Mitte der 1960er-Jahre schien sich Claude Chabrol, dessen Regie-Karriere 1958/59 so verheißungsvoll die Nouvelle Vague mit angestoßen hatte, in eine künstlerische Sackgasse manövriert zu haben, aus der nur noch halbgare Spionagefilme und eher banale Thriller hervorgingen. Mit „Zwei Freundinnen“ (1967) gelang es ihm jedoch, das Ruder herumzureißen und eine bis 1973/74 andauernde Periode zu starten, die filmhistorisch mit ihrer Serie herausragender Werke in kurzer Folge als wahrscheinlich beste in Chabrols langer Laufbahn gilt. Die melodramatische Dreiecksgeschichte setzt damit an, dass die reiche Frédérique (Stéphane Audran) auf einer Pariser Seine-Brücke die junge Obdachlose Why (Jacqueline Sassard) aufliest. Frédérique nimmt Why in das schicke Milieu von St. Tropez mit und beginnt mit ihr ein Verhältnis. Doch dann drängt sich der Architekt Paul Thomas (Jean-Louis Trintignant) in die Zweisamkeit. Why geht auf sein Flirten ein, Frédérique reagiert eifersüchtig und rächt sich, indem sie ihrerseits (erfolgreich) um Paul wirbt. Abhängigkeit und latenter Hass führen zu tödlichen Konflikten.
Der Thriller entlarvt hinter seiner vermeintlich kolportagehaften Handlung auf subtile Weise die Psychologie des reichen Bürgertums, seine Ängste und Neurosen. Einer moralischen Wertung enthält sich Chabrol wohlweislich und zeigt hier zum ersten Mal in Vollendung seinen kühlen, unterschwellig immer auch ironischen Blick auf die Bourgeoisie. - Ab 16.