Weibliche Autonomie

Katharine Hepburn wuchs in einem liberalen Elternhaus auf, ihre Mutter Katharine Martha war eine engagierte Frauenrechtlerin, der Vater ein angesehener Chirurg und Urologe. Ihre Kindheit verbrachte sie meist mit ihren Brüdern und wäre nach eigenem Bekunden am liebsten ein Junge gewesen; sie schnitt sich die Haare kurz und nannte sich „Jimmy“. Die übrigen Familienmitglieder nannten sie „Kath“. Der Vater ließ die Kinder viel Sport treiben, in ihrer Autobiografie „Me – Stories of My Life“ widmet sie der Beschreibung ihrer kindlichen Wettkämpfe mehrere Seiten. Nur wenige Meilen entfernt, in Waterbury/Connecticut wurde am 4. Juni 1907 Rosalind Russell als viertes Kind von Clara und dem Richter James E. Russell geboren. Sie hatte drei Brüder und drei Schwestern und wuchs behütet in einem wohlhabenden katholischen Umfeld auf. Rosalind galt als ungestüm, war ebenfalls sportlich und mit 173 cm für damalige Verhältnisse eine sehr große junge Frau, was vielleicht dazu beitrug, dass man ihr den für ein Mädchen etwas rauen Spitznamen „Ross“ verpasste. Um ihrem Wunsch, Schauspielerin zu werden, näher zu kommen, absolvierte sie an der American Academy of Dramatic Arts in New York ein Studium, das sie 1929 abschloss. Ein Jahr später debütierte sie am Broadway und wurde 1934 von einem Agenten für die Universal entdeckt. In Hollywood angekommen, ergab sich ein besseres Angebot für einen Sieben-Jahresvertrag bei MGM, und sie hatte den Mut, sich mit einem Trick aus dem Universal Vertrag zu befreien. Mehrere Jahre war sie nun „supporting actress“ in diversen Filmen. Sie passte nicht ins übliche Hollywood-Schema; obwohl schlank und attraktiv, taugte die selbstbewusste und intelligente junge Frau nicht zum Sex-Symbol. Bis Ende der 1930er-Jahre hatte sich Russell, der man einen ausgezeichneten Geschmack in Modefragen bescheinigte, bei MGM zur Hauptdarstellerin hochgearbeitet und spielte sowohl in Dramen als auch Komödien, u.a. unter der Regie von Michael Curtiz, King Vidor oder Dorothy Arzner und an der Seite von Errol Flynn, Robert Donat oder Robert Montgomery. Der hübscheste Junge der Saison Auch Katharine Hepburn war weniger der erotische Typ. Mit ihrem athletischen Körper und den zahlreichen Sommersprossen entsprach sie nicht dem gängigen Schönheitsideal. Sie wurde daher zunächst oft in burschikosen und androgynen Rollen besetzt: z.B. als Flugpionierin Cynthia Darrington im engen Pilotendress, unter der Regie der lesbischen Regisseurin Dorothy Arzner („Christopher Strong, 1933), oder mit kurzen Haaren in einer Hosenrolle als „Sylvia Scarlett“ (1935). Der Film floppte beim Publikum, brachte Hepburn allerdings im „New York Herald Tribune“ den Titel „der hübscheste Junge der Saison“ ein. Der Film war ihre zweite Zusammenarbeit mit George Cukor und die erste mit Cary Grant. Mit beiden sollte sie einige ihrer schönsten Screwball Comedies drehen – Filme jenes Genres, das ihre und auch Rosalind Russells Stärken zum Strahlen brachte: Sie brillierten in Wortgefechten, überzeugten durch ihre Unabhängigkeit, Intelligenz und Schlagfertigkeit. 1939 spielte Rosalind Russell in dem Film, mit dem sie jeder verbindet: „The Women“, ein erfolgreiches Broadway-Stück, w

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