Vertrauen ist besser - Ein Interview mit Joachim von Mengershausen

Joachim von Mengershausen, 1936 in Bamberg geboren, war langjähriger Redakteur beim WDR Fernsehspiel und ermöglichte in dieser Position das filmische Schaffen zahlreicher namhafter Regisseure. Am Rande der „Berlinale“ wurde er dafür mit dem Ehrenpreis des Verbands der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Die Juroren würdigen damit unter anderem „eine kreative Leistung filmischer Mitgestaltung, die epochenbildende Bedeutung hatte“. In seinen Erinnerungen spiegelt sich so auch ein Stück deutsche Filmgeschichte. Sie galten als Cineast unter den Fernsehredakteuren – zurecht? Joachim von Mengershausen: Nach dem Abitur und einer missglückten Bierbrauerlehre habe ich mich gegen den Willen meiner Eltern in München heimlich 1956 um einen Studienplatz am Deutschen Institut für Film und Fernsehen beworben. Dieses Institut war gerade als erste westdeutsche Filmhochschule nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem Vorbild der Pariser IDEC gegründet worden. Nach dem ersten Jahr verlangten die Förderer gravierende Änderungen der Lehrpläne. Die Gründer blieben hart. Wir Studenten suchten unseren Lehrern zu helfen und kamen auf die Idee zu streiken. Ein Justitiar des mächtigen Gloriafilmverleihs drohte mit lebenslangem Arbeitsverbot in der deutschen Filmindustrie, was mich als einzigen nicht beeindruckte. Und so wurde ich als einziger Student relegiert. Dass ausgerechnet ich dann einen Job in eben dieser Industrie, noch dazu bei eben diesem drohenden Gloriafilmverleih, fand, kam mir schon auch witzig vor. Später landete ich bei der Tochterfirma der Gloria Film als 3. Aufnahmeleiterassistent und war somit, wenn auch ganz unten in der Hierarchie, beim Film. Das war eine harte Zeit. Die westdeutsche Filmindustrie war ein kleiner Club aus Altnazis und ehrgeizigen jungen Spezialisten. Es wurden vergleichsweise wenige Filme produziert und die Jobs waren entsprechend rar. Im Übrigen waren die Filme, die da entstanden, vor allem Schnulzen. Es gab doch auch andere Filme in der Nachkriegszeit? Mengershausen: Als Schüler besuchte ich die sonntäglichen Matineevorstellungen des Bamberger Filmclubs und erfuhr so eine Art Filmbildung. Man zeigte da Filme des italienischen Neorealismus, französische Filme der 1930er- und 1940er-Jahre und amerikanische Filme natürlich. Charlie Chaplin war für mich das Größte überhaupt. De Sicas „Fahrraddiebe“, Rossellinis „Roma, città aperta“, Viscontis „La terra trema“ und viele andere waren mir im Kopf und wurden meine Vorbilder. Hauptsache, sie ließen mich etwas spüren, das man Kunst ne

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