Unversöhnliches

Es ist der Debütfilm der Regisseurin Katell Quillévéré – doch tatsächlich meint man das Alterswerk eines erfahrenen Filmemachers zu sehen, so dicht, reduziert und klug kommt ihre 19-minütige, dokumentarisch anmutende Milieustudie „A bras le corps“ daher. Im internationalen Wettbewerb des 18. Kurzfilmfests Dresden (18. bis 23. April) hob sich der Film deutlich von der Konkurrenz ab, was weniger an mangelnder Qualität der anderen Beiträge lag als an der inszenatorischen Meisterschaft, mit der die von latenter Gewalttätigkeit geprägten Morgenstunden zweier vernachlässigter Jungen geschildert werden. Quillévéré, 1980 an der Elfenbeinküste geboren, kreiert mit ihrem Kameramann Tom Harari eine bedrückend wahrhaftige Atmosphäre, die ebenso von brutalen Unterwerfungsmechanismen wie von großer Zärtlichkeit zwischen den beiden Brüdern erzählt. Mit vollem Recht erhielt „A bras le corps“ den „Goldenen Reiter“ für den besten Spielfilm im internationalen Wettbewerb. Dabei fiel auf dem Dresdner Filmfest, das sich rühmen darf, mit Preisgeldern in einer Höhe von 60.000 Euro das höchstdotierte Kurzfilmfestival Europas zu sein, nicht nur der ausgesprochen reife Erzählduktus zahlreicher Produktionen ins Auge, sondern auch das fortgeschrittene Alter der Filmfiguren: Charaktere, die die Mitte ihres Lebens deutlich überschritten haben, standen häufig im Zentrum des internationalen Wettbewerbs – und dies, obwohl es sich beim Kurzfilm um ein vorrangig von Filmhochschülern und somit jungen Regisseuren genutztes Format handelt. Von 49 internationalen Produktionen erzählten sieben explizit von Protagonisten jenseits der 7

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto