine kleine Filmreihe mit Komödien von Stummfilm-Ikone Buster Keaton. Und ein besseres Antidot gegen Weihnachtsstress als dessen Slapstick-Abenteuer kann man sich schwerlich vorstellen.
MUBI zeigt drei Filme des Stars aus den 1920er-Jahren und deckt jene wichtige Phase ab, in der Keaton, der seine Filme als Regisseur selbst inszenierte, von Kurz- zu Langfilmen überging. „Verflixte Gastfreundschaft“ (1923) war nach „Drei Zeitalter“, der zwar als abendfüllender Film erschien, aber als Episodenfilm aus drei Teilen gestaltet ist, Keatons erste richtige lange Filmerzählung; ein brillant inszeniertes, actionreiches Meisterstück, das aus einem „Romeo und Julia“-Stoff ein Feuerwerk an Gags und Stunts macht.
Keaton verkörpert darin den letzten Abkömmling einer Familie, die durch einen langen, blutigen Clinch mit einer anderen Sippschaft dezimiert wurde, und gerät in Kalamitäten, als er sich ahnungslos ausgerechnet in die Tochter der Gegner verliebt. Das Gesetz der Gastfreundschaft rettet ihm zwar zunächst die Haut, trotzdem bleiben die haarsträubendsten Gefahren und Verfolgungsjagden zu bestehen, bevor die Liebe über den alten Groll triumphieren darf. Ähnlich zeitlose Perlen der Stummfilmkomik sind Keatons 1925 entstandene Langfilme „Sieben Chancen“ und „Sherlock Jr.“, die ebenfalls in der Reihe laufen.
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Tanzen im Sturm
Außerdem würdigt MUBI im Dezember mit einer weiteren kleinen Reihe den französischen Filmemacher Leos Carax. Unter dem Titel „Tanzen im Sturm“ versammelt MUBI ab 8. Dezember drei seiner Werke, von denen eines sein Klassiker „Die Liebenden von Pont Neuf“, ein Schlüsselwerk des französischen Kinos der 1990er-Jahre ist; außerdem laufen seine jüngsten Arbeiten „Annette“ sowie das Selbstporträt „It’s Not Me“, das 2024 in Cannes Premiere hatte.
Außerdem hat MUBI im letzten Monat des Jahres wieder einige schöne Streaming-Premieren am Start. Dazu gehört das ungewöhnliche Heist-Movie „The Mastermind“ von Kelly Reichardt, das kürzlich auch einen Kinostart hatte und nun am 12. Dezember Streaming-Premiere hat. Eine ruhig entwickelte Genre-Variante, in der es, festgemacht an einem Kunstraub, mal nicht um den perfekten Coup, sondern ums Scheitern geht.
Wiener Winter & deutsche Filmklassiker
Außerdem zeigt MUBI ab 13. Dezember den ungewöhnlichen österreichischen Film „Witterungen“ („bluish“, 2024) von Lilith Kraxner und Milena Czernovsky, der zart-lakonische Impressionen aus dem Leben zweier junger Figuren zeigt, die in Wien leben und sich an grauen Wintertagen durch ihren Alltag treiben lassen, wo sich immer wieder kleine Beobachtungen und Begegnungen wie Fenster auftun.
Und natürlich dürfen auch Klassiker nicht fehlen. Im Dezember hat MUBI zwei Meisterwerke des deutschen Films im Programm: Ende des Monats, ab 27. Dezember, steht Fritz Langs Science-Fiction-Meilenstein „Metropolis“ auf dem Programm. Der Film hat nicht nur mit seiner monumentalen, dystopischen Stadtfantasie einer durch krasse soziale Oben-Unten-Gegensätze gekennzeichneten Metropole das Genre mitgeprägt, sondern mit seiner Fantasie einer verführerischen Roboter-Frau als früher Variante des Künstlicher-Mensch-Motivs. Und schon ab 19. Dezember zeigt MUBI die Günter-Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff, eine mustergültige Literaturverfilmung um einen Jungen, der nicht erwachsen werden kann, und die Untiefen der deutschen NS-Geschichte.
Das MUBI-Programm im Überblick
- Dezember
- Dezember
ALIEN0089 (Kurzfilm von Valeria Hofmann)
- Dezember
- Dezember
Tanzen im Sturm: Drei Filme von Leos Carax
- Dezember
- Dezember
- Dezember
- Dezember
- Dezember
- Dezember
Mord im Orientexpress (R: Sidney Lumet)
- Dezember
Seriously Funny: Drei Filme von Buster Keaton
- Dezember
Zoopticon (Kurzfilm)
- Dezember