BORDERLINE: ARKHAM, ARKADIEN - NOTIZEN ZU DEN FILMEN VON EDGAR G. ULMER

Es heißt, daß Edgar G. Ulmer am 17. 9. 1904 geboren worden sei, aber die Angaben über sein Geburtsdatum widersprechen sich. Vergleichsweise oft wird das Jahr 1900 als sein Geburtsjahr genannt. Sicher aber ist, daß er nicht in Wien geboren wurde, sondern in Prag. Er war Jude, was seine Eltern nicht daran hinderte, ihn auf eine Jesuitenschule zu schicken - in Wien. Diese beiden Gegenpole werden später sein Oeuvre bestimmen, Jahwe und Jesus, und dazwischen, als alles verbindendes Element, Siegmund Freud. Wie auch immer: Zunächst studiert er Architektur, und wird irgendwann zwischen seinem 16. und 20 Lebensjahr Bühnenbilder für Max Reinhardt machen, durch den er auch F.W. Murnau kennenlernt.

Wie man schon an den Ungenauigkeiten bezüglich seines Geburtsjahrs sehen kann, muß man mit sämtlichen Fakten im Leben Ulmers vorsichtig umgehen, vor allen Dingen, wenn sie von Ulmer selbst stammen. Man muß in diesem Fall meistens sagen: Er gibt an, daß ... Berühmtheit erlangte Peter Bogdanovichs "Film Culture"-Interview mit Ulmer, der dem verehrten Regisseur wirklich alles abkaufte und damit jahrelang für eine heillose Verwirrung sorgte. Um die Murnau-Geschichte zurechtzurücken: Selbst wenn man 1900 als Ulmers Geburtsjahr betrachtet, und selbst wenn er ein Wunderkind war und mit 16 sein Studium beendet hätte, dann besteht immer noch die Tatsache, daß Murnau 1916 nicht mehr bei Reinhardt war, sondern im Ersten Weltkrieg an der Front kämpfte. Gesichert ist, daß Ulmer an den Bauten für "Sunrise" (1926/27) mitgearbeitet hat, sein einziger Credit in einem Murnau-Film. Es heißt aber auch, daß er an "Der letzte Mann" (1924) und "Faust" (1926) beteiligt gewesen sein soll, und da Ulmer primär Bühnenbildner war, kann man darüber spekulieren, ob er nicht als Assistent von Robert Herlth und Walter Röhrig an diesen Filmen mitgearbeitet hat. Er soll auch mit Paul Wegener, Robert Wiene, Alexander Korda und Mauritz Stiller gearbeitet haben. Angeblich hat Murnau ihn in die USA gebracht, wo er angeblich eine Reihe von Zwei-Akt-Western realisiert haben soll, die aber nirgendwo genauer aufgeführt werden. Seine erste nachgewiesene Regiearbeit war "Menschen am Sonntag" (1929), jener berühmte dokumentarische Film, den er zusammen mit Robert Siodmak realisierte. Seine erste nachweisbare Solo-Regie war 1933 "Damaged Lives", der Schwierigkeiten mit der Zensur hatte. Ein junges Paar bekommt Syphilis, läßt sich behandeln und wird wieder gesund; der Film wurde als eine Art Aufklärungsfilm vermarktet.

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