Das Logo von "Cinema of Disobediene" (© New Queer Radicals)

„Cinema of Disobedience“

Während der „Berlinale“ sind die ersten Filme des Kollektivs „Cinema of Disoobedience“ zu sehen, das sich vor einem Jahr gegründet hat und nicht nur im Filmgeschäft für mehr „Queerness“ kämpft.

Aktualisiert am
30.01.2026 - 09:49:51
Diskussion

Die Künstler:innengruppe „New Queer Radicals“ tritt am Rande der Berlinale 2026 erstmals mit dem neuen Projekt „Cinema of Disobedience“ in die Öffentlichkeit. Im Kino Moviemento laufen die ersten Produktionen des Kollektivs, das nicht nur im Filmgeschäft für mehr „Queerness“ kämpft.

 

Cinema of Disobedience“ heißt eine neue internationale Bewegung, die sich als Kollektiv von Filmmachern organisiert, Ausstellungen, Diskussionen und Filmvorführungen promotet und sich gegenseitig bei Filmprojekten unterstützt. Gemeinsam setzen sie sich in ihren Filmen, aber auch in ihrem öffentlichen Auftreten für mehr Risikobereitschaft und kritisches Denken in der Filmbranche ein. In den Augen seiner Mitglieder tendiert der Filmmarkt zu verhängnisvollen Vereinfachungen. Der Regisseur Jürgen Brüning, Mitglied des Kollektivs, führt dafür Filme wie „Das Kanu des Manitu“ oder generell viele Hollywood-Blockbuster an. In ihnen werden komplexe Themen stark reduziert und der Fokus auf simple Dinge wie Liebe oder klischeehafte Charaktere gelegt; wichtigere Themen wie etwa die aktuelle Bedrohung durch autoritäre Tendenzen in der Politik, durch Nationalismus oder die Abschottung westlicher Länder gegen Migration bleiben hingegen außen vor. Diesen Tendenzen will das „Cinema of Disobedience“ entgegentreten, indem es genau diese kritischen Inhalte in seinen Filmen behandeln. Als radikales queeres Kino verpflichten sich seine Mitglieder dazu, alternative Zielgruppen und ethische Räume zu erschaffen, in denen das Kino weder eingeschränkt noch in Schubladen gesteckt oder simplifiziert wird.

Die Bewegung ist noch jung; die Idee eines solchen Zusammenschlusses entstand 2025 am Rande des Internationalen Filmfestivals Rotterdam (IFFR). Dort haben sich Filmmacher und Künstler zusammengeschlossen, die ähnlicher Meinung über das Mainstream-Kino sind. Sie kritisieren die herkömmlichen Märkte, weil sie die Produktion, das Zeigen von und Diskutieren über Filmen einschränken. Gemeinsam wollen sie gegen diese Verengungen des Kinos vorgehen. Beim Verfassen eines entsprechenden Manifests wuchs die internationale Gruppe weiter an.

 

Für ein vielseitigeres Kino

Was sind die Ziele des Kollektivs und wie wollen sie diese verwirklichen? Die Mitglieder von „Cinema of Disobedience“ sind der Meinung, dass die Unterdrückung von Kreativität und alternativen Perspektiven eine fortlaufende Spaltung und Radikalisierung von Menschen zur Folge haben. Jürgen Brüning nennt die Politik von Donald Trump als ein bestes Beispiel dafür. Die Gruppe verfolgt das Ziel, im Kontrast dazu ein radikaleres, vielseitigeres Kino zu schaffen. Dazu sollen die Filme, die von den Mitgliedern des Kollektivs produziert werden, zunächst vor allem Themen wie Queerness und Politik behandeln, sowie eine klare Haltung gegen Krieg, Faschismus und Menschenrechtsverletzungen zum Ausdruck bringen. Sie kämpfen dafür, dass die Meinungsfreiheit auf allen Ebenen gewahrt wird. Die Mitglieder sollen die Arbeit der anderen unterstützen und nicht-hierarchische Löhne entsprechend den Produktionsbudgets zahlen. Der Zusammenschluss will seine Filme kollektiv verbreiten, um so die Sichtbarkeit ihrer Werke zu steigern.

