Sechs Filmbücher sowie fünf DVD- und Blu-ray-Editionen sind für den Willy-Haas-Preis 2026 nominiert. Die beiden Gewinner werden bei der Eröffnung des 39. Internationalen Filmhistorischen Kongresses am 13. November im Hamburger Metropolis-Kino bekannt gegeben.
Vom 13. bis 22. November 2026 wird das Hamburger Metropolis-Kino zum Schauplatz des 39. cinefest. Die filmhistorische Veranstaltung umfasst auch die Verleihung des Willy-Haas-Preises 2026. Dieser wird zum 23. Mal vergeben und geht an herausragende Filmbücher und DVD-/Blu-ray-Editionen, die zur Erschließung und Vertiefung des deutschen Filmschaffens beitragen. Die Auszeichnung ist nach dem 1891 geborenen deutsch-tschechischen Filmkritiker und Drehbuchautor Willy Haas benannt. Auf der Shortlist stehen in diesem Jahr sechs Bücher sowie fünf Heimkino-Veröffentlichungen aus den letzten 24 Monaten. Die Gewinner werden im Rahmen der Eröffnung des 39. Internationalen Filmhistorischen Kongresses am 13. November verkündet.
Gleich fünf der nominierten Filmbücher sind Kino-Persönlichkeiten aus dem frühen 20. Jahrhundert gewidmet. Friederike Grimm nimmt sich in „Die Anfänge des Starsystems“ der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen an, die schon früh ihre Filme selbst mitgestaltete und international agierte. Das Buch widmet sich ihrer Zeit in Deutschland und Österreich-Ungarn zwischen 1911 und 1914. Mit Ellen Richter dreht sich das Buch von Philipp Stiasny und Oliver Hanley ebenfalls um einen Star der Stummfilmzeit. Der Buchtitel „Die große Unbekannte des Weimarer Kinos“ zeigt an, dass die Filmhistoriker durchaus Neuland in der Filmforschung betreten haben. Am Übergang von der Stummfilm- zur Tonfilmzeit ist der Film „Menschen am Sonntag“ von Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer angesiedelt, der in der Film-Lektüre von Heike Klapdor als höchst einflussreicher Hybrid aus Dokumentar- und Spielfilm analysiert wird.
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Zwei der Willy-Haas-Kandidaten sind Künstlern gewidmet, die zu Opfern des Holocaust wurden. Kristina Höchs „Vertriebenes Lachen“ handelt von dem österreichischen Kabarettisten, Schauspieler und Autor Paul Morgan, der 1938 im Konzentrationslager Buchenwald starb. Rosemarie Kilius erinnert an den Schauspieler Joachim Gottschalk, der in der NS-Zeit die Scheidung von seiner jüdischen Ehefrau Meta Wolff verweigerte; 1941 nahmen sich beide gemeinsam mit ihrem Sohn das Leben. Gegenüber diesen Schicksalen nimmt sich der Regisseur Karl Hartl als ein Nutznießer der NS-Zeit aus. So steuerte er neben Unterhaltungsfilmen wie „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ als Produktionschef der Wien-Film auch Propagandafilme zum Nazi-Kino bei. Die von Armin Loacker herausgegebene Annäherung „Ein unangepasster Angepasster“ sucht neue Ansätze bei der Bewertung von Hartl.
Unter den nominierten DVD-Editionen findet sich mit einer in Großbritannien erschienenen Box zu den frühen deutschsprachigen Filmen von Douglas Sirk nur eine Beschäftigung mit Werken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gleich zwei Nominierungen widmen sich mit „Geißel des Fleisches“ (1965) und „Schamlos“ (1968) neuen DVD-Publikationen der Werke des Filmemachers Eddy Saller. Dieser trat in den 1960er-Jahren mit österreichischen Sex-&-Crime-Filmen hervor, die damals wenig Anklang fanden, im Rückblick aber als „Ausnahmeerscheinungen des österreichischen Nachkriegskinos“ gewürdigt wurden. Ebenfalls zweimal bedacht wird das DEFA-Kino. Zum einen nominierte die Jury eine DVD-Edition mit Science-Fiction-Filmen aus der DDR-Zeit von 1959 bis 1976; zum anderen überzeugte sie die Gesamtausgabe der Spielfilme von Konrad Wolf beim Label Filmjuwelen.
Die Gewinner erhalten jeweils eine Urkunde sowie eine Original-Grafik des Künstlers und Filmmachers Franz Winzentsen überreicht.
Die Jury des Willy-Haas-Preises 2026 bestand aus Christoph Dompke, Kay Hoffmann, Anne Jespersen, Günter Krenn und Elisabeth Ward.
Die nominierten Bücher und DVD-/Blu-ray-Editionen
Bücher
Die Anfänge des Starsystems. Asta Nielsen in Deutschland und Österreich-Ungarn 1911 – 1914. Von Friederike Grimm. Schüren Verlag, Marburg 2025. 426 S.
Vertriebenes Lachen. Der Kabarettist, Schauspieler und Autor Paul Morgan. Von Kristina Höch. Filmarchiv Austria, Wien 2025. 392 S.
Die tödliche Freiheit des Schauspielers Joachim Gottschalk. Von Rosemarie Kilius. Verlag Frank & Timme, Berlin 2025. 246 S.
Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer: Menschen am Sonntag. Von Heike Klapdor. Reihe Film-Lektüren. Edition text+kritik, München 2026. 103 S.
Ein unangepasster Angepasster. Die Filmkarriere des Karl Hartl. Von Armin Loacker (Hrsg.). Filmarchiv Austria, Wien 2025. 363 S.
Ellen Richter. Die große Unbekannte des Weimarer Kinos. Von Philipp Stiasny und Oliver Hanley. Synema Verlag, Wien 2025, 320 S.
DVD/Blu-ray
Geißel des Fleisches. Österreich 1965. Regie: Eddy Saller. Mit Herbert Fux, Hanns Obonya, Hermann Laforet. 88 Min. Label: Subkultur.
Konrad Wolf – Alle Spielfilme 1955-1979. 15 DVDs. Label: Filmjuwelen.
Schamlos. Österreich 1968. Regie: Eddy Saller. Mit Udo Kier, Rolf Eden, Marina Paal. 75 Min., Label: Subkultur.
Sirk in Germany 1934-1935. 2 BDs. 347 Min. Label: Eureka.
Strange New Worlds: Science Fiction at DEFA. 3 BDs. Label: Eureka.