Selbst//Begegnungen im Film

Zwei Tage vor seinem 100. Geburtstag am 31. Januar 2017 gab es für den Komponisten Hans Posegga einen (Erinnerungs-)Kuchen in der „Sendung mit der Maus“. Alles drehte sich in dieser Ausgabe der Kindersendung um die legendäre „Maus“-Melodie, wobei man ihren „Erfinder“ sogar in einem 20 Jahre alten Filmausschnitt erleben konnte: Posegga improvisierte virtuos über das „Maus“-Thema in Klassik-, Walzer- und Blues-Variationen. Was die Kinder nicht erfuhren: Hans Posegga (1917-2002) war einer der herausragenden deutschen Filmkomponisten, den es unbedingt neu zu entdecken gilt. Eine Party auf einem Landsitz. Ein Mann begibt sich in Begleitung einer jüngeren Frau in ein Nebenzimmer und setzt sich an einen Flügel. Tanzmusik dröhnt aus dem Nachbarraum, die Frau bittet den Mann, das „Wogende Kornfeld“ zu spielen, Chopins Etüde in As-Dur. Sein Spiel, eine überaus weiche Interpretation des gefühlvollen Stücks, tritt gegen die alerte Tanzmusik an – und übertönt sie schließlich. Diese Szene stammt aus Peter Schamonis „Schonzeit für Füchse“ (1966). Der Pianist war zugleich der Komponist der Filmmusik: Hans Posegga. Für seine Arbeit erhielt er den Deutschen Filmpreis in Gold. Poseggas Spiel war mehr als der Cameo-Auftritt eines festen Mitglieds des Jungen Deutschen Films, Schamoni erlaubte seinem Komponisten, mit dem er bereits zahlreiche Kurzfilme gedreht hatte, seine Arbeitsweise „in nuce“ vorzuführen. Chopin trifft auf swingende Tanzmusik, eine empfindsame auf eine mitreißend-muntere Melodie, ein älterer Mann auf eine junge Frau: Hans Posegga fand zu einer Musik immer ihre Gegenwirkung, dachte in seinem Komponieren nicht nur an die Montage zwischen Bild und Musik, sondern auch an eine dramaturgische Montage in der Musik. Zwei Charakterzüge: Timing und Spontaneität Hans Posegga gehört zu den wichtigsten Filmkomponisten Deutschlands nach 1945. Während sein Weg zum Komponieren geradlinig verlief, kam er zum Film über Umwege. Rückblickend stellte er fest: „Das dramaturgische Denken hat in meinem sonatenhörigen Komponieren so viel verändert, dass ich alle früheren Werke wegwerfen konnte.“ Er setzte sein Werkverzeichnis ab 1960 an und sah seine Arbeit zuvor – Sonaten, Kammermusiken und sogar ein Konzert für Klavier und Orchester – kritisch. Posegga wurde vor 100 Jahren, am 31.1.1917, in Berlin geboren und wuchs in Hagen in Westfalen auf. Die musikalischen Eltern investierten Anfang der 1920er-Jahre das immer wertloser werdende Geld in Instrumente, eine sichere Anlage a

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