Der Störenfried - Xavier Dolan

Der frankokanadische Regisseur, geboren 1989 in Montréal, dreht Filme über die Liebe zum oft unerträglichen Anderen. Oft wird er reduziert: auf sein Alter, seine Festival-Erfolge, seine bunte Camp-Ästhetik. Lange wurde er als „Wunderkind“ hofiert, inzwischen werden seine Filme zunehmend kritisch beäugt. Wie Dolan selbst gelten sie vielen als zu schrill, melodramatisch, einfältig, narzisstisch oder einfach nur nervig. Das alles mag zutreffen – und doch ist dies genau der Grund dafür, warum sie so wundervoll sind. Der Dramatiker Louis-Jean wartet auf den Start seines Flugzeugs. Er reist in die lange gemiedene Heimat, um seine Familie wiederzusehen, von der er sich über die Jahre hinweg entfremdet hat. Plötzlich, wie aus dem Nichts, greift ein Kind über die Lehne seines Sitzes hinweg und verdeckt mit den kleinen Händen seine Augen. Es ist ein Bild wie eine Warnung: Ein Wiedersehen mag es geben, aber ein gegenseitiges Erkennen wird wahrscheinlich eine ferne Hoffnung bleiben. So beginnt „Einfach das Ende der Welt“ (Kritik), der neue Film des frankokanadischen Regisseurs Xavier Dolan, das mittlerweile sechste Werk des erst 27-Jährigen. Man kann die spielerisch tastenden Kinderhände als Symbolbild für sein Kino lesen: Es ist eines des Verbergens und Umformens. Unentwegt werden die Puzzlestücke seiner Welten neu arrangiert, Elemente hinzugefügt und weggenommen. Das passiert aus einem unbändigen Spieltrieb heraus, aber auch, um den Zuschauer zu provozieren. Dolans Helden sind launisch, aggressiv und extrem Xavier Dolans Filme können nicht nur nerven, sie sollen es sogar. Sie sind laut, schrill und maßlos, bewegen sich oft am Rand des Erträglichen. Ihre Helden sind Störenfriede, Verhaltensauffällige und Rebellen. Sie agieren launisch, aggressiv und streben zu Extremen. Die existierenden Identitätsschablonen reichen nicht aus. Unentwegt stoßen ihre Persönlichkeiten an die von der Gesellschaft gesetzten Grenzen und verbrennen sich an der Reibungshitze. Oft reicht dazu schon ihre Queerness aus, die immer wieder den Zorn der Heteronormativität auf sich zieht. Das Familiendrama

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