Energie-Überschuss

Zwischen November 2013 und Februar 2014 drehte der ukrainische Dokumentarfilmemacher Sergei Loznitsa seinen meisterhaften Dokumentarfilm »Maidan« auf dem gleichnamigen Platz in Kiew. Bereits im Mai 2014 lief der Film beim Festival in Cannes. Die Spannung zwischen Loznitsas betont sachlicher Form und den aufpeitschenden Emo­tionen auf der subtil gestalteten Tonspur ließen das Entstehen einer Revolution hautnah miterleben. Einem engagierten Kleinverleih war es zu verdanken, dass »Maidan« verspätet, aber überhaupt hierzulande ins Kino kam. Nun folgt »The Event« (Kritik): Anlass zu einer ­Würdigung von Loznitsas außergewöhnlichem ­dokumentarischen Schaffen. Vor dem Mariinski-Palast in Leningrad (heute St. Petersburg) lauscht eine Gruppe Menschen einem Radio. Die Sprecherstimme verkündet, dass ab dem 19. August, 4 Uhr nachmittags Moskauer Zeit, der Ausnahmezustand verhängt werde. Sergei Loznitsas Dokumentarfilm »The Event« (»Sobytie«) versetzt den Zuschauer zurück in die Zeit dieses heute nahezu vergessenen Ereignisses kurz vor Ende der Sowjetunion: in die Zeit des Putsches hochrangiger Funktionäre der KPdSU gegen Michail Gorbatschow im August 1991. Eine kurze Autofahrt vorbei an einer Menschenmenge auf dem Newski-Prospekt endet mit einem Schnitt in eine weitere Versammlung. Das erste, was auffällt, sind die vielen Menschen, die von den sich überschlagenden Ereignissen auf die Straßen gelockt wurden, ohne recht zu wissen, was geschieht und was sie tun sollen. Spontan versammeln sie sich um Radios oder einzelne Redner, bauen Barrikaden, auf denen steht: »Der Faschismus wird nicht siegen.« Ein Ereignis: Die vielschichtige ­Tonspur Knapp 50 Jahre früher. Eine Szene aus Loznitsas Dokumentarfilm »Blokada«, der von der Belagerung Leningrads durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg erzählt: Durch eine Straße in St. Petersburg ziehen gefangene deutsche Soldate

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