EIN PARTISAN IM MEDIENGESCHÄFT

Das öffentliche Bild des Schriftstellers, Filmregisseurs und Medienpolitikers Alexander Kluge (der am 14. Februar 60 Jahre alt wurde) ist von einem großen Widerspruch gekennzeichnet. Auf der einen Seite sind seine Erzählungen und Sachbücher, die Spiel-, Dokumentar- und Essayfilme sowie die vom Interview bis zur Splittermontage reichenden Fernsehsendungen zu zahlreich, widersprüchlich und uneindeutig, als daß sich seine künstlerische Arbeit leicht auf einen Begriff bringen ließe. So dominieren in der umfangreichen Literatur über Kluge vor allem die Exegese und das wörtliche Zitat seiner Stellungnahmen in eigener Sache, die er in Interviews, Reden und Diskussionen von sich gegeben hat.

Auf der anderen Seite muß Kluge seine Mitmenschen regelmäßig so verstört haben, daß sie ihn systematisch auf bestimmte Parolen und Floskeln zu reduzieren versuchen, so, als ginge sein Handeln in diesen auf. Daß auch manche dieser Begriffe ebenfalls von ihm stammen, sei nicht verschwiegen; hier rächt sich sein Talent, wie kaum ein anderer deutscher Autor oder Filmregisseur prägnante Titel - "Abschied von gestern", "Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" - zu formulieren, die ihm selbst dann zugeschrieben werden, wenn er sie klug gefunden, aber nicht erfunden hat - "In Gefahr und höchster Not bringt der Mittelweg den Tod".

Die flotten Begriffe, die über Kluge im Umlauf waren oder sind, charakterisieren ihn allerdings nicht als Schriftsteller oder Filmregisseur, gelten vielmehr dem "umtriebigen" Partisanen des Mediengeschäfts. So nannte man ihn in den 60er Jahren den "Chef-Ideologen des Neuen Deutschen Films", um ihn auf die Rolle des gedanklichen Rädelsführers festzulegen, der dem Filmestablishment die wohlverdiente Ruhe mißgönnt und mit dem "Oberhausener Manifest" (1962), den programmatischen Texten der Filmabteilung der Ulmer Hochschule für Gestaltung (von 1962 bis 1966) oder der "Mannheimer Erklärung" (1967) die Filmjugend verdirbt.

In den 70er Jahren avancierte Kluge dann zum führenden "Filmpolitiker" der Republik und des Feuilletons, der mit hübschen Kampfbegriffen wie "Schnulzenkartell", strategischen Volten wie der "Verantwortung des Fernsehens für den Kinofilm" oder neuen Perspektiven ("Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren") die Gegner wie die Mitstreiter verblüffte und die bestehenden Fronten durcheinander wirbelte. Das Film-Fernseh-Rahmenabkommen von 1973/77, die Novellierung des Filmförderungsgesetzes 1974 und die Errichtung der ersten kulturellen Filmförderung in Selbstverwaltung 1979 in Hamburg wurden von ihm initiiert oder entscheidend forciert, ohne daß er die damals eingeschlagenen Wege heute immer noch unbedingt richtig findet. Jede Tendenz der Bürokratisierung nicht nur der Fil

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto