Meryl Streep & Stanley Tucci in "Der Teufel trägt Prada 2" (© 20th Century Studios/Walt Disney)

Fashion-Märchen

Der Designer als Co-Autor: Der Einfluss von Mode auf die Erzählung und den Erfolg von „Der Teufel trägt Prada“ Teil 1 und 2

Aktualisiert am
05.05.2026 - 10:59:59
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Mit einem geschätzten Kostümwert von über einer Million Dollar hatte David Frankels „Der Teufel trägt Prada“  lange Zeit einen der höchsten Ausstattungswerte aller Zeiten. Unvergessen sind Meryl Streeps opulente Outfits als Chefredakteurin Miranda Priestly und Anne Hathaways Looks als neu zu der Redaktion stoßende Andy Sachs, vor allem die schwarzen Overknee-Chanel-Boots, die Andy nach ihrem Makeover trägt. Aber wie gut ist eigentlich das Original gealtert, und welches schweigende Narrativ steckt in der Fortsetzung? Eine Einordnung mit Kulturwissenschaftlerin Vera Klocke, wie durch geschickten Einsatz von Mode Charaktere entstehen und wie lesbar der Plot der Fortsetzung ist. 

 

 

Der Teufel trägt Prada“ ist wohl das beliebteste Fashion-Märchen der 2000er-Jahre. Der Film folgt einem klassischen Aschenputtel-Narrativ, angesiedelt im Umfeld des fiktiven, der „Vogue“ nachempfundenen New Yorker Fashionmagazins „Runway“. Dabei erhebt sich die unaufgeregt gekleidete Assistentin Andrea „Andy“ Sachs (Anne Hathaway) im Kosmos von „Runway“-Chefin Miranda Priestly (Meryl Streep) zu einer durchgestylten, selbstbewussten Frau in Designermode. Warum der Film mehr ist als ein Fashionstatement, weiß Kulturwissenschaftlerin Vera Klocke. Gemeinsam mit Kostümbildnerin Freya Herrmann setzt sie sich in ihrem Podcast „Fashion The Gaze“ und auch live im TikTok Kolloquium in der Berliner Volksbühne mit gesellschaftspolitischen Inszenierungen auseinander.

 

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Für Vera Klocke hat der erste Teil immer noch Relevanz: „Der Film ist ziemlich gut gealtert, weil alle Hauptfiguren durch das Kostümdesign von Patricia Field als klare Figur herausgearbeitet wurden. Einzelne Figuren werden bis heute stark mit Fashionbrands assoziiert. Miranda Priestly zum Beispiel mit Prada-Handtasche und großen Mänteln unter anderem von Fendi und Donna Karan, aufwendigen Outfits mit Pelz, Federn, Strukturen und auffälligen Applikationen. Die skulpturalen Looks von Miranda werden zu einer militärisch wirkender Fashion-Uniform, die ihre Stärke und ihre Autonomie als brillante, visionäre Führerin des Fashion-Magazins betonen.“

Die Mode-Meisterin: Meryl Streep im ersten "Der Teufel trägt Prada"-Film
Die Mode-Meisterin: Meryl Streep im ersten "Der Teufel trägt Prada"-Film (© 2006 Twentieth Century Fox)

 

Im zweiten Film ist sie weiterhin Chefin von „Runway“. Das Fashionnarrativ von Kostümbildnerin Molly Rogers ändert sich aber in „Der Teufel trägt Prada 2”, so Klocke. Bei ihrem ersten Auftritt wird sie in einem voluminösen knallroten Balenciaga-Kleid aus Ballseide gezeigt. „Miranda soll als abgeschlossenes Fashion-Kunstwerk, das die Fashionwelt dominiert und sich nicht für das Banalästhetische des Alltags interessiert, inszeniert werden. Ihre Looks sind nicht alltagskompatibel, weil sie das ästhetisch ablehnt.”

Im ersten Teil trägt sie opulente Signature Pieces, im zweiten Teil unter anderem Anzüge oder Zweiteiler in gedeckten Farben. „Während Miranda im ersten Teil viele klassische Teile trägt, haben ihre Looks im zweiten Teil eine gewisse Schnelllebigkeit und erinnert stark an aktuelle Fashion-Trends. Sie kombiniert zum Beispiel öfter Silber mit Gold, zum Beispiel zu silbernen Ohrringen eine Sonnenbrille mit goldenen Zeichen.”

Stanley Tucci als gute Fee, die "Cinderella" Anne Hathaway in Teil 1 zur Seite steht
Stanley Tucci als gute Fee, die "Cinderella" Anne Hathaway in Teil 1 zur Seite steht (© 20th Century Fox)

 

Viel klassischer hingegen erscheint Nigel Kipling (Stanley Tucci) mit teuren italienischen Marken wie Dolce & Gabbana und Giorgio Armani. „Nigel stellt seine zumeist ähnlichen Anzüge und Krawatten mit viel Akkuratesse zusammen. Es hat etwas Konformes, Verlässliches und zeugt von zurückhaltender Eleganz. Er erinnert ein bisschen an einen älteren italienischen Herrn.” Auch im Film ist Nigel treuer Freund und Unterstützer.

