Flankierend zum Kinofilm „Ein einfacher Unfall“ zeigt der Arthouse-Streamingdienst im Februar eine kleine Werkschau mit Filmen des iranischen Regisseurs Jafar Panahi. Anlässlich des „Black History Month“ läuft außerdem eine Reihe mit historisch bedeutsamen Werken schwarzer Filmschaffender vom Stummfilmkino bis in die Gegenwart.
Für sein Rachedrama „Ein einfacher Unfall“ hat der iranische Regisseur Jafar Panahi 2025 die „Goldene Palme“ in Cannes gewonnen. Seit Mitte Januar 2026 präsentiert MUBI den Film um ein ehemaliges Folteropfer und die Wiederbegegnung mit einem Mann, der sein Peiniger im Gefängnis gewesen sein könnte, in den deutschen Kinos. Auf seiner Streamingplattform flankiert MUBI dies nun mit einer kleinen Jafar-Panahi-Retrospektive.
Sie umfasst unter anderem Panahis Debütfilm „Der weiße Ballon“ (1995), in dem ein kleines Mädchen im Mittelpunkt steht, das auf der Suche nach einem verlorenen Geldschein durch Teheran irrt. Eine ruhig erzählte Kindergeschichte, in der aus der Perspektive der jungen Hauptfigur auf den Alltag in Teheran geblickt wird.
Auch in anderen Werken Panahis, die in der Reihe laufen, stehen markante Mädchenfiguren im Zentrum. Etwa in „The Mirror“ (1997) oder in „Offside“ (2005), in dem die Hauptfigur mit allen Mitteln versucht, in ein Fußballstadion zu gelangen, obwohl ihr als Frau das eigentlich untersagt ist.
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Filmemachen unter erschwerten Bedingungen
Mit „Pardé“ (2013) ist auch einer der Filme dabei, in denen Panahi nicht nur Regie führte, sondern auch selbst auftritt und sich und die eigene Situation als ein mit Arbeitsverboten belegter iranischer Filmemacher beleuchtet. Auch der jüngste Film der Reihe, „No Bears“, der 2022 beim Filmfestival in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury geehrt wurde, gehört zu diesem Themenschwerpunkt in Panahis Schaffen. Panahi stellt sich darin als Filmemacher ins Zentrum, der in einem Dorf nahe der türkischen Grenze ein Projekt realisieren will und auf zahlreiche Schwierigkeiten stößt.
Reflexionen über das kreative Arbeiten unter beklemmenden gesellschaftlichen Bedingungen mischen sich darin mit quasi-dokumentarischen Impressionen über die Lebensumstände der Dorfbewohner.
Vielseitiges Panorama des „Black Cinema“
Außerdem widmet sich MUBI im Februar dem sogenannten „Black Cinema“. In der Reihe „Go Tell It On the Mountain: Historisch bedeutendes Schwarzes Kino“ feiert der Streamingdienst den in den USA begründeten „Black History Month“. Die Reihe bietet eine vielseitige Zusammenstellung quer durch Zeiten und Länder. Das älteste Werk ist ein US-Stummfilm aus dem Jahr 1919 des afroamerikanischen Filmpioniers Oscar Micheaux, der sozusagen der Gründervater des US-amerikanischen Black Cinema ist. 1884 in Illinois als Kind ehemaliger Sklaven geboren, gründete Micheaux 1919 eine eigene Produktionsfirma und schaffte es, bis 1948 über 40 Filme zu realisieren. MUBI zeigt eines seiner Frühwerke, das Melodram „Within Our Gates“ (1919), das mit seiner ungeschminkten Darstellung der alltäglichen Gewalt und Diskriminierung von Afroamerikanern eine Art Gegenentwurf zum Rassismus in D.W. Griffith’ „Birth of a Nation“ darstellt.
Das jüngste Werk der Reihe ist der Dokumentarfilm „Dahomey“ (2024) der französisch-senegalesischen Filmemacherin Mati Diop, der sich mit der Restitution von Raubkunst aus Kolonialzeiten befasst. Konkret geht es um die Rückführung der sogenannten Benin-Bronzen aus Paris in ihre Heimat und was die Rückkehr der Plastiken für die Menschen vor Ort bedeutet.
Festival-Highlights aus Lateinamerika
Auch jenseits der Reihen gibt es viele Highlights aus den Festivaljahrgängen der letzten Jahre sowie Filmklassiker zu entdecken. Mit dabei ist im Februar eine vielerwartete Serie: Wong Kar Wais erstes TV-Projekt „Blossoms Shangai“, basierend auf dem preisgekrönten Roman „Blossoms“ von Jin Yucheng. Angesiedelt im Shanghai der 1990er, entfaltet die Serie in stolzen 30 Episoden à 45 Minuten eine Art wirtschaftskrimi-Epos rund um den Aufstieg eines jungen Mannes namens Ah Baos in der boomenden Geschäftswelt der Metropole, wobei er flankiert wird von Figuren, die, so MUBI „jeweils eine Facette der sich wandelnden Seele Shanghais verkörpern“. Eine mysteriösen Frau und ein skrupelloser geschäftlicher Konkurrent sorgen dann aber für Erschütterungen.
Außerdem ist ein lateinamerikanisches Ausnahmewerk zu sehen, Luis Ortegas „Kill the Jockey“ (2024): eine spielerisch-surreale Mischung aus Thriller, Sportfilm und Ausbruchsfantasie rund um einen erfolgreichen Jockey mit kriminellen Verstrickungen, der nach einem Unfall durch das nächtliche Buenos Aires irrt.
An Klassikern zeigt MUBI unter anderem ein Werk der vor allem für ihre Skulpturen bekannten Künstlerin Niki de Saint Phalle. Mit „A Dream Longer Than the Night“ (1976) betätigte sich die vielseitige Kreative als Spielfilm-Regisseurin. Das Werk ist eine Art feministisches Märchen rund um eine Prinzessin, die sich im Traum als Erwachsene imaginiert, sich wie eine Alice im Wunderland in eine fantastische Welt voller seltsamer Kreaturen versetzt sieht und mit Sexualität, Gewalt und patriarchalen Strukturen zu kämpfen hat. In der Hauptrolle besetzte die Künstlerin ihre eigene Tochter Laura Duke Condominas.
Neu bei MUBI im Überblick
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Die Höhle der vergessenen Träume
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Terror, Sisters!
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What You Gonna Do When the World’s on Fire?
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Reihe Go Tell It On the Mountains: Historisch bedeutendes Schwarzes Kino:
Diary of an African Nun (Kurzfilm von Julie Dash)
You Hide Me (Kurzfilm von Nii Kwate Owoo)
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26. Februar
Blossoms Shanghai (Serie)
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Jafar-Panahi-Reihe