In „Digger“ von Regisseur Alejandro G. Iñárritu präsentiert sich Hollywood-Superstar Tom Cruise von einer ungewohnten Seite: Statt sich in makelloser Form durch ein Action-Spektakel zu kämpfen, ist der Schauspieler äußerlich kaum wiederzuerkennen. Cruise verkörpert darin einen milliardenschweren Erdölmagnaten, der eine folgenschwere Katastrophe zu verantworten hat. Doch die Kritiken zum Film fallen bislang durchwachsen aus – und damit sinken auch Cruises Chancen auf wichtige Auszeichnungen.
Eigentlich war schon alles ausgemacht, als die ersten Trailer von „Digger“ veröffentlicht wurden: Tom Cruise flucht, stolziert und lacht diabolisch als auffällig gekleideter Machtmogul durch die Manege. Preisverleihungen prämieren es traditionell zu gerne, wenn Schauspieler wie Cruise, aufgefallen in den letzten Jahren vor allem mit seinen extravaganten Actionfilmen, allen voran der „Mission Impossible“-Reihe, mit Rollen aus Gewohnheiten ausbrechen.
Dazu kommt noch, dass der Hollywood-Schauspieler stundenlang in der Maske saß und in einen Fat Suit schlüpfen musste, um sich physisch vollständig zu verändern. Dass solche Verwandlungen Früchte tragen, hat man beispielsweise bei Gary Oldman in „Die dunkelste Stunde“ gesehen, der für seine Darstellung von Premierminister Winston Churchill 2018 seinen ersten „Academy Award“ einfahren konnte.
Durchwachsene Krtiken
Doch die ersten Pressestimmen zu „Digger“ von Regisseur Alejandro González Iñárritu fielen sehr durchwachsen aus. Mittlerweile dürfen sich auch deutsche Filmjournalist:innen äußern – ihre Fazits sind ebenfalls eher ernüchternd. Auch die Filmdienst-Kritik lobt zwar Cruises Darbietung sowie das ganze Ensemble, doch generell bleibt die komödiantische Farce zum Thema Umweltschutz zu oberflächlich.
Tom Cruise spielt darin Digger Rockwell, milliardenschwerer Erdölmagnat und Egomane, dessen rücksichtslose Profitgier für eine Katastrophe sorgt: Seine Bohrplattform in Grönland ist explodiert und fortan bewegt sich ein gigantischer Eisberg auf Nordeuropa zu, der zahlreiche Todesopfer verursachen würde. Auf Anraten seines wissenschaftlichen Beraters lädt er den US-Präsidenten und dessen Gefolgschaft zu einer Konferenz ein, doch das Unglück scheint kaum noch abzuwenden.
Mittlerweile fällt die Rezeption von „Digger“ derart durchwachsen aus, dass Warner Bros. Pictures die kontroversen Reaktionen offenbar kurzerhand zum Teil der eigenen Vermarktung macht. In einem neuen Promo-Trailer stellt das Studio bewusst gegensätzliche Stimmen nebeneinander: Auf Lob wie „Masterpiece“, „Brilliant“ oder „Magnificent“ folgen unmittelbar deutlich negativere Einschätzungen wie „Unpleasant“, „Baffling“ oder „Insufferable“.
Tom Cruise noch mit „Oscar“-Chancen?
Wie gespalten die Kritiker tatsächlich sind, zeigt auch ein Blick auf Rotten Tomatoes. Dort kommt „Digger“ derzeit auf einen Wert von 53 Prozent bei 116 Kritiken und liegt damit nur knapp über der Hälfte positiver Besprechungen. Wohingegen der Film auf Letterboxd noch eine Durchschnittswertung von sehr soliden 3.6 von 5 Sternen aufweist.
Durch die durchwachsene Rezeption des Films räumen „Oscar“-Experten auch Tom Cruise inzwischen deutlich geringere Chancen auf einen entsprechenden Filmpreis ein, als vielfach zuvor prognostiziert worden war. Auf der Website Next Best Picture, auf der sich Filmkritiker und Branchenbeobachter mit den möglichen „Oscar“-Anwärtern auseinandersetzen, wird Cruise derzeit unter anderem hinter Schauspielern wie John Malkovich („Wild Horse Nine“), Andrew Scott („Elsinore“) und Matt Damon („Die Odyssee“) geführt.
Allerdings sind weder die Einschätzungen von Online-Filmportalen noch die Prognosen vermeintlicher Filmpreis-Experten frei von Unsicherheiten. Letztlich handelt es sich dabei um Momentaufnahmen, die sich im Verlauf der Awards-Saison noch mehrfach verändern können. Fest steht jedoch, dass „Digger“ die Filmkritik derzeit spaltet. Wie die auf mehreren Ebenen wandelnde Satire beim Publikum ankommt, lässt sich ab dem 1. Oktober herausfinden; dann startet der Film mit Tom Cruise, Sandra Hüller und John Goodman in den deutschen Kinos.