 

Verführerischer Stil im Büro

Am spannendsten sind die Looks von Andy in „Der Teufel trägt Prada 2“. Sie kommt als leitende Redakteurin zurück zu „Runway“ und überzeugt vor allem durch einen alltagstauglichen, sehr cleanen, coolen Look. Besonders auffällig sind die weiblich interpretierten Anzuglooks: Feminine Menswear mit Nadelstreifen, Krawatte oder Weste, der dezent auf den Office-Siren-Look anspielt. „In den letzten Jahren gab es den Office-Siren-Look, eine Form von Femme Fatale-Inszenierung im Office-Kontext,“ erklärt Klocke. Dabei wurde klassische Businesskleidung wird mit subtiler Sinnlichkeit verbunden. Taillierte Blazer, Bleistiftröcke und Brillen treffen für einen professionellen, aber verführerischen Stil auf figurbetonte Schnitte.

Im Look spiegelt sich auch in Teil 2 Andys innere Reise
Im Look spiegelt sich auch in Teil 2 Andys innere Reise (© 20th Century Studios/Walt Disney)

 

Mirandas Assistentin Amari (Simone Ashley) geht noch mehr in Richtung Office Siren, präsentiert sich mit sehr kurzen Röcken sexier. Als Kind der „Gen Z“ unterscheidet sie sich deutlich von Andy in Teil 1: „Im Gegensatz zu Andy in den 2000ern spricht Amari die Sprache der Mode sofort fließend. Sie präsentiert sich offensiv mit Krawatte in verschiedenen Anordnungen. Sie verbindet Office-Kultur mit High-Fashion-Momenten und scheint perfekt in das Unternehmen zu passen.“

 

Die Weiterführung des „Cerulean"-Narrativs

Andy vollzieht auch im zweiten Teil eine Wandlung: „Andy muss sich dem Journalismus auch in ihren Looks gegenüber integer verhalten, das sieht man auch an ihrer Kleidung.“ Sie hat einen praktischen Look. Andy bleibt natürlich, deshalb sieht man sie im Film auch mal im T-Shirt oder einer schlichten weißen Hose. Ihre Kleidung ist alltagstauglich. Sie fährt damit U-Bahn oder hetzt durch New York. Der Künstlichkeit von High-Fashion entgegnet Andy mit pragmatischen Looks.

Im Laufe des Films ändert sich das: Im bunten Maxikleid von Gabriela Hearst im Patchworklook setzt Andy in den Hamptons das farbige Statement, dass sie nun Teil von „Runway“ ist: „Sie lässt sich wieder von der Fashionwelt einnehmen, man sieht sie in auffälliger Kleidung und Glitzer.” Gegen Ende besinnt sich Andy aber wieder auf ihre inneren Werte. Dafür zitiert der Film die wohl bekannteste Szene aus „Der Teufel trägt Prada”: den noch heute legendären Cerulian-Monolog, in dem Miranda Andy anhand ihres unförmigen azurfarbenen Zopfpullovers eine Lektion über die Reise von High-Fashion in die Massenproduktion erteilt hatte.

„In der letzten Einstellung trägt Andy eine Levis 501-Jeans und den azurfarbenen Pullover, jetzt zum Pullunder geschnitten, den wir noch aus dem ersten Film kennen. Sie hat also etwas genommen, was als uncool betitelt wurde, und modifiziert und angeeignet. Somit wird ein Full-Circle-Moment ihrer Heldinnenreise im Kostüm dargestellt.“ Andys pragmatisch-praktischen Look erkenne man auch daran, dass die Hose ihre Figur nicht betont. „Sie wird als Figur inszeniert, die sich für sich und nicht für einen fremden Blick anzieht.“

 

 

Die Businesswelt in Der Teufel trägt Prada 2”

Es werden neben Andys Assistentin Jin (Helen J. Shen) weitere Charaktere eingeführt, die neue Fashioncodes mit sich bringen. Anders als im ersten Teil befindet sich das Printbusiness in der Krise. Neu ist die Person des Jay (B. J. Novak) als Sohn von Mirandas Chef, der sogar das „Runway”-Büro mit synthetischer Sportkleidung und Laufschuhen betritt: „Ich lese Jay als Tech-Milliardär mit Funktionskleidung, wie sie Personen aus dem Silicon Valley tragen. Es sind Männer, die so mächtig sind, dass sie mit ihrer Kleidung niemanden beeindrucken müssen. Bei Jay gibt es keine klare Markenzuordnung. Das ist eine ganz starke Reduzierung, die auf den ersten Blick nicht als Fashion-Interesse sichtbar wird.“

Dass Jay als Vertreter der New Economy, der gerne Sportlervokabular verwendet, immer in marineblau zu sehen ist, sei kein Zufall: „Seine blauen Steppwesten sind bei Männern an der Wall-Street ikonisch geworden. Diese Art von Dunkelblau wird mit bourgeoiser Herrschaftlichkeit verbunden.”

