Die Kamera sieht, was sie will: Los muertos von Lisandro Alonso (3.9.2017)

Squirrels to the Nuts - Patrick Holzapfels Blog zum Politischen Kino, Teil 20

Diskussion

Nach einem Wiedersehen mit Lisandro Alonsos „Los muertos“ (2004), der in Wien in Gedenken an den verstorbenen Hans Hurch im Gartenbaukino gezeigt wurde (wo er vor einigen Jahren tatsächlich einen recht erfolgreichen Kinostart hatte, ein Akt des Widerstands in sich!), möchte ich ein paar Gedanken zu einem dieser drei herausragenden Werke des Argentiniers (die anderen beiden sind „La libertad“ (2001) und „Fantasma“ (2006)) festhalten. Der Film folgt wie bis dato alle Langfilme von Alonso einem enigmatischen, einsamen Mann auf einer Reise, die zugleich konkret und spirituell scheint. In diesem Fall heißt er Vargas; er hat seine Brüder ermordet, ist nun aus dem Gefängnis entlassen worden und macht sich auf den Weg, seine im Dschungel lebende Tochter zu finden.

Nach dem Film hörte ich ein begeistertes Herz von den Schatten des Films schwärmen. Es wäre ein Film über Schatten, Schatten nicht im Halblicht wie bei Jacques Tourneur, sondern Schatten in der Sonne. In der Tat findet man unheimlich viele Bilder, in denen sich Schatten von Pflanzen, Menschen und Wolken auf dem Boden oder Gesichtern bewegen und die Kamera ihnen erlaubt zu existieren. Schon zu Beginn, in der hypnotischen Eröffnungssequenz, als die Kamera sich windet und schwirrt unter dem Dickicht eines Laubwaldes, um über zwei tote Körper zu streifen, die womöglich vom Verbrechen des Protagonisten Vargas erzählen, befinden wir uns in einem von der Sonne abgewandten Reich. Diese Schatten sind es unter anderem, die mehr erzählen als gezeigt werden kann. Der Widerstand von Alonso schei

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