MUBI zeigt exklusiv die Streamingpremieren der in Cannes beziehungsweise in Venedig preisgekrönten Filme „Ein einfacher Unfall“ von Jafar Panahi und „Pompeji: Unter den Wolken“ von Gianfranco Rosi. Außerdem würdigt eine Reihe den im Februar verstorbenen Dokumentaristen Frederick Wiseman. Ein Überblick über die März-Highlights des Arthouse-Streamingdiensts.
Beim Schlagwort „Pompeji“ denken die meisten wohl zuerst an die antiken Überreste, die der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. einst unter dem Ascheregen begrub und die heute zu den meistbesuchten Touristenattraktionen Italiens gehören. Der Dokumentarfilm „Pompeji: Unter den Wolken“ (2025) beschränkt sie indes keineswegs auf den in so vielen TV-Dokus üblichen Blick auf touristische Anziehungspunkte. Er stammt von Gianfranco Rosi, dem derzeit renommiertesten Dokumentaristen Italiens, und was er liefert, ist ein faszinierend vielschichtiges Bild der Region um Pompeji und Neapel, gedreht in poetischen Schwarz-weiß-Bildern. Rosi zeigt unterschiedlichste Facetten des Lebens in der Region. Zum Beispiel die Arbeit in einer Notrufzentrale, wo, wenn mal wieder die Erde etwas bebt, besorgte Anwohner anrufen und fragen, ob irgendwelche vulkanischen Aktivitäten zu fürchten sind. Oder die Hausaufgabenbetreuung eines alten Mannes in einem Antiquariat, wo verschiedene Kinder der Nachbarschaft Betreuung und Unterstützung finden. Oder zwei syrische Seemänner, deren Schiff im Hafen von Neapel Getreide aus der Ukraine anliefert und die auf die Rückfahrt ins kriegsgebeutelte Odessa warten.
Die Vergangenheit der antiken Lebenswelt, die dem Vulkanausbruch zum Opfer fiel, schillert dabei immer wieder in die Gegenwarts-Ausschnitte: Archäologen hüten ihre Überbleibsel, Touristen besichtigten ihre Zeugnisse. Und illegal angelegte Tunnel in der Region, die Polizei und Staatsanwaltschaft untersuchen, zeugen von ihrem Ausverkauf durch Grabräuber, die dort gegraben haben. Eine visuell exquisite Annäherung, die die Region nicht nur als Ort versteht, sondern als Gebilde aus Landschaft und (Lebens-)Geschichte(n). Beim Filmfestival Venedig 2025, wo der Film Premiere feierte, gab es dafür den Spezialpreis der Jury; am 27. März hat er nun deutsche Streaming-Premiere bei MUBI.
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In memoriam Frederick Wiseman
Außerdem würdigt MUBI ab 20. März den am 16. Februar 2026 verstorbenen US-Dokumentaristen Frederick Wiseman, der seit den späten 1960er-Jahren bis 2020 in seinen Arbeiten immer wieder in unterschiedlichste menschliche Mikrokosmen eintauchte, ihren Alltag beobachtete, erkundete, wie sie funktionieren und welche Themen und Probleme sie umtreiben. Dabei konnte es um Orte und Ortschaften gehen (wie etwa in „Aspen“, 1990, „In Jackson Heights“, 2015, oder in einem seiner letzten Werke „Monrovia, Indiana“, 2018), um staatliche Institutionen wie in „National Gallery“, 2014, oder „City Hall“, 2020) oder um Arbeitswelten wie zum Beispiel in „Fleisch“ (1976) oder „Das Kaufhaus“ (1983).
MUBI erinnert in einer kleinen Reihe an den Filmemacher, die ihn als wichtigen Beobachter US-amerikanischer Wirklichkeit würdigt. Neben Arbeiten wie „Aspen“, „City Hall“, „In Jackson Heights“ und „Das Kaufhaus“ sind darin unter anderem zwei Filme zu einem Thema zu sehen, das Wiseman bis ins hohe Alter immer wieder umtrieb, nämlich zum Thema Bildung. Als ältester Film der Reihe läuft „High School“ (1968), in dem Wiseman das Treiben an einer Schule in Philadelphia einfängt; außerdem ist sein Universitäten-Porträt „At Berkeley“ (2013) Teil der Auswahl.
Filme zum Internationalen Frauentag
Die Brüder Lumière, der Fantast Georges Méliès, der Montage-Pionier D.W. Griffith: Während diese Väter des frühen Films schon lange ihren Ehrenplatz in der Filmgeschichtsschreibung haben, ist eine wichtige Kinopionierin erst recht spät wieder ins öffentliche Gedächtnis zurückgekehrt: Alice Guy-Blaché (1873-1968), eine Französin, die als Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin tätig war und ab 1896 rund 1000 Filme drehte. Anlässlich des am 8. März gefeierten Internationalen Frauentags widmet MUBI dieser Mutter des Kinos einen kleinen Schwerpunkt, der drei ihrer Werke versammelt und, so die Ankündigung „exemplarisch die Bandbreite, Innovationskraft und Ambition ihres Schaffens“ zeigen soll. Mit dabei ist die poetische Perle „Falling Leaves“ (1912), ein rund 12-minütiger Film, den Guy-Blaché in den USA realisierte, wo sie zusammen mit ihrem Mann und einem anderen Partner seit 1910 ein eigenes Studio führte. Der Film erzählt von einem kleinen Mädchen, das hört, wie der Arzt diagnostiziert, dass seine an Tuberkulose erkrankte Schwester den Herbst nicht überleben würde und wohl tot sei, wenn die letzten Blätter von den Bäumen fallen. Worauf das Kind reagiert, indem es schlicht versucht, das Schicksal auszutricksen, indem es die toten Blätter mit Fäden an den Zweigen befestigt.
Außerdem ergänzt MUBI seine bereits im Februar gestartete Jafar-Panahi-Reihe um den jüngsten Film des Regisseurs: Nachdem das Rache-Drama „Ein einfacher Unfall“ dank MUBI im Januar in den deutschen Kinos lief, feiert die in Cannes 2025 mit der „Goldenen Palme“ geehrte Arbeit des iranischen Regisseurs nun am 6. März ihre Streaming-Premiere exklusiv bei MUBI.
Die MUBI-Highlights im März im Überblick
- März
Symbiopsychotaxiplasm: Take One
- März
- März
Reihe „Die Pionierin: Drei Filme von Alice Guy-Blaché“:
Falling Leaves
The Girl in the Arm-Chair
The Ocean Waif
- März
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- März
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- März
Reihe „The United States of Frederick Wiseman”:
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Blossoms Shanghai – Teil 2
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