Mit dem Drama „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak gewinnt 22 Jahre nach „Gegen die Wand“ erneut ein deutsch-türkischer Regisseur den „Goldenen Bären“ bei der Berlinale. In einem eher schwachen, politisch aber aufgeheizten Festivaljahrgang setzt sich damit eine packende, filmisch bestechende Kampfansage an den politischen Autoritarismus durch.
Eigentlich gehört die Phrase „Die Sache ist komplex“ ins Reich politischer Nebelkerzen, doch bei der Preisgala der 76. Filmfestspiele von Berlin zählte sie ausnahmsweise zu den wichtigsten Allgemeinplätzen des Abends. Festivalchefin Tricia Tuttle und Jurypräsident Wim Wenders waren sich einig, dass sich all das, was in den vergangenen zehn Tagen zum Politikum aufgebauscht wurde, etwa die Frage des Engagements der Kunst in einer Welt der Kriege und des Autoritarismus, nicht auf ein Statement herunterbrechen lasse, das sich auch noch in den Sozialen Medien gut machen würde.
Tricia Tuttle, die sich während des Festivals der Kritik ausgesetzt sah, dass die Berlinale nicht eindeutig genug Stellung gegen all das bezieht, was im Nahen Osten falsch läuft, versuchte in ihrer Begrüßung