Artwork zur Staffel 2025 der "Debüt im Dritten"-Reihe (© SWR)

„Debüt im Dritten“: Ein Buch zum 40-jährigen Jubiläum

Seit Mitte der 1980er-Jahre werden in der Reihe „Debüt im Dritten“ Werke des Regie-Nachwuchses gezeigt. Ein Band zum 40-jährigen Jubiläum versammelt Texte rund um die Filme und die Arbeit der Redaktion

Aktualisiert am
07.01.2026 - 14:28:34
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Seit Mitte der 1980er-Jahre werden in der Reihe „Debüt im Dritten“ des SWR Fernsehens Filme gezeigt, mit denen der Regie-Nachwuchs beweist, was er kann. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums ist nun im Schüren Verlag ein Band erschienen, der Texte zu 220 Produktionen versammelt, die in den vier Jahrzehnten entstanden sind.

 

Mitte der 1980er-Jahre, als die Redakteurin Susan Schulte im damaligen Südwestfunk (SWF) die Fernsehfilmreihe „Debüt im Dritten“ ins Leben rief, war sie ihrer Zeit voraus. Zu dieser Zeit bildeten allein die Film- und Fernsehakademie Berlin und die Hochschule für Fernsehen und Film München (beide seit 1966) Regisseurinnen und Regisseure für Kino und Fernsehen aus. Damals widmete sich beispielsweise das „Kleine Fernsehspiel“ im ZDF noch nicht dem filmischen Nachwuchs, sondern verstand sich als Freiraum für experimentelle Arbeiten aller Art. Auch in den anderen ARD-Redaktionen dachte man noch nicht an ein eigenes Label für den Regienachwuchs, da dieser mal mehr, mal weniger Arbeit in den klassischen Formaten des Fernsehfilms und der Serienkrimis wie dem „Tatort“ fand.

 

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Eine Plattform für den Nachwuchs

Wenige Jahre später sah das anders aus. Neugründungen wie die Filmakademie Ludwigsburg und die Kunsthochschule für Medien (beide 1990), später die Internationale Filmschule Köln (2000) und die Hamburg Media School (2003) sowie der Ausbau der Filmabteilungen in den klassischen Kunstakademien sorgten dafür, dass immer mehr und in der Regel gut ausgebildete Regisseurinnen und Regisseure um die nicht unbedingt gestiegene Zahl an Produktionsmöglichkeiten kämpften. Zudem hatte sich das Klima in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, seit die privaten Sender zunehmend den Medienmarkt mitbestimmten, spürbar verändert; dort setzten die Redaktionen verstärkt auf Kontinuität und Sicherheit, was die Chancen für den Nachwuchs erst einmal minimierte.

 

Der Band "Debüt im Dritten"
Der Band "Debüt im Dritten" (©Schüren Verlag/SWR)

 

Das Modell, das sich Susan Schulte für ihren Sender, der 1998 mit dem Süddeutschen Rundfunk verschmolzen wurde und der seitdem als Südwestrundfunk (SWR) firmiert, ausgedacht hatte, wurde in den 1990er-Jahren übernommen oder kopiert. Das „Kleine Fernsehspiel“ im ZDF konzentriert sich seitdem auf den filmischen Nachwuchs, und der WDR startete die Reihe „Avanti Debütanti“, die deutlich an das Modell von Schulte angelehnt war und die bald mit „Debüt im Dritten“ Filme koproduzierte.

 

Ein Jubiläumsband zum 40-jährigen Bestehen

Zum Jubiläum des 40-jährigen Bestehens der Reihe hat der SWR nun ein 436 Seiten umfassendes und reich mit Farbfotografien illustriertes Buch im Schüren-Verlag initiiert, das so heißt wie die Reihe: „Debüt im Dritten“. Herausgegeben haben es Manfred Hattendorf, Stefanie Groß und Jan Berning, die alle dem „Debüt im Dritten“ verbunden sind: Stefanie Groß leitet seit 2006 die Redaktion, in der Jan Berning seit 2015 mitarbeitet, während Manfred Hattendorf seit Jahren im SWR die Abteilung „Film und Planung“ leitet.

