Die Schauspielerin Marina Vlady war mit ihrer schwer durchschaubar wirkenden Erscheinung bereits als Jugendliche in Frankreich ein Kinostar. Ab den 1960er-Jahren verfeinerte die Darstellerin ihr Spiel noch weiter und kam in einem Historienfilm wie „Die Prinzessin von Cleve“ ebenso zur Geltung wie in Auteur-Werken. Außerdem war sie als Sängerin, Aktivistin und Schriftstellerin aktiv. Im Alter von 88 Jahren ist sie am 24. September 2026 gestorben.
Der Vater von Marina Vlady war Opernsänger, die Mutter Tänzerin, und auch die vier Töchter der aus Russland nach Frankreich emigrierten Familie schlugen schon als Kinder die Laufbahn als Künstlerinnen ein. Während auch ihre älteren Schwestern Odile Versois (1930-1980) und Hélène Vallier (1932-1988) einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangten, wurde die 1938 geborene Marina Vlady schon im jugendlichen Alter ein Star im französischen Kino. Die selbstbewusste, nicht leicht durchschaubare Erscheinung der blonden Darstellerin war schon in „Vor der Sintflut“ (1952) von André Cayatte einprägsam, in dem Marina Vlady zu einer Gruppe von Jugendlichen gehört, die angesichts überforderter und nachlässiger Eltern auf die schiefe Bahn geraten.
„Die blonde Hexe“ (1956) machte die Schauspielerin als mysteriöses schwedisches Naturkind endgültig berühmt. Auch die Rolle der Femme fatale meisterte sie bereits in diesen jungen Jahren, insbesondere in Zusammenarbeit mit Robert Hossein, mit dem sie von 1955 bis 1959 verheiratet war. Die beiden wurden nicht nur von anderen Regisseuren als Paar besetzt, etwa in der modernisierten Adaption von „Schuld und Sühne“ (1956), Hossein setzte auch bei seinen eigenen düsteren Regiearbeiten wie „Nachts fällt der Schleier“ (1958) auf Vlady als kongeniale Partnerin.
Schon früh war die Frühberufene auch in italienischen, (west-)deutschen und anderen internationalen Produktionen zu sehen, was zusehends auch zu dankbaren Rollen führte. So gab ihr Luciano Emmer einen zentralen Part im sozialkritischen „Mädchen im Schaufenster“ (1960), als ekstatische Jungvermählte in Marco Ferreris „Die Bienenkönigin“ (1963) wurde sie in Cannes ausgezeichnet, Orson Welles besetzte sie als Kate Percy in „Falstaff“ (1966). Daneben begeisterte sie in den 1960er-Jahren im französischen Kino sowohl im klassischen „Kino der Qualität“ – mit dem strengen Historienfilm „Die Prinzessin von Cleve“ (1961) – als auch in „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ (1967) von Nouvelle-Vague-Filmemacher Jean-Luc Godard.
Ihr stets konzentriertes Spiel und ihre darstellerische Bandbreite ließen weitere Zusammenarbeiten mit Auteur-Persönlichkeiten folgen, darunter mit den Ungarn Miklós Jancsó („Schirokko“, 1969) und Márta Mészáros („Zwei Frauen“, 1977), dem Russen Sergej Jutkewitsch („Sujet für eine Kurzgeschichte“, 1970), dem Argentinier Fernando E. Solanas („Tangos“, 1985) und dem Italiener Ettore Scola („Splendor“, 1989). Zugleich kehrte sie aber auch dem französischen Kino nicht den Rücken und trat in anspruchsvollen Filmen wie in populären Komödien auf.
Ab den 1960er-Jahren war sie auch als Sängerin erfolgreich, später schrieb sie auch Bücher, darunter „Vladimir ou le Vol arrêté“ (1987) über ihren dritten Ehemann Waldimir Wyssozki (1938-1980). Mit dem russischen Schauspieler und Dichter war sie von 1970 bis zu seinem Tod verheiratet, was beiden ein mühsames Lavieren zwischen Frankreich und der Sowjetunion auferlegte. Vom Kino zog sich Marina Vlady Ende der 1980er-Jahre weitgehend zurück und trat nur noch ab und an vor die Kamera. Am 24. September 2026 starb sie im Alter von 88 Jahren, „im Kreise ihrer Lieben und ihrer Tiere“, wie ihre Kinder bekanntgaben.
Hinweis
arte hat im Gedenken an Marina Vlady zwei ihrer besten Filme in die Mediathek gestellt. „Die Prinzessin von Cleve“ ist bis 23.12.2026, „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ bis 23.3.2027 abrufbar. Außerdem ist dort auch die Doku „Marina Vlady – Eine Schauspielerin im Kalten Krieg“ (bis 19.3.) zu sehen.