Segen oder Plage

Die Filmrolle und das Zelluloid haben als Trägermedien fürs Kino so gut wie ausgedient. Eine Zwischenbilanz. Hinter den Kulissen des Kinobetriebs geschieht etwas Gigantisches. Seit einiger Zeit läuft eine kleine Revolution ab: Die „guten alten“ Projektoren, die bislang den Filmstreifen im 35mm-Format auf die Leinwand projizieren, werden endgültig eingemottet (und aufs Altenteil geschoben); dafür prägt das Zauberwort „digital“ immer mehr den Alltag der Kinos: Das Filmbild kommt nicht mehr von einem Spulenteller, auf dem der Film aufgewickelt ist, sondern von der Festplatte. Für die meisten Kinobesucher bleibt dieser Paradigmenwechsel weitgehend unsichtbar – unbewusst hat man sich längst daran gewöhnt, dass bei der Projektion von digitalen Kinobildern keine Schrammen oder Fussel mehr stören und der Film auch nicht mehr reißt. Was aber bringt dieser tiefgreifende Prozess der Digitalisierung den Kinobetreibern? Mindestens zwei von drei Kinosälen in Deutschland sind inzwischen mit digitalen Projektoren ausgestattet, Tendenz steigend. Damit vollzieht die Kinobranche eine Entwicklung nach, die kulturnahe Wirtschaftszweige wie die Musikindustrie oder das Fernsehen teils schon vor Jahren durchlaufen haben. Zunächst waren es die Multiplex-Kinos sowie andere umsatzstarke Filmtheater, die von der analogen 35mm- auf digitale Technik umgestellt haben, gepuscht vor allem durch das 3D-Spektakel „Avatar“ von James Cameron. Nun erfasst die Digitalisierungswelle vermehrt auch kleinere Kinos und Filmkunsthäuser. Während die Umrüstung hierzulande noch im vollem Gange ist, stehen (auch) schon die nächsten technischen Innovationen vor der Tür. Wie viele andere hat auch Christan Schmalz, Betreiber der Arthouse-Kinos Off-Broadway und Weißhaus in Köln, lange gezögert, auf digitales Kino umzustellen. Doch seit Ende März 2013 stehen auch bei ihm digitale 4K-Projektoren von Sony, die eine vierfach höhere Auflösung haben als die gängigen 2K-Projektoren. Ausschlaggebend dafür war, dass er vor kurzem erstmals einen Film nur dann bekommen hätte, „wenn ich ihn digital spielen kann“, das Krimi-Drama „The Place beyond the Pines“ von Derek Cianfrance (Kinostart: 20. Juni). „Das war für mich das Zeichen, dass über kurz oder lang das Programm eines nicht digitalisierten Kinos von dem geprägt wird, was an 35mm-Kopien überhaupt noch auf dem Markt vorhanden ist.“ Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Verleiher gar keine Zelluloid-Kopien mehr herstellen lassen. Wichtig war Schmalz vor allem, eine nachhaltige Lösung zu finden. Nun seien die Projektoren auch 3D-fähig; überhaupt sei die Zeit nun reif gewesen: „Es passt jetzt alles zusammen. Ein funktionierendes Wirtschaftsmodell ist entwickelt, dank der Fördertöpfe steht die Finanzierung, jetzt sind auch Projektoren verfügbar, die sich für ein Filmkunstkino eignen. Wenn die Verleiher jetzt den Schalter umlegen, bin ich gerüstet.“ Das Kino Cineworld bei Würzburg hat seine acht Säle schon länger komplett digitalisiert, vier davon in 3D. Größte Vorteile der digitalen Projektion sind für Marketing-Chefin Julia Michel: „Die verbess

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