In den 1950er- und 1960er-Jahren war Brigitte Bardot die meistfotografierte Frau der Welt. Ihr Ehemann Roger Vadim inszenierte sie 1956 in „…und immer lockt das Weib“ als internationales Sexsymbol. Doch mit dem Image der flatterhaften Blondine war es 1973 endgültig vorbei, als sich Bardot vom Kino zurückzog und fortan als kämpferische Türschützerin und mit rechtspopulistischen Parolen für Aufsehen sorgte. Im Alter von 91 Jahren ist BB am 28. Dezember 2025 gestorben.
Von Brigitte Bardot (28.9.1934-28.12.2025) konnte man als Junge schon träumen, bevor man alt genug war, um ihre Filme sehen zu dürfen. Gerne wäre man auch so verwegen gewesen wie Gunter Sachs, der aus einem Hubschrauber Hunderte von Rosen auf ihre Villa warf, um ihr Herz zu erobern. BB war damals, in den 1950er- und 1960er-Jahren, die meistfotografierte Frau der Welt. In zahlreichen Magazinen wurde sie abgebildet, zumeist mit Standfotos aus ihren Filmen. Oft war sie spärlich oder gar nicht bekleidet, in knappen Bikinis oder durch ein großes Badetuch nur notdürftig bedeckt. Dann wiederum posierte sie mit Absicht – unvergessen jene Bewegung, mit der die Hände am Hinterkopf durch ihr blondes Haar fahren und es verführerisch nach oben schieben. Die Kamera liebte Brigitte Bardot, ob für Fotos oder das Kino.
Dann kam 1956 Roger Vadim und machte aus dem 22-jährigen Mannequin mit „… und immer lockt das Weib“ ein internationales Sexsymbol. Bardot ist in diesem Film wild und lasziv, blond und aufreizend, frivol und unschuldig, sinnlich und naiv – und verdreht mit dieser Mischung allen Männern den Kopf, von Jean-Louis Trintignant bis Curd Jürgens. Ihren Körper betont sie durch enge Hosen, manchmal versteckt sie ihn mit einem mühsam festgehaltenen Handtuch, einmal steht sie völlig nackt hinter einem zum Trocknen aufgehängten Laken, so dass nur ihr Schatten zu sehen ist. Höhepunkt des Films ist ein wilder Tanz barfuß auf dem Tisch in einer Bar, bei dem sich Bardot völlig zu vergessen scheint, wobei der enge Rock viel zu hoch aufgeknöpft ist, so dass man das schwarze Trikot darunter sieht, mit ausladenden, unkontrollierten Bewegungen, die den Männern den Atem rauben.
Vadim stellte den Körper seiner damaligen Ehefrau gnadenlos aus. Doch da ist noch etwas anderes. Brigitte Bardot überschreitet mit ihrer Darstellung Grenzen. Sie macht, was sie will, sie gehorcht nur sich selbst. In den prüden 1950er-Jahren, wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, wird sie so zur erotischen Provokation und zum Vorbild für andere Frauen. Sogar Intellektuelle werden auf sie aufmerksam. In dem Buch „Brigitte Bardot und das Lolita-Syndrom“ huldigt Simone de Beauvoir der Schauspielerin. „Brigitte Bardot ist die perfekte Verkörperung der zweideutigen Nymphe“, konstatiert de Beauvoir, um dann wortreich ihren perfekten Körper und ihre verführerische Weiblichkeit zu beschreiben: „Ein Heiliger würde seine Seele dem Teufel verkaufen, nur, um sie tanzen zu sehen.“ Die wichtigste Erkenntnis dabei lautet: Bardot sei „die Lokomotive der Emanzipation.“ Allerdings hat Bardot sich selbst nie so gesehen; vor den Karren der Frauenbewegung wollte sie sich nicht spannen lassen.
Rot, Gelb, Blau
Fortan aber ist BB auf die Rolle der flatterhaften Blondine festgelegt, die mit ihrem Schmollmund jeden Mann betört. „Reif auf jungen Blüten“, „Das Gänseblümchen wird entblättert“ und „Mit den Waffen einer Frau“ heißen die Filme, die von ihrer körperlichen Ausstrahlung profitieren wollen. In den 1960er-Jahren hat BB auch gesungen. Für das Chanson „Harley-Davidson“ lehnte sie sich im kurzen Lederkleid und Überkniestiefeln an ein Motorrad und unterstrich so ihre dominante Ausstrahlung.
Es gibt allerdings einen Regisseur, der diese Freizügigkeit bewusst unterlaufen und abgewandelt hat: Jean-Luc Godard. In „Die Verachtung“ (1963) liegt Bardot gleich nach dem gesprochenen Vorspann nackt auf dem Bauch, so dass ihre ganze Rückenpartie zu sehen ist. Die glänzenden Cinemascope-Bilder der nackten Bardot schockierten auch deshalb, weil man sie von Godard nicht erwartet hatte. Zusammen mit Michel Piccoli geht Bardot, angefangen bei den Füßen, ihre einzelnen Körperteile durch. Ob sie ihm gefielen? „Siehst Du meinen Hintern im Spiegel? Findest Du meine Pobacken schön?“ Die Antwort ist stets Ja. „Du liebst mich also total?“, fragt Bardot, während zwischendurch die Farbe von Rot zu Gelb zu Blau, die drei wichtigen Farben des Films, wechselt.
