Die junge Lehrerin Carla Nowak (Leonie Benesch) unterrichtet Mathemathik und Sport, zwei Disziplinen, in denen es um Berechenbarkeit und Fairness, aber auch um Beweisführung und Teamgeist geht. Erst vor Kurzem ist sie an eine neue Schule in Berlin gekommen und will alles richtig machen. Ihr Motto lautet: Über etwas zu reden ist besser, als darüber zu schweigen. Mit dieser Grundhaltung stürzt sie sich unaufgeregt, aber mit freudigem Engagement in ihre neuen Aufgaben.
Doch als es in ihrer Klasse zu einem angeblichen Diebstahl kommt, schaltet sich die Schulleitung ein, was bald zu einer Reihe von Verwerfungen führt, die wie in einer klassischen Tragödie immer schlimmer werden. Denn je mehr die Pädagogin versucht, die Fronten zu überwinden, desto tiefer verstrickt sie sich in die Strukturen eines Systems, das auf Kontrolle statt auf Verständnis setzt.
Mit „Das Lehrerzimmer“ inszenierte İlker Çatak ein packendes Drama über den Mikrokosmos Schule als Spiegel der Gesellschaft, das mit seiner dichten Atmosphäre in Bann zieht. Das außergewöhnliche, im engen 4:3-Format gefilmte Drama konzentriert sich ganz auf die Pädagogin, die sich an ihren moralischen Ansprüchen zu überheben droht, führt aber auch das Publikum aufs Glatteis. Der spannungsgeladene, mit subtilem Humor inszenierte Film kreist um Be- und Verurteilungen in einer sich perfekt wähnenden Gesellschaft, die sich darüber selbst ein Bein stellt. Ein aufwühlender Beitrag zur Debatte im Spannungsfeld von Wahrheit und Gerechtigkeit. - Sehenswert ab 14.