Am Ende der Welt

Das Wissen über Schamanismus speist sich heute weitgehend aus Mutmaßungen. Und dient gerade deshalb als weißes Blatt für wechselnde Ausdeutungen durch den Esoterik-Mainstream. Dabei hatten im ausgehenden 20. Jahrhundert noch einige ethnische Gruppen überlebt, in denen ein alltäglicher Schamanismus weiterhin praktiziert wurde. Als Michael Oppitz im Jahr 1977 die erste von drei längeren Expeditionen nach Nepal unternahm, fand er in mehreren abgelegenen Tälern des nordwestlichen Himalaya – zehn Tagesmärsche von der letzten Flugpiste entfernt – einige solcher Gemeinwesen vor. Als Gast des kleinen Magar-Volks nahm er in den nächsten zwei Jahren mit einem kleinen Team viele Stunden Ton- und Bildmaterial auf. Das Ergebnis war der 1980 fertiggestellte, fast dreistündige Dokumentarfilm „Schamanen im blinden Land“, der sowohl in der ethnologischen Fachwelt als auch auf internationalen Filmfestivals umjubelt wurde. Nach der Premiere auf dem Forum der „Berlinale“ im Februar 1982 tourte das Werk als 16mm-Kopie durch zahlreiche kommunale und andere Kinos und brachte es dabei zu einer Art Kultstatus. Durch die Vorführungen wurde die einzige in Deutschland vorhandene Kopie allerdings nach und nach unspielbar. Vor einigen Jahren stellte sich dann heraus, dass das Negativ des Films durch den Konkurs eines New Yorker Kopierwerks verloren gegangen war. Damit schien dieses einzigartige Dokument plötzlich nicht mehr reproduzierbar. Jahrelang war der Film faktisch unsichtbar, es

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