Wenn die Baumwollfelder blüh’n

„»Hey! How do you do?«
»Hallo, Fräulein, wie geht es dir?«
So fragt jeder Boy,
Und das Mädchen versteht es.
Es ahnt ja gleich
den Sinn dieser Konversation
»Say, do you like me?«
Fragt der Boy sie dann weiter
»Oh yes!«, lächelt sie,
»Denn mein Freund war Gefreiter
Drum hab’ ich seither
eine Schwäche für das Militär.«“

I.

Zum Glück ist auf Fernsehzeitschriften, heutzutage wahrscheinlich die zentralen Instanzen bei der Vermittlung und Kanonisierung der Filmgeschichte, kein Verlass: „Fräuleinwunder Margot Hielscher swingt zwischen GI und Ingenieur hin und her. Total verspießt.“ („TV Spielfilm“ 11/2000) Es beginnt mit einem „Guilty Pleasure“ im verregten Sommer 2000. Ende Mai wurde am frühen Sonntagnachmittag im ZDF „Hallo Fräulein!“ von Rudolf Jugert aus dem Jahr 1949 ausgestrahlt. Offenkundig kein großer Film, in der „Geschichte des deutschen Films“ sucht man ihn vergebens, in „Zwischen Gestern und Morgen“ gibt es einen knappen, aber weitreichenden Verriss, und auch im „Cine-Graph“ findet sich die Einschätzung: „... eine durch nachträgliche Schnitte teilweise etwas unbeholfene Jazz-Komödie vor dem Hintergrund der aktuellen Themen Fraternisierung und Völkerverständigung.“

„Unbeholfen“ in Verbindung mit „Jazz“ - diese Kombination findet sich auch im Film selbst. Zu Beginn prüft der Jazz-begeisterte US-Offizier Tom Keller (Peter van Eyck) die Mitglieder einer Damenkapelle daraufhin, ob es sich wirklich um Musikerinnen handelt oder ob hier PGs untertauchen wollen. Unter den Musikerinnen befindet sich auch die Bandleaderin und Sängerin Maria Neuhaus (Margot Hielscher). Keller fragt: „Und was singen Sie?“ „Brahms, Strauss, Schubert - (nach einer Pause) und moderne amerikanische Musik!“, antwortet Maria. Worauf Keller fragt: „So. Do you like Jazz?“ Und sie erwidert: „Very much!“ Wo sie denn „real Jazz“ gehört habe? Bei der BBC, beim Schwarzhören. Van Eyck spielt ein Swingstück an, ein anderer GI schnappt sich einen Kontrabass, Hielscher stimmt ein und singt ein paar Zeilen, bis van Eyck ihr vorwirft, zu langsam zu sein. Sie versucht es erneut, doch vergeblich. Van Eyck bricht ab: „Oh no, that’s Jazz, made in Germany!“

II.

Jazz, made in Germany? Da kommen merkwürdige, unwirkliche Dinge in den Sinn, Träumen gleich. Einerseits sind da die Gründungsmythen: Die Geschichten von den Männern, die sich nach dem Krieg in schummrige Frankfurter Jazzkeller gewagt haben, um dort Jazz zu hören. Jahre später gab es das

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