In der Hauptsache werden 220 Produktionen, die in den letzten 40 Jahren entstanden sind, auf je einer Doppelseite vorgestellt. Es handelt sich in der überwiegenden Mehrzahl um abendfüllende Fernsehfilme, um einige wenige Dokumentarfilme und mittellange Produktionen sowie auch einige Serien. Die Filme werden in der Abfolge ihres Entstehens aufgeführt und jeweils mit einer Inhaltsangabe, mit den Produktionsdaten und den Namen der Mitwirkenden sowie mit Hinweisen auf etwaige Preise und Festivalerfolge vorgestellt.

 

Ein umfassender Produktionsspiegel

Hinzukommen Texte, die zu den Filmen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung oder Ausstrahlung verfasst wurden, und in denen sich die Regisseurinnen und Regisseure – mal in eigenen Texten, mal in Interviews – äußern. Über QR-Codes gelangt man auf die entsprechenden Seiten der Datenbank von filmportal.de, auf denen man die weiteren Filme der Regisseurinnen und Regisseure entdecken kann. Leider fehlen im Buch Angaben, wann und auf welchem Sendeplatz die Filme ausgestrahlt wurden. Kommentare aus der Gegenwart, in der dieses Buch entstand, unterbleiben; nur zweimal wird auf Kritik, die an Filmen nach ihrer Ausstrahlung geübt wurde, eingegangen.

Ergänzt wird dieser umfassende Produktionsspiegel durch Artikel und Interviews, in denen sich die Redaktion im Lauf der Jahre zu ihrer Arbeit äußerte. So ist auch ein Gespräch abgedruckt, das erstmals 1994 im „Filmdienst“ erschien und in dem sich neben Susan Schulte auch Dietrich Mack zur Reihe erklärte, der damals die zuständige Hauptabteilung leitete. So wird die personelle Entwicklung der Redaktion selbst deutlich: Nach Susan Schulte übernahm für sechs Jahre Sabine Holtgreve die Leitung, bis diese 2006 zu Stefanie Groß wechselte. In den frühen Jahren der Redaktion arbeitete auch maßgeblich Christian Granderath mit, der seit 2010 die Fernsehfilmredaktion des NDR leitet, in die ein Jahr später auch Sabine Holtgreve ging. Beide kommen in Gesprächen, die zur Zeit ihrer Mitarbeit bei „Debüt im Dritten“ entstanden, ausführlich zu Wort.

 

Veränderungen in der Redaktionsarbeit werden deutlich

Während man die Filmbeschreibungen eher durchblättert, empfiehlt es sich, die zeitgenössischen Texte aus der Redaktion, die den einzelnen Zeitabschnitten von jeweils fünf Jahren vorangestellt sind und so den Band gleichsam gliedern, hintereinander zu lesen. So werden die Veränderungen in der Redaktionsarbeit deutlich: Unter den ersten Filmen, die unter dem Label „Debüt im Dritten“ ausgestrahlt wurden, gab es zunächst eine Reihe von Filmen, die von der Redaktion erst nach Fertigstellung angekauft wurden. Anfangs entstanden nicht wenige Filme als Hausproduktion des Senders, während später die reine Auftragsproduktion dominierte. Und in den ersten Jahren kam es durchaus vor, dass die Debütierenden älter waren, als es die klassischen Hochschulabsolventen der Gegenwart sind.

Wichtiger aber ist die Abwendung vom radikalen Autorenfilm, den Susan Schulte noch unterstützte, und die Hinwendung zu einer stärker an Genres orientierten Produktion, bei der autonome Drehbuchautorinnen und -autoren die Vorlagen liefern, für die dann die Redaktion die passenden Regisseurinnen und Regisseure sucht. In den ersten beiden Jahrzehnten wurde zur Beschreibung der redaktionellen Arbeit gerne die Metapher der Hebammentätigkeit gewählt, bei der es um die Stärkung der Eigenkräfte der Filmemacherinnen und Filmemacher ging. In den letzten Jahren dominieren eher Begriffe aus der Produzentensprache, mit denen Stoffe gesucht, Bücher entwickelt und Teams zusammengestellt werden.

