Bei dem Arthouse-Streamingdienst ist die spanische Serie „La Mesías“ zu sehen, die um christlichen Fundamentalismus kreist. Die Reihe „Hallo, Welt“ versammelt Filme um Neuanfänge, Selbstfindung und aufkeimende Beziehungen, und ein Double Feature würdigt die Filmemacherin Nora Fingscheidt.
Wenn es um die Gefährdung durch religiösen Fundamentalismus geht, haben im Nachklapp von 9/11 viele lange zuerst an islamistischen Terror gedacht – doch in den letzten zehn Jahren hat sich immer mehr in den Vordergrund gedrängt, wie destruktiv und (demokratie-)gefährdend auch der christliche Fundamentalismus sein kann. Entsprechend sind auch Filme und Serien entstanden, die sich dem Thema widmen, allen voran die dystopische Serie „A Handmaid’s Tale“. Bei MUBI startet nun am 3. September eine packende Miniserie aus Spanien, entstanden im Jahr 2023, die sich auf kluge und differenzierte Weise daran abarbeitet, was passiert, wenn innige Religiosität in Ideologie kippt: „La Mesías“.
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Festgemacht wird das an einer Familiengeschichte. Ein Mann, der einst dem von religiösem Wahn befeuerten Zwangsregime seiner Mutter entfliehen konnte, das seine Kindheit prägte, wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert: In Spanien gehen Musikvideos einer katholischen Mädchengruppe viral; in den Musikerinnen erkennt er seine jüngeren Halbschwestern, die er einst bei der fanatischen Mutter zurückließ und die anscheinend immer noch von dieser instrumentalisiert werden. Gemeinsam mit seiner leiblichen Schwester, die damals mit ihm dem Elternhaus entfloh, will er sich nun dem Verdrängten stellen. „Leichte Abendunterhaltung ist von der Serie des Regieduos Javier Ambrossi und Javier Calvo nicht zu erwarten“, schreibt Sebastian Seidler in der Filmdienst-Kritik: „Das liegt vor allem daran, dass es keine einfachen Lösungen gibt: Religion und Glaube werden nicht verteufelt. Vielmehr sehen die Serienmacher hinter den spirituellen Praktiken eine existentielle Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit, die ungemein verletzlich macht – und anfällig für Manipulation und Machtmissbrauch.“
Weibliche Coming-of-Age-Geschichten
Ein Mädchen aus Slowenien, das in einem katholischen Chor singt und mit ihren Mitsängerinnen zum Probenwochenende in ein Kloster fährt, ist wiederum die Hauptfigur in dem bemerkenswerten Coming-of-Age-Film „Little Trouble Girls“, der ab 1. September im Rahmen einer neuen MUBI-Reihe läuft. Unter dem Motto „Hallo, Welt?“ versammelt diese Beiträge, die um Neuanfänge, Selbstfindung und aufkeimende Beziehungen kreisen. „Little Trouble Girls“ passt da sehr gut: Der Film kreist feinfühlig und mit wohldurchdachter, sehr sinnlicher Bildsprache um die Gefühlswirrungen, in die das Mädchen aus strenggläubiger Familie gerät, als es sich während des Probewochenendes zunehmend zu einem selbstbewussten anderen Mädchen des Chors hingezogen fühlt und zugleich fasziniert ist von der Physis eines jungen Arbeiters, der bei Restaurierungsarbeiten in dem Kloster mitwirkt.
Flankiert wird der Film in der Reihe unter anderem von Greta Gerwigs „Lady Bird“, ebenfalls eine weibliche Coming-of-Age-Story, in der eine von Saoirse Ronan verkörperte Schülerin im Mittelpunkt steht.
Unruhige Gewässer
Ein weiterer Film mit Saoirse Ronan startet bei MUBI am 5. September: das Drama „The Outrun“ von Nora Fingscheidt, in dem Ronan eine junge Frau spielt, die ihre Suchterkrankung hinter sich zu lassen hofft, als sie von London in ihre Heimat auf den schottischen Orkney-Inseln zurückkehrt. Doch der Ortswechsel allein löst ihre Probleme nicht; der Weg aus der Abhängigkeit ist auch hier schwierig. MUBI zeigt den Film im Rahmen eines Double Features zum Schaffen von Nora Fingscheidt unter dem schönen Titel „Unruhige Gewässer“.
Als zweiter Film ist darin „Systemsprenger“ zu sehen, das Drama, das ihr 2019 den großen Durchbruch bescherte, und die von Helena Zengel gespielte Kinderfigur darin ist wahrlich ein unruhiger Geist: Es geht um ein Mädchen, dessen Verhalten so extrem ist, das es selbst die Pädagogen an Grenzen bringt, in deren Hilfseinrichtung es betreut wird, weil seine Mutter völlig von ihm überfordert ist.
Konrad-Wolf-Reihe
Zu den älteren Funden aus der Filmgeschichte, die MUBI im September parat hat, gehört eine kleine Hommage ans filmische Schaffen von Konrad Wolf, einem der wichtigsten Filmemacher des DEFA-Kinos, der in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren prägende Werke schuf. „Abseits klassischer Heldenmythen beleuchtet er die komplexen Abgründe der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts“, fasst es die MUBI-Vorschau treffend zusammen. Gezeigt werden ab 11. September vier seiner Arbeiten in frisch restaurierten Fassungen, die seine „berauschend eigensinnige und zutiefst humanistische Regiehandschrift“ zeigen sollen.
Das MUBI-Programm im September im Überblick
- September
Nervous Energy (Kurzfilm von Eve Liu)
Reihe „Hallo, Welt?“ – Über Neuanfänge, Selbstfindung und aufkeimende Beziehungen
- September
La Mesías (Serie)
- September
- September
- September
Reihe „Keine Zeit für Helden: Die Filme von Konrad Wolf“
11.9.: Der geteilte Himmel
18.9.: Ich war neunzehn
Bereits verfügbar: Solo Sunny, Sterne
- September
- September
- September
- September
A Woman’s Torment
Devil in Miss Jones
Harlot
Verbotene Früchte der Erotik
- September
- September
Mother, I am Suffocating, This Is My Last Film About You
- September