Eigentlich wird Kommissarin Noémie Chastain (Laura Smet) von ihrem Vorgesetzten in das südfranzösische, an einem Stausee gelegene Örtchen Avalone entstandt, um sie zu schonen. Noémie ist gerade erst von einem traumatischen Einsatz genesen, durch den sie schwere Vernarbungen auf einer Gesichtshälfte davongetragen hat; dass sie in Avalone die Polizeidienststelle evaluieren soll, damit entschieden werden kann, ob diese weiter geöffnet bleiben soll oder geschlossen wird, verspricht ein ruhiger Job zu werden. Doch kaum ist sie vor Ort, taucht in dem sonst ruhigen Städtchen ein Leichenfund auf: Aus den Tiefen des Sees, wo sich vor Errichtung des Stausees ein Teil des Ortes befand, wird ein Fass an die Oberfläche getrieben, das ein Skelett enthält. Schnell zeigt sich, dass es sich um eines von drei Kindern handelt, die vor 20 Jahren spurlos verschwanden, was nicht zuletzt dem örtlichen Kommissar Romain (Théo Costa-Marini) an die Nieren geht, der damals mit den dreien befreundet war.
Gemeinsam mit ihm und seinem dreköpfigen Team macht sich Noémie ans Ermitteln. Dabei unterstützen sie bald auch zwei Polizeitaucher, die im See nach den beiden übrigen damals verschollenen Kindern zu suchen beginnen. Und einer der beiden (Tomer Sisley) beginnt der Kommissarin, die sich sonst weitgehend hinter einer Fassade aus kühler Professionalität und Unnahbarkeit verschanzt, allmählich unter die Haut zu gehen. Je tiefer die beiden und ihr Team in den Fall eindringen, umso mehr rühren sie damit an lange gehütete Geheimnisse und alte Traumata.
Die belgisch-französische Serienadaption eines Kriminalromans von Olivier Norek punktet mit einer faszinierend spröden, stark gespielten Hauptfigur, suggestiv umgesetzten Tauch-Sequenzen und einer Geschichte, die mehr auf Charakterdrama als auf äußere Action setzt. Allerdings wirkt die Handlung auf sechs Episoden etwas zu forciert in die Länge gezogen; eine größere Verdichtung hätte der Spannungsdramaturgie gutgetan. - Ab 16.