Ein anderes Mal liegt sie wieder nackt auf dem Bauch, diesmal auf einer Terrasse. Doch ein aufgeschlagenes Buch bedeckt ihren Po – das geschriebene Wort verdrängt, in einer Godard-typischen Idee, den körperlichen Reiz. Umso tragischer ist ihre Vermutung, dass Michel Piccoli sie in die Arme des US-amerikanischen Produzenten, dargestellt von Jack Palance, treiben wolle. Sofort hört Bardot auf, Piccoli zu lieben. Brigitte Bardot ist keine, die sich lange an einen Mann bindet. Und dann ist da noch die schwarze Perücke mit Bob-Frisur, die Bardot gelegentlich trägt. Der Mythos der Blondine wird hier einmal mehr unterlaufen – mit einer deutlichen Verbeugung vor Anna Karina. Nicht zu vergessen der schöne Gag, dass Fritz Lang, der Regisseur des Films im Film, ein Zitat „BB“ zuspricht. Er meint natürlich Bertolt Brecht.
Rückzug ins Privatleben
Noch ein anderer Regisseur hat bewusst das Image von Brigitte Bardot zum Thema gemacht. In „Privatleben“ (1961) erzählt Louis Malle die Geschichte einer jungen Frau, die – wie Bardot – Karriere als Fotomodel und Schauspielerin macht, begleitet von Skandalen und Einsamkeit. Doch der Presserummel und die zahllosen Fans setzen ihr zu – bis sie einen Nervenzusammenbruch erleidet. Malle gibt den Massenmedien die Schuld am Unglück der Schauspielerin. Das Versteckspiel vor Reportern und Fotografen wird zur Qual, die einen Rückzug ins Privatleben verhindert. Man ahnt, dass BB irgendwann dagegen etwas unternehmen wird.
Dazu passt auch Henri-Georges Clouzots „Die Wahrheit“ (1960), in dem Brigitte Bardot kurz zuvor ihre Qualitäten als Charakterschauspielerin unter Beweis gestellt hatte. „Im Dialog mit der eigenen Medienpersona spielt Brigitte Bardot eine Angeklagte, die zugleich Opfer ist – Spielball einer nur schwer beherrschbaren Wirkung aufs andere Geschlecht“, so Daniel Kothenschulte. Ein weiteres Mal stand BB 1965 für Louis Malle vor der Kamera. In „Viva Maria!“ enthüllte sie als Revolutionärin an der Seite von Jeanne Moreau eine ausgesprochen komische Seite. Doch 1973 hatte sie dann genug vom Kino und der öffentlichen Aufmerksamkeit, die sie damit erregte. Sie zog sich nach Saint-Tropez an die Côte d’Azur zurück und drehte, ähnlich wie Greta Garbo, nie wieder einen Film. Als Cineast mag man das bedauern: Wer weiß, welche Filme sie noch gemacht hätte? Vielleicht hätte sie wie Catherine Deneuve mit jüngeren Regisseuren, etwa François Ozon, zusammengearbeitet und für ihr Alter entsprechende Rollen gefunden? Und wäre eine große alte Dame des französischen Kinos geworden?
Eine müßige Frage. Brigitte Bardot widmete sich vielmehr leidenschaftlich und mitunter sehr emotional dem Tierschutz. Sie gründete sogar eine Stiftung, für die sie Teile ihres Vermögens versteigerte, und richtete mehrere Tierheime ein. Sie verbrannte öffentlich Pelze und erreichte so, dass der Import von Robbenfellen verboten wurde. Sie sprach mit Politikern und bewirkte, dass Schlachttiere schmerzlos, wenn auch nicht sehr sanft, mit einem Bolzenschuss, getötet werden. Auch Emmanuel Macron dürfte so manchen Brief von ihr erhalten haben.
Kratzer im Image
Sie würde die Tiere mehr lieben als die Menschen, soll Brigitte Bardot einmal gesagt haben. Eine irritierende Aussage. Es blieb nicht die einzige. In ihrem Buch „Ein Ruf aus der Stille“ beschwerte sie sich 2003 über die angebliche Islamisierung Frankreichs. Sie sprach abfällig über Einwanderer und beklagte den Niedergang französischer Werte und Traditionen: „Früher habe ich mit meinem Hintern schockiert, jetzt schockiere ich mit meinen Büchern. Das ist das Gleiche“, verkündete sie, immer noch mit dem Hang zur Provokation.
Zwischen 1997 und 2008 wurde Brigitte Bardot sechsmal wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. Auch darüber darf man sich wundern. 1992 heiratete sie in vierter Ehe den Industriellen Bernard d’Ormale, der enge Kontakte zu der rechtspopulistischen Familie Le Pen hat. Auch das sorgte für Aufmerksamkeit und Irritation. Mit dem Rückzug aus der Öffentlichkeit hat es also nicht so ganz geklappt; Bardot meldete sich immer mal wieder provozierend zu Wort, wobei ihr die Kratzer auf ihrem Image herzlich egal waren. Nun ist sie am 28. Dezember 2025 im Alter von 91 Jahren gestorben.