Szene aus „Wovon sollen wir träumen“ (© Riva Film/Rafael Starman)

Neuer Kinotipp: „Wovon sollen wir träumen“

Das Drama „Wovon sollen wir träumen“ von Milena Aboyan und Constantin Hatz ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik.

Aktualisiert am
22.02.2026 - 01:06:45
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An einer Lebensmittelausgabe begegnen sich drei junge Frauen: Eine kurdisch-syrische Geflüchtete, eine aggressive Freigängerin und eine Polizistin. Das Drama „Wovon sollen wir träumen“ erzählt ihre Schicksale parallel und verwebt übergeordnete Themen wie Rassismus, Kriegstraumata und häusliche Gewalt zu einem düsteren Panorama weiblicher Lebensrealitäten. Der Film von Milena Aboyan und Constantin Hatz ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik.

 

Es beginnt an einer Lebensmittelausgabe: Evin (Bayan Layla) kann ihre Berechtigungskarte nicht finden und wird nicht in die Einrichtung gelassen, obwohl man sie dort kennt. Bitten und der Appell an die Vernunft helfen nichts, und so muss die aus dem kurdischen Teil von Syrien geflüchtete Frau unverrichteter Dinge wieder abziehen. Davor kommt es allerdings zu einem Tumult. Denn als ein anderer Bedürftiger Evin in der Schlange rassistisch beleidigt, schreitet Laura (Luise Aschenbrenner) aggressiv ein. Sie ist seit Kurzem Freigängerin aus dem Gefängnis und sollte sich eigentlich unauffällig verhalten; doch sie will gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen. Schließlich wird die Polizei gerufen, und die junge Beamtin Julia (Lea van Acken) muss schlichten.

Das Drama „Wovon sollen wir träumen“ von Milena Aboyan und Constantin Hatz führt die drei Hauptfiguren in den ersten Minuten zusammen, um ihre Geschichten danach parallel zu verfolgen. Alle drei befinden sich in Notlagen. Evin wohnt in einem Flüchtlingsheim und hat zwar eine Duldung für Deutschland, aber keine Arbeitserlaubnis. Laura hat sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht, hofft aber durch ein Praktikum in einem Tierheim auf die Reintegration in die Gesellschaft. Allerdings lastet die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter auf ihr. Im Vergleich zu den beiden anderen Frauen hat Julia das vermeintlich beste Leben, doch hinter der Fassade sieht es anders aus: Ihr nach außen hin freundlicher Gatte schlägt sie, und sie hat keine Handhabe dagegen.

Auf ihre Weise schwanken alle drei Hauptfiguren zwischen Hoffnungen und der Realität, können sich nicht von der Gewalt in ihrem Dasein befreien, die in den Fällen von Evin und Laura (vererbt durch ihre Mutter) auch durch Kriegstraumata bedingt sind. „Wovon sollen wir träumen“ untersucht die psychologischen Mechanismen, die die Figuren hemmen, und thematisiert dabei auch Rassismus, Integrationsprobleme und die Tabuisierung von häuslicher Gewalt.

Bayan Layla in „Wovon sollen wir träumen“
Bayan Layla in „Wovon sollen wir träumen“ (© Riva Film/Rafael Starman)

 

Das Gemeinsame fasziniert

Tief beeindruckt zeigt sich die Jury der Katholischen Filmkritik von dem Drama und wählte es zum neuen Kinotipp. Lob wird vor allem der authentischen Figurenzeichnung gezollt. „Trotz beständigen Wechsels zwischen den drei Erzählungen geht niemals das Interesse oder der Überblick verloren. Vielmehr fasziniert das Gemeinsame: Psychischer Druck und bereits existierende Traumata belasten auch die nachfolgenden Generationen“, so die Jury. Die gewählte Form von „Wovon sollen wir träumen“ sei klug umgesetzt, um beobachtend und einfühlsam die Geschichten der drei Frauen zu erzählen. „Ihre Lebenswege berühren sich in der filmischen Begegnung nur leicht. Sie verbinden sich aber im individuellen Erleben von Traumata und deren Auswirkungen auf familiäre Bindungen und der jeweiligen Einstellung zum Leben“, heißt es von der Jury weiter.

Als subtil würdigt die Kinotipp-Jury außerdem die Entscheidung, das Leid der Figuren oft nur in Blicken und Gesten anzudeuten. Durch den permanenten Wechsel zwischen den Geschichten verstehe es „Wovon sollen wir träumen“, eine große Spannung aufzubauen. Auch die Berührungspunkte der verschiedenen Handlungsstränge wirkten nicht forciert, sondern seien dramaturgisch gelungene Momente, um die Gemeinsamkeiten der verschiedenartigen Biografien vor Augen führen.

Auch der Verzicht auf einen expliziten, womöglich überdeutlichen politischen Kommentar findet die Zustimmung der Jury. Eine politische Ebene werde nur zwischen den Bildern sichtbar beziehungsweise in Gesprächen angedeutet. Dafür werde aber die existenzielle Ebene umso spürbarer und durch die hervorragenden Darstellerinnen auch lebensnah verkörpert. „Verletzungen und Heilungen, Ausgrenzung und Empathie, Nähe und Distanz, all das wird glaubhaft zum Ausdruck gebracht“, befand die Jury.

 

Wovon sollen wir träumen“ läuft ab 19. Februar in deutschen Kinos.

 

Hinweis

Der „Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ hebt Filme hervor, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen und Antworten auf existenzielle Fragen formulieren.

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