Läuft bei der Berlinale: "Uchronia" von Fil Ieropoulos
Läuft bei der Berlinale: "Uchronia" von Fil Ieropoulos (© FYTA Films)

 

Jürgen Brüning betonte in Gespräch, dass das „Cinema of Disobedience“ eine Botschaft gegen den „Neuen Faschismus“ senden will, den Brüning nicht nur in der USA, sondern auch bei rechtsradikalen Parteien wie der AfD am Werk sieht. „Cinema of Disobedience“ will ein globales Netzwerk etablieren, mit dem Filmmacher, die in ihren Heimatländern wegen queerer Filme verfolgt werden, dennoch ihre Inhalte umsetzen und veröffentlichen können.

Brüning gab auch zu bedenken, dass das Publikum oft nicht mehr neugierig genug sei, und in der Filmwelt mehr Wert auf Stars als auf den Inhalt und das Thema eines Films gelegt würde. Selbst die „Berlinale“ habe ihr Programm drastisch verringert; „schwierige“ Filme würden dort nur noch am Rande laufen, so Brüning. Ziel des „Kino des Ungehorsams“ sei es dagegen, kritische Inhalte in ihrer ganzen Komplexität zu verbreiten und das Publikum zum Mitdenken und Diskutieren anzuregen, wie dies in Berlin beispielsweise im Moviemento Kino geschehe.

 

Queerness auf allen Ebenen

Dem „Cinema of Disobedience“ sind schon viele Filmmacher:innen beigetreten. Zu den Erstunterzeichner:innen gehören Goyo Anchou (Argentinien), J.Jackie Baier (Deutschland), Jürgen Brüning (Deutschland), Pina Brutal (Ungarn), Maruja Bustamante (Argentinien), Etsen Chen (Taiwan), Jan Eilhardt (Deutschland), Fil Ieropoulos (Griechenland), Malga Kubiak (Polen), Thunska Pansittivorakul (Thailand), Wojciech Puś (Polen), Amir Ovadia Steklov (Israel), Todd Verow (USA) und Gustavo Vinagre (Brasilien).

Im Manifest des „Cinema of Disobedience“ steht, dass sich die Mitglieder den Regeln der modernen Filmmärkte verweigern. Sie werfen den Filmmärkten vor, zu konservativ zu sein und an der Stelle eines authentischen Ausdrucks viel zu großen Wert auf die Marktanforderungen zu legen. Demgegenüber geht es ihnen um den freien künstlerischen Ausdruck. Man ziele damit auf ein alternatives, wahrscheinlich auch kleineres Publikum. Gegen den Gehorsam der Marktlogik soll rebelliert werden; man will das Publikum in seiner ganzen Vielfalt auch mit vielfältigen Werken ansprechen. Die „Queerness“ soll dabei nicht nur in den Inhalten der Filme, sondern auch in der Denkweise der Macher, der Art des Schneidens oder dem Sound zum Ausdruck kommen.

Im Moviemento Kino zu sehen: "Julia" von J. Jackie Baier
Im Moviemento Kino zu sehen: "Julia" von J. Jackie Baier (© GMfilms)

 

Das Kollektiv „Cinema of Disobedience“ ist auch auf der „Berlinale“ vertreten. Im Forum Expanded läuft der Film „Uchronia“ von Fil Ieroupols. Im Kino Moviemento sind parallel zum Festival vom 12. bis 17. Februar weitere Filme zu sehen, unter anderem „Julia“ von J. Jackie Baier, „Janine zieht aufs Land“ von Jan Eilhardt oder „Klappe“ von Jürgen Brüning.

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