Ende der 1920er-Jahre tritt das junge Dienstmädchen Celestine (Jeanne Moreau) eine neue Stelle in der Normandie an. Sowohl bei der bürgerlichen Familie als auch bei den anderen Angestellten stößt sie dabei auf ungezügelte Begierden und skrupellose Übergriffigkeiten. Die unverblümten Avancen des Gärtners (Georges Géret) weist sie entschieden ab und bleibt allen gegenüber auf einer beobachtenden Distanz. Nur zu dem kleinen Bauernmädchen Claire (Dominique Sauvage-Dandieux) entwickelt sie ein liebesvolles Verhältnis. Doch als das Kind einer brutalen Gewalttat zum Opfer fällt, überkommt die Zofe ein schrecklicher Verdacht. Sie beschließt, ihm auf den Grund zu gehen.
„Tagebuch einer Kammerzofe“ von Luis Buñuel entkleidet den Roman von Octave Mirbeau und dessen zurückgenommene Adaption durch Jean Renoir aus dem Jahr 1946 seines historischen Schleiers. Buñuel schrieb die Vorlage um und übertrug die Handlung aus dem 19. Jahrhundert ins Jahr 1928, als er den sozialen und politischen Aufruhr in Frankreich am eigenen Leib miterlebte. In seiner Inszenierung entpuppt sich der Stoff als bitterböse Satire auf die in ihren Traditionen erstarrte Bourgeoisie vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Jeanne Moreau befördert in der Rolle des Hausmädchens Célestine die hinter der Fassade des Wohlanständigen lauernden Untugenden eines Milieus zutage, das Buñuel zutiefst verachtete und in vielen seiner Filme auf teils schockierende Weise kritisierte. – Ab 16.