Filme finden Stadt

Anarchistische Querköpfe, intellektuelle Vordenker, Angehörige der Bussi-Bussi-Gesellschaft: München hat mit vielen Mythen zu tun. Viele davon sind wahr, einige sind Legende, alle aber sind ursächlich für die spannungsvollen Widersprüche in der Stadt. 1. HISTORISCH Angefangen hat alles mit Karl Valentin, 1882 im Stadtteil Au geboren, der mit Liesl Karlstadt eine anarchistisch-dadaistische Bühnenkunst- und Filmtradition begründete. Das Valentin-Musäum im Isartor enthält Material aus dem Nachlass, Originaltonaufnahmen und Kurzfilme. Erst spät wurde eine Gedenktafel an Karl Valentins Geburtshaus angebracht. Heute wird der kurz nach dem Krieg in Armut Verstorbene regelrecht verehrt. Das Zentrum: Querköpfe Als Valentins legitimer Nachfolger gilt Herbert Achternbusch. 1938 in München geboren, fordert er seit den 1970er-Jahren den Freistaat Bayern und die Filmförderung heraus. München kommt in seinen Filmen wiederholt als Schauplatz vor: „Bierkampf“ wurde 1977 auf dem Oktoberfest gedreht, Fremdenführer Hick führt in „I Know the Way to the Hofbrauhaus“ (1991) vom Hofgarten über den Eisbach im Englischen Garten zum Hofbräuhaus. Achternbusch hat heute noch seine Wohnung in der Burgstraße. Von hier ging er täglich zu Fuß ins Filmmuseum, egal was dort lief, und anschließend ins Weiße Bräuhaus im Tal. In unmittelbarer Nähe zum Filmmuseum am Viktualienmarkt lag die Wohnung von Vlado Kristl, der 1962 nach Beschlagnahmung seines Films „Der General und der ernste Mensch“ aus Jugoslawien nach München kam. 1979 drohte Kristl, von der Stadt als Sozialfall eingestuft, die Ausweisung, er blieb aber mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod 2004 in München wohnen. Münchhausener: Vordenker und Widersprüche Hier kam Kristl in Kontakt mit den mehrheitlich aus München stammenden Unterzeichnern des Oberhausener Manifests, darunter Haro Senft und Ferdinand Khittl. Mitte der 1960er-Jahre bildete sich die Neue Münchner Gruppe um Rudolf Thome, Klaus Lemke und Jean-Marie Straub (der vor seiner Algerien-Krieg-Einberufung geflohen war). Sie wandte sich gegen die Ausgrenzung ihrer Filme durch die „Oberhausener“. Bald schloss sich auch Regisseurin May Spils an, die 1967 in „Zur Sache, Schätzchen“ Schwabing und Uschi Glas gleichermaßen legendär in Szene setzte. Rudolf Thomes „Rote Sonne“ (1970) spielt am Starnberger See, Klaus Lemke ist nach seinem Hamburger Intermezzo wieder in seine Schwabinger Wahlheimat zurückgekehrt, wo er derzeit einen neuen Film dreht: „Unterwäschelügen“. Gärtnerplatzviertel: Biberkopf Ab 1967 bildete sich das Umfeld von Rainer Werner Fassbinder, mit dem antitheater, Peer Raben und Hanna Schygulla. München kommt in Fassbinders Filmen als erkennbare Kulisse kaum vor. Die Kamerafahrt durch die Landsberger Straße in seinem ersten Langfilm „Liebe ist kälter als der Tod“ (1969) stammt von Jean-Marie Straub. „Faustrecht der Freiheit“ (1975) zeigt die U-Bahn-Station Marienplatz als Schauplatz für den Tod von Franz Biberkopf und bildet die Ausnahme. Berühmt geworden ist hingegen die Gaststätte Deutsche Eiche, sein „zweites Wohnzimmer“, direkt gegenüber der Wohnung am Gärtnerplatz.

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