 

Kulturwissenschaftlerin Vera Klocke
Kulturwissenschaftlerin Vera Klocke (© Tini Groebner)

 

In einer Szene sitzt Miranda Priestly inmitten von Business Consultants in einem mit bunten Quasten besticktem Dries van Noten-Jackett und sticht klar hervor. Es sind klar zwei Welten: Miranda tritt als Kreative der künstlerisch interessierten Fashion-Welt in Erscheinung und bildet einen deutlichen Kontrast zur Seite der rationalisierenden, gewinnmaximierungsinteressierten McKinsey-Berater:innen.

Auch der Look von Geschäftsfrau Sasha Barnes (Lucy Liu) ist konsequent. Eingeführt wird sie durch die Abbildung eines Covers auf dem „Runway”-Magazin. Im Gegensatz zu Jay bekennt sie sich zur Fashionwelt, außerhalb des Trubels von New York auf ihrem eigenen Landsitz. „Auf dem Cover zeigt sich Sasha Barnes an der Seite ihres Mannes mit einem schicken Look, der sich nicht in den Vordergrund spielt. Man spricht hier von Quiet Luxury, unaufdringlichem, stillen Luxus. Sie tritt eher als Mäzenin in Erscheinung und das unterstreicht sie mit ihren eher zurückhaltenden, aber edlen Looks.”

 

Mode als (Alltags-)Märchen in einer realen Welt

Der „Teufel trägt Prada“ bleibt ein Fashion-Märchen: „Im ersten Film fragt man sich, wie Andy auf einmal über hundert Chanel-Looks im Schrank hat, aber das ist die Freude am Fashion-Film. Patricia Field, die damalige Kostümbildnerin, hat einmal gesagt, dass der Film keine Dokumentation der Fashionwelt sei. Das Besondere an dem Film ist, dass er Fashion als wesentlichen Aspekt der Inszenierung ernst nimmt und lustvoll damit spielt.”

Auch „Der Teufel trägt Prada 2“ folgt einem klaren Fashion-Narrativ, ist auch mal verspielt. In Mailand wird Andy als Feldforscherin inszeniert, die in einer Art James-Bond-Moment eine Schiebermütze trägt. Dazu eine schwarze Paillettenhose, einen roten Ledermantel und eine Sonnenbrille. Es ist eine lustvolle Verkleidung, die Andy hier zelebriert. Statt ständig schnörkellos und schlicht zu bleiben, hat sie hier einen eigenen Fashion-Moment.

Auch in Teil 2 ist Emily Blunt wieder mit von der Partie
Auch in Teil 2 ist Emily Blunt wieder mit von der Partie (© 20th Century Studios/Walt Disney)

 

Emily Charlton (Emily Blunt) hingegen ist in Hinblick auf ihre Kleidung im zweiten Teil eine eher blasse Figur. „Du bist keine Visionärin, du bist eine Verkäuferin“, sagt Miranda Priestly im zweiten Teil zu ihr, was der Film durch die Outfits bestätigt: „Emily trug im ersten Film dunkle Outfits mit starken Silhouetten. Sie war eine etwas düstere, ambivalente Figur, bei der es auch Lust gemacht hat, hinzugucken. Das ist jetzt stark aufgebrochen.“ Emily arbeitet bei Dior, das Markenlogo ist auf ihrer Kleidung klar erkennbar. „Sie wird als Person dargestellt, die abseits der mit Freiheit und Intellekt assoziierten Welt des Journalismus in einer gewissen Co-Abhängigkeit mit Marken steht. Emily wird als Person inszeniert, die mitunter als Werbefläche für die Marken, für die sie arbeitet, in Erscheinung tritt."

 

Ein Marketing-Spektakel

Der Film werde nach Ansicht von Vera Klocke als Kultfilm weniger Chancen haben, denn auch bei Miranda Priestly ist das Narrativ wenig bekräftigend: „Aus „Der Teufel trägt Prada” ist sie stark herausgegangen als Visionärin, die zwar mit fiesen Tricks arbeitet und narzisstisch agiert, aber dadurch und durch ihre ikonischen Outfits einen Kultcharakter entfaltet. Der zweite Teil macht gesellschaftspolitische Diskussionen auch in punkto Political Correctness auf. Der Film nimmt aber keine Haltung dazu ein und verhält sich auf eine Art und Weise zur Gegenwart, die ihn relativ schlecht altern lassen wird. Ich lese den ganzen Film in erster Linie als großes Marketing-Spektakel.“ Selbst Lady Gaga hat in diesem filmischen Fashion-Event einen Platz. Insgesamt bleibt „Der Teufel trägt Prada 2“ hinter dem Original zurück. Nicht zuletzt, weil die Fashionbotschaften platt wirken und der Film als Mode-Märchen komplett durchinszeniert wurde.

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