 

Viele Filme sind in Erinnerung geblieben

Bei den Filmbeschreibungen fällt vor allem auf, wie viele Produktionen gerade aus den ersten beiden Jahrzehnten in Erinnerung geblieben sind: „Der Polenweiher“ von Nico Hofmann (1986) und „Bohai, Bohau“ von Didi Danquart (1996), die beide in Zusammenarbeit mit dem früh verstorbenen Schriftsteller Thomas Strittmatter entstanden. „Drei D“ von Sönke Wortmann und „Schmetterlinge“ von Wolfgang Becker, die beide 1988 angekauft wurden, „Der Totmacher“ von Romuald Karmakar (1997) mit dem intensiv spielenden Götz George, „Nach fünf im Urwald“ von Hans-Christian Schmid (1998) mit der jungen Franka Potente, die bildersatte Schwimmbadfantasie „Tuvalu“ von Veit Helmer (2002), und „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner (2007) mit dem Schauspiel-Trio Julia Jentsch, Daniel Brühl und Stipe Erceg.

"Nach fünf im Urwald"
"Nach fünf im Urwald" (© Senator Film)

 

In Erinnerung blieb auch der wunderbare Schauspieler Dieter Pfaff in den beiden Filmen von Claudia Prietzel: „Die Blattlaus“ (1991) und „Kuppke“ (1997). Oder die Entdeckungen junger Schauspielerinnen wie Eva Löbau in „Der Wald vor lauter Bäumen“ von Maren Ade (2005), Lavinia Wilson in „Das erste Mal“ von Connie Walther (1996) oder Jasna Fritz Bauer in „Für Elise“ von Wolfgang Dinklage (2015). Oder das Ensemble des ersten Films, den der Schauspieler Udo Wachtveitl als Regisseur vorlegte: „Silberdisteln“ (1999) mit Rosemarie Fendel, Dieter Hildebrandt, Harald Juhnke und Heinz Schubert!

 

Karrierestart-Basis

Auch ist im Durchgang durch Filmebeschreibungen zu entdecken, wer alles die Karriere einst bei „Debüt im Dritten“ begann: Jobst Oetzmann mit „Condor“ (1989), Andreas Dresen mit „Stilles Land“ (1992), Sherry Hormann mit „Leise Schatten“ (1994), Miguel Alexandre mit „Nana“ (1995), Nicole Weegmann mit „Rabenkinder“ (2006), Sven Taddicken mit „Emmas Glück“ (2008), Christian Schwochow mit „Novemberkind“ (2009) oder Nana Neul mit „Stiller Sommer“ (2015). Spannend zu verfolgen, wie die Redaktion bekannten Dokumentarfilmerinnen und -filmern die erste Spielfilmregie ermöglichte: Aelrun Goette beobachtete zunächst dokumentarisch in „Feldtagebuch - Allein unter Männern“ (2002) den Alltag von Frauen bei der Bundeswehr, ehe sie im Film „Unter dem Eis“ (2006) ein erschreckendes Familiendrama inszenierte. Auch der erste Spielfilm von Andres Veiel mit dem Titel „Wer wenn nicht wir“ (2014) entstand als Koproduktion der SWR-Redaktion.

Fatal an dem schön aufgemachten Buch ist nur, dass die Lektüre den Wunsch weckt, diesen oder jenen Film wiederzusehen oder eine der neueren Produktionen für sich entdecken zu können. Doch obwohl zumindest einige Filme in der ARD-Mediathek zugänglich sind, bleibt das in vielen anderen Fällen ein Wunschtraum, der zugleich daran erinnert, welcher filmische Reichtum in den Archiven von ARD und ZDF schlummert.

 

Mediathekentipp:

Auf der Seite „Debüt im Dritten“ in der ARD-Mediathek sind diverse Produktionen der Reihe, sowohl jüngeren Darums ls auch Frühwerke aus den 1980ern und 1990ern, streambar. Mit dabei sind aktuell zum Beispiel die Debüt-Klassiker „Das erste Mal“ mit Lavinia Wilson (verfügbar bis 7.3.2026), „Silberdistel“ (bis 27.2.2026) und „Mein unbekannter Ehemann“ (bis 30.1.2026); außerdem sind neuere Werke wie das Drama „Rohbau“ aus der Staffel 2025 verfügbar sowie diverse Kurzfilme.

 

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