»Zeig der Welt nicht dein Herz …«

Vor 120 Jahren wurde Pola Negri in einer kleinen polnischen Stadt geboren, vor 30 Jahren (am 1.8.1987) starb sie 90-jährig in San Antonio, Texas. Der legendäre Stummfilm-Star wurde vor allem durch Ernst Lubitsch weltberühmt – mit Filmen wie »Carmen« und »Madame Dubarry«. Und doch blieb die Diva zeitlebens immer eine unnahbare Fremde. Sie ist die Bestie, Madame Dubarry und Carmen in einem. Pola Negri – ihr Name ist gleichbedeutend mit dem Idealbild eines Filmstars in den 1920er-Jahren. In ihm liegen Exotik, Frivolität und Exzentrik. Er lässt an ausladende Gesten, große Gefühle und weibliche Leidenswege denken. 1917 spielt sie in Aleksander Hertz’ »Die Bestie« eine junge Tänzerin, die die Männer zu verführen weiß und die auch ihren Namen trägt, Pola. Sie verschmilzt mit diesem Image: Pola ist Pola, und Pola ist die Polin. Die Gleichung suggeriert, dass ihre Verführungskraft keiner Rolle entspringt, sondern ihrem Naturell. Nur zehn Jahre später singt sie unter der Regie von Nunzio Malasomma in »Die Nacht der Entscheidung« einen Schlager von Lothar Brüne und Bruno Balz, dessen Text wie der abgeklärte Blick auf das eigene Leben klingt: »Zeig der Welt nicht dein Herz, was versteht sie von deinem Schmerz? Wenn dir auch zum Weinen ist, keep smiling, my dear, keep smiling.« Sie klingt fast resigniert: ein Ausdruck ohne jene große Exaltation wie in ihren frühen Filmen, aber dennoch gefühlvoll. Tanz, Bühne, Film Schon der Name ist erfunden und nachgebildet. Geboren wird Pola Negri als Barbara Apolonia Chałupiec am 31.1.1897 in Lipno, einer kleinen polnischen Stadt im Russischen Zarenreich. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, die sie in ihrer Autobiografie zu einem romantischen Epochenporträt verklärt, das das Zeug für den Hintergrund eines Hollywood-Melodramas hat: Ihre Mutter tritt als letzte Angehörige eines verarmten polnischen Adelsgeschlecht auf, ihr Vater wird von der russischen Polizei nach Sibirien verschleppt, da er für die polnische Unabhängigkeit kämpft. Die Wirklichkeit wird sicherlich nüchterner ausgesehen haben. Die junge Pola beginnt zu tanzen, ihre Ballettausbildung führt sie bis nach St. Petersburg. Doch dann erkrankt sie an Tuberkulose, sie kann die körperlich anstrengende Ausbildung nicht fortsetzen und wech

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