Sandra Hüller in „Rose“ (© Piffl Medien)

Neuer Kinotipp: „Rose“

Das Historiendrama „Rose“ von Markus Schleinzer ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik.

Aktualisiert am
02.05.2026 - 10:28:16
Diskussion

In dem Historiendrama „Rose“ taucht im 17. Jahrhundert ein Soldat in einem Dorf auf, erhebt Anspruch auf einen Hof und wird nach anfänglicher Ablehnung von den Dorfbewohnern akzeptiert. Doch der vermeintliche Mann ist eine Frau namens Rose, die in ihrer Identität als Gutsherr gesellschaftliche Anerkennung erlangt. Doch auf Dauer bleibt ihr Geheimnis nicht verborgen. Der in strengem Schwarz-weiß inszenierte Film über Freiheit, Identität und Geschlecht ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik.

 

Ein abgeschiedenes protestantisches Dorf im 17. Jahrhundert: Hier erscheint eines Tages ein geheimnisvoller Soldat (Sandra Hüller), der im Dreißigjährigen Krieg gedient hat, und erhebt Anspruch auf einen verwaisten Gutshof. Die Dokumente, die er vorzeigt, sind rechtens, der Mund, von einer Gewehrkugel durchschossen, sitzt schief. Von den Männern der Gemeinde wird der Neuankömmling argwöhnisch beäugt, allerdings ahnen sie nicht, was eine Erzählerin verrät: Der vermeintliche Mann ist eine Frau namens Rose. Diese hat sich die Gesten und Haltungen des anderen Geschlechts angeeignet und lässt sich von ihrem Plan nicht abbringen. Ersten Respekt erwirbt sie sich, als sie einen Bären tötet, sowie als Gutsherr, der das Land wieder fruchtbar macht. Doch erst die Ehe mit Suzanna (Caro Braun), der Tochter des Großgrundbesitzers (Godehard Giese), verschafft Rose die gewünschte Anerkennung. Doch mit ihr wächst auch die Gefahr, dass ihr Geheimnis offenbar wird.

Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer orientiert sich in „Rose“ an verschiedenen historischen Berichten über Frauen, die sich als Mann ausgaben, legt seinen Film aber zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit an. Die Inszenierung beschränkt sich auf Gesichter, Blicke, Haltungen, den Gang und ein paar wenige markante Objekte. Die Titelfigur ist bewusst offen angelegt, was sie umso anschlussfähiger für Fragen nach Identität, Performativität und Geschlecht macht.

 

Weder museal noch bedeutungsschwer

Als einen Film von seltener Geschlossenheit würdigt die Jury der Katholischen Filmkritik „Rose“: „Formal streng, emotional genau und in jeder Einstellung von einer beeindruckenden inneren Ruhe, entsteht ein Historienfilm, der weder museal noch bedeutungsschwer wirkt“, erklärte die Jury, die den Film zum neuen Kinotipp gekürt hat. Vielmehr sei er klar, konzentriert, vollkommen bei sich und damit hochaktuell. Lob findet auch „die imponierende formale Geschlossenheit der Erzählung“, die sich etwa in den beeindruckenden Schwarz-weiß-Bildern und den wenigen, aber sorgfältig gestalteten Orten und Personen manifestiert. Als sehr gelungen würdigte die Jury auch die Einbindung der Erzählerin, die immer wieder den Bogen vom Historischen ins Heute möglich mache, indem sie kommentiert und einordnet.

Ehepaar unter falschen Annahmen: Caro Braun und Sandra Hüller in „Rose“
Ehepaar unter falschen Annahmen: Caro Braun und Sandra Hüller in „Rose“ (© Piffl Medien)

 

Als Geschichte über die patriarchale Machtausübung und die schwächere rechtliche Stellung der Frauen im 17. Jahrhundert führe der Film vor, wie der Platz aller Personen innerhalb der Gesellschaft festgeschrieben und unabänderlich sei, so die Jury. Rose gelinge es aber gerade deswegen, die Situation zu nutzen, um von vollkommener Machtlosigkeit zu Selbstermächtigung zu gelangen. Eine große Stärke des Films sei auch, dass er sich nicht festlege, was eine sexuelle Deutung ihrer Motivation angehe und damit interpretatorisch offenbleibe. „Nichts wird übererklärt, nichts psychologisch ausgewalzt; gerade diese kluge Zurückhaltung gibt der Figur ihr Gewicht und dem Film seine Spannung.“

Viele Anerkennung zollte die Jury auch der Kameraarbeit. „Die Bilder beobachten Gesichter, Körper und Räume mit einer Nüchternheit, die nie kalt wirkt. Statt historischer Behaglichkeit erzeugt die Kamera eine eigentümliche Nähe: Sie macht die Enge dieser Welt spürbar, ohne sie auszustellen, und findet in der Strenge der Komposition eine große, fast spröde Schönheit.“ Bedeutenden Anteil an der Wirkung des Films habe zudem Hauptdarstellerin Sandra Hüller, so die Jury. Ihr Spiel suche nicht den großen Ausbruch, sondern die feinen Verschiebungen. Gerade dadurch werde diese Figur so gegenwärtig.

 

Rose“ läuft ab 30. April in deutschen Kinos.

 

Hinweis

Der „Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ hebt Filme hervor, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen und Antworten auf existenzielle Fragen formulieren.

Jetzt den FILMDIENST-Newsletter bestellen

Ja, ich möchte wöchentlich den FILMDIENST-Newsletter abonnieren. 
 
In jedem Newsletter befindet sich ein Link zum Abbestellen. 
 
Hinweise zum Widerruf und der Verarbeitung der Daten geben wir in unserer Datenschutzerklärung.
Kommentar verfassen

Kommentieren