Her-Stories

In ihrem Drehbuch zum aktuellen Kinofilm ­»Suffragette« (Kritik in dieser Ausgabe) beschäftigt sich die Drehbuchautorin nicht zum ­ersten Mal mit einer ­weiblichen ­Emanzipationsgeschichte: Ihre Karriere als Kino- und Fernseh­autorin ist geprägt von Stoffen mit starken Protagonistinnen, die um ihren eigenen Weg ringen, und realen Stoffen, die historische Themen aus ­weiblicher ­Perspektive angehen. Noch bevor man der Politisierung der Wäscherin Maud Watts zur Aktivistin für das Frauenwahlrecht folgt, berühren ihre Lebens­umstände: das Elend, in dem sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt, die Arbeitsbedingungen in der Wäscherei, die sexuellen Übergriffe der Vorarbeiter und Chefs auf die Arbeiterinnen – all dies ist zu schockierend, als dass einen »Suffragette« unbewegt lassen würde. Für die Regisseurin Sarah Gavron und ihre Drehbuchautorin Abi Morgan liegen zehn Jahre Arbeit zwischen der ersten Idee zum Film und dem Ergebnis. Mehr als 30 Umarbeitungen des Drehbuchs legten das Kraftzentrum der Geschichte der britischen Suffragetten ­allmählich frei. In Interviews hat Abi Morgan immer wieder betont, wie sehr sie von den Berichten der einfachen Arbeiterinnen beeindruckt war– Frauen, die zu den Fußsoldatinnen der Bewegung für das Frauenwahlrecht wurden, Frauen, deren Stimme lange ­verstummt schien: Die Aushängeschilder der Suffragetten waren Politikerinnen wie Emmeline Pankhurst, nicht die einfachen Arbeiterinnen. Schreiben fürs europäische Kino und Fernsehen Drehbücher, auch gute, sind einem Film nicht ganz einfach anzusehen. Zu undurchschaubar ist von außen die Rollenverteilung ­zwischen Regie und Autorin. Es ist hilfreich, eine Serie heran­zuziehen, um sich Abi Morgan als einer der interessantesten Drehbuchautorinnen des europäischen Kinos und Fernsehens zu nähern: »

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto