„Ich will Filme machen...“

Ein Vater kämpft um seine Tochter, die gar nicht seine Tochter ist. Der Mann, ein deutscher Fabrikmanager, war in Argentinien, als dort die Militärdiktatur tobte. Er schützte ein dreijähriges Mädchen, dessen Eltern verschleppt worden waren, vor dem Zugriff der Junta. Er nahm es mit nach Europa, adoptierte es, zog es als eigenes Kind groß. Er sprach nicht darüber, verdrängte die Wahrheit. Jetzt, mehr als 30 Jahre später, erfährt die junge Frau durch Zufall von ihrer wirklichen Herkunft. Sie ist geschockt. Zwischen dem falschen Vater und der falschen Tochter öffnet sich eine Kluft, die tiefer nicht sein kann. Das ist der Plot von „Das Lied in mir“ (2010, Regie: Florian Cossen), einem der besten deutschen Filme der letzten Jahre. Wer ihn gesehen hat, wird die unendlich traurigen Augen von Jessica Schwarz nicht vergessen. Ebenso wenig wie den verzweifelten Blick von Michael Gwisdek. Vielleicht war es ein Wagnis, Gwisdek mit dieser Vaterrolle zu besetzen; einen Schauspieler, der von sich selbst sagt, er tendiere immer mal wieder zur „Rampensau“; einen, der sich schwer bändigen lässt, der gern über die Stränge schlägt, der jede Gelegenheit nutzt, zu improvisieren und sich in Szene zu setzen, sobald der Regisseur die Zügel locker lässt. Ein Ganzkörper-Zappelphilipp, ein Filmfilou, ungeheuer ungebremst. Doch nichts davon in „Das Lied in mir“. Statt dessen eine hohe Disziplin der Gefühlsbewegungen. Präzise Blicke, Gesten, Berührungen und Abstände. Schweigen, wo nichts zu sagen ist. Stumme Schreie nach Vergebung für die große barmherzige Lüge. Ein Meisterspiel. Der Verrückte mit dem Colt Michael Gwisdek, der am 14. Januar seinen 70. Geburtstag feiert, hat allein in der DDR in mehr als 50 Filmen gespielt; in den letzten 20 Jahren mag die gleiche Anzahl noch einmal dazu gekommen sein. In die Wiege gelegt wurde ihm das nicht: Die Verwandtschaft arbeitete in der Gastronomie, der Vater betrieb ein Ta

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto