Scheinwerfer und Mondlicht

Im Frühjahr 2016 machte anlässlich der „Oscar“-Verleihung die #OscarsSoWhite-Bewegung darauf aufmerksam, wie unterrepräsentiert in Hollywood alles ist, was nicht männlich und weiß ist. Die Filme, die ein Jahr später auf die Leinwand kommen, scheinen zu belegen, dass die Sensibilität für die so genannte „Diversity“, die ethnische und sexuelle Vielfalt, gewachsen ist. Ein Strohfeuer? 25 Techniker waren bei der letzten „Oscar“-Verleihung allein für die Beleuchtung zuständig, um mit über 100 Scheinwerfern die glamourösesten Hollywood-Stars und ihre goldschimmernden Trophäen mit aufwändigem Lichtertanz zu umspielen. Doch der strahlende Schein der Veranstaltung beleuchtet nie nur gleißende Siegerlächeln, sondern immer auch die Schattenseiten einer Industrie. Es mag absurd erscheinen, dass ausgerechnet die „Academy Awards of Merit“, jener alljährliche Akt der ritualisierten Selbstüberhöhung, mit dem eine Branche ihre eigene Mittelmäßigkeit feiert, als wichtiger Gradmesser für die Vielfalt in Hollywood gelten soll. Doch wer ins Rampenlicht treten darf, ist für viele von großer symbolischer Bedeutung. Als Kunstform des Sichtbar-Machens wirft das Kino unentwegt Fragen der Repräsentation auf. Obwohl Hollywood vielen Amerikanern als linksliberal und um Inklusion bemüht gilt, sind die dort kreierten Unterhaltungsprodukte weder vor noch hinter der Kamera sonderlich divers. Der Bericht „Inclusion or Invisibility?“ der USC Annenberg aus dem Jahr 2016 kommt nach einer Analyse von mehr als 11.000 Film- und Serienfiguren zu dem Schluss: „Die Filmindustrie fungiert immer noch als Club für heterosexuelle, weiße Männer.“ Das Zentrum für African American Studies der Universität von Kalifornien zog in ihrem ersten „Hollywood Diversity Report“ 2014 das Fazit: „Die falsche Vorstellung, man müsse zwischen Diversität und Spitzenleistungen wählen, hat der Industrie erlaubt, weiterhin ‚business as usual‘ zu betreiben.“ Der Nachfolgebericht 2016 klingt hoffnungsvoller und beschreibt die #OscarSoWhite-Debatte und ihre Folgen als möglichen Paradigmenwechsel für die Industrie. Ein Club für heterosexuelle, weiße Männer An die „Oscars“ wird Jean-Luc Godard sicherlich nicht gedacht haben, als er erklär

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