Zum Tod von John Gavin

Nachruf auf den Douglas-Sirk- und "Psycho"-Darsteller John Gavin (8.4.1931-9.2.2018)

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Groß und gut aussehend, mit äußerlicher Ähnlichkeit zu Rock Hudson und Cary Grant, fand John Gavin in den 1950er-Jahren durch Zufall zum Film. Von den Universal Studios für eine Starkarriere ausersehen, fiel er zum ersten Mal in der Hauptrolle des deutschen Soldaten in Douglas Sirks Antikriegsfilm „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ (1958) auf, dem bei einem Heimaturlaub die letzten Illusionen über die Verbrechen des Nazi-Regimes und die unabwendbare Niederlage im Zweiten Weltkrieg genommen werden.

Sirk besetzte ihn anschließend auch in „Solange es Menschen gibt“ (1959), dessen Erfolg Gavin für kurze Zeit in Hollywood zum Anwärter für stramme junge Helden mit klarer Agenda machte. In Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) spürt er dem Verschwinden seiner Freundin Marion Crane (Janet Leigh) nach und kann am Ende den Psychopathen Norman Bates (Anthony Perkins) unschädlich machen, in „Mitternachtsspitzen“ (1960) steht er auf vergleichbare Art der bedrohten Doris Day bei, in „Spartacus“ (1960) machte ihn Stanley Kubrick zum jungen Julius Cäsar.

Unzufrieden mit diesen glatten Rollen und den Melodramen und trivialen Komödien, die Universal ihm danach antrug, versuchte sich John Gavin als freier Schauspieler, konnte aber nur noch mit einer selbstironischen Draufgänger-Rolle im nostalgischen 1920er-Jahre-Musical „Modern Millie“ (1967) reüssieren. Nachdem er Anfang der 1970er-Jahre ein Spitzenanwärter für die Rolle von James Bond war, dümpelte seine Filmkarriere langsam aus. Während der Präsidentschaft seines ehemaligen Schauspielerkollegen Ronald Reagan war John Gavin Botschafter in Mexiko und wurde schließlich Geschäftsmann.

Foto aus "Tammy Tell Me True": Paramount
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