WIND AUS DEM OSTEN

22. INTERNATIONALES FORUM DES JUNGEN FILMS

Hätte es nicht attraktive Filme aus den unterschiedlichsten Kinematographien Asiens gegeben -dazu noch neue Produktionen von Léos Carax, Alain Cuny und Aki Kaurismäki -, dann wäre das diesjährige "Internationale Forum des jungen Films" (14. -24. Februar) an seiner inhaltlichen Tristesse sowie seiner Jagd nach möglichst avantgardistischen Formen erstickt. Viele, die in früheren Jahren ihre Filme im "Forum" zeigten, waren nicht vertreten: wer Manoel de Oliveiras "A Divina Comedia" oder Theo Angelopoulos' "Ta meteoro vima tou pelargou" sehen wollte, mußte zum Filmmarkt gehen -der freilich nur Vertretern der Filmbranche sowie (ausgewählten) Journalisten offenstand. Olivier Assayas ("Paris s'eveille") und Jean-Marie Straub/Danièlle Huillet ("Antigone") zeigten ihre neuen Filme im "Panorama"-Programm der \"Berlinale\"; Jon Jost, Jean Rouch, Chantal Akerman und Jean-Luc Godard fehlten ganz, obwohl zumindest einige von ihnen neue Filme fertiggestellt haben. Warum sie nicht ins "Forum" aufgenommen oder an anderer Stelle gezeigt wurden, bleibt rätselhaft.

ENTDECKUNGEN AUS EUROPA

Die westliche (Film-)Welt ließ sich wie schon in den vergangenen Jahren in vier Sektoren einteilen: Deutschland, GUS und Gefolge, US-amerikanische "Independents", schließlich ein Rest, der am interessantesten, weil vielfältigsten war. Hierzu gehörte etwa Richard Dindos "Arthur Rimbaud, une Biographie" (Schweiz/Frankreich), ein langsames, knapp zweieinhalbstündiges Herantasten an ein literarisches Geheimnis, ein dialektisches Einkreisen einer Wahrheit, Möglichkeit. Der 83jährige Schauspieler und Theater-Regisseur Alain Cuny präsentierte sein Spielfilm-Debut "L'Annonce faite a Marie" ("Mariä Verkündigung", Frankreich/Kanada), ein an mittelalterlicher Malerei orientiertes Mysterien-Spiel, inszeniert im Stile Robert Bressons. Mit "Les Amants du Pont-Neuf ("Die Liebenden vom Pont-Neuf, Frankreich) beendet Léos Carax seine Trilogie um den Zauberer und Feuerschlucker Alex, Hauptperson in seinen Filmen "Boy Meets Girl" (1983) und "Die Nacht ist jung" ("Mauvais Sang", 1986). Derek Jarman inszenierte Christopher Marlowes "Edward II" als furiosen Bildersturm und politisch konkrete Attacke auf die "Schwulen-Paragraphen" dieser und jeder Zeit. Und schließlich: Was wäre das "Forum" ohne Aki Kaurismäki, vertreten mit

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