Lady in Schwarz-Weiß

Eine Art Crash-Kurs im Männerverführen gibt Barbara Stanwyck in Preston Sturges’ Komödie „Die Falschspielerin“ (1941): Im Speisesaal eines Luxusliners stellt sie Henry Fonda ein Bein, lässt ihn mit dem Oberkellner kollidieren, regt sich künstlich über ihren gebrochenen Absatz auf und lässt sich, triumphal humpelnd, von Fonda in ihre Kabine führen – für ein Paar heile Sandaletten, die sie sich mit den Worten „Sie müssen niederknien“ überstreifen lässt. Wieder ist die Barbara-Stanwyck-Falle zugeklappt, schließlich bekam sie in ihren Filmen meistens, was sie wollte: Ob als verliebte Kartenbetrügerin, als wagemutige Tochter eines Eisenbahningenieurs („Union Pacific“, 1939) oder als Großkonzern-Erbin mit finsterer Vergangenheit, die gleich zwei Männer in Schach halten muss („Die seltsame Liebe der Martha Ivers“, 1946). Im Film noir war sie ebenso zu Hause wie in der Screwball Comedy, sie brillierte als verwegene Revolverheldin und empfindsame Melodramatikerin. Barbara Stanwyck, die es liebte, Frauenklischees zu sprengen, war nicht nur genremäßig immer ein wenig „dazwischen“. Vielleicht ist ausgerechnet ihre immense Wandlungslust schuld daran, dass die Schauspielerin heute – 100 Jahre nach ihrer Geburt am 16. Juli 1907 – nicht in einem Atemzug mit den Hauptgöttinnen Hollywoods genannt wird, mit Greta Garbo, Bette Davis oder Ingrid Bergman. Als Langzeit-Diva, deren Karriere einen Bogen von der Stummfilmzeit bis zur Fernsehserie schlug („Die Colbys“), hält Stanwyck, die 1990 mit 83 Jahren starb, einen einsamen Rekord. Ihre Glanzzeit waren die 1940er-Jahre, was sich auch statistisch niederschlägt: Mit 400.000 Dollar Verdienst war sie 1944 die bestbezahlte Frau der Nation. Ihr Erfolg fiel in eine Phase, in der Frauen besonders burschikos und selbstbewusst an die Leinw

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