Michael Kienzl

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Vaiana (2026)

  • USA 2026
  • R: Thomas Kail

Eine Häuptlingstochter muss die Bewohner ihrer Südsee-Insel vor der Dürre und Finsternis retten, die ein zorniges Vulkanmonster verursacht. Gemeinsam mit einem nicht sonderlich kooperativen Halbgott begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise. Das Realfilm-Remake des gleichnamigen Disneyfilms erzählt mit viel Naturmystik, polynesisch beeinflussten Songs und der bewährten Mischung aus Witz und Sentimentalität von einer trotzigen Heldin, die über sich selbst hinauswächst. Die Abkehr vom Animationsfilm gelingt durch das etwas künstliche Setting und weniger fantasievolle Kreaturen nicht durchgehend; dennoch bestechen die immersiven Actionszenen und die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern.

Michael Kienzl | 09.07.2026

Eine stürmische Affäre

  • Italien 2025
  • R: Ludovica Rampoldi

Ein Seismologe und eine jüngere Autorin fühlen sich in ihren jeweiligen Beziehungen einsam und lassen sich auf eine heimliche Affäre miteinander ein. Zwar wirkt das Verhältnis auf beide belebend, doch der Schriftstellerin genügt das auf Dauer nicht. Immer übergriffiger beginnt sie, ins Privatleben des Wissenschaftlers einzudringen. Der Film, teils eine Komödie über menschliche Irrungen, teils Beziehungsdrama mit dramatischen Anleihen, interessiert sich weniger für die Leidenschaft hinter der Affäre als vielmehr für die unerfüllte Sehnsucht, die diese erst möglich macht. Etwas glatt in der Darstellung und überambitioniert bei der Handlungskonstruktion, gelingen präzise Beobachtungen über menschliche Bedürfnisse und die Herausforderungen festgefahrener Langzeitbeziehungen.

Michael Kienzl | 01.07.2026

Power Ballad - Der Song meines Lebens

  • USA 2026
  • R: John Carney

Ein alternder Musiker in einer Hochzeitsband, dem der Durchbruch als Rockstar verwehrt blieb, verbrüdert sich bei einem Trinkgelage mit einem ehemaligen Boyband-Musiker, der seine Solo-Karriere starten will. Wenig später landet der junge Sänger mit einem Lied, das der Hochzeitsmusiker ihm in besagter Nacht vorgesungen hat, einen großen Hit. Düpiert fordert der Ältere seinen Anteil an dem Erfolg ein. Eine Feel-Good-Komödie über Generationenkonflikte, Selbstzweifel und Kompromisse, der es weniger um den Gegensatz von Authentizität und vermarktbaren Songs geht als darum, persönliche Unzulänglichkeiten zu überwinden. Zwar mitunter etwas vorhersehbar und sentimental, streift der Film interessante Fragen über Urheberrecht und vermittelt das Dilemma seiner Figuren mit präzisen Zwischentönen.

Michael Kienzl | 18.06.2026

Das Los des Fremden

  • Jordanien 2024
  • R: Brandt Andersen

Ein Episodenfilm kreist anhand verschiedener Vignetten um die Strapazen, die Geflüchtete für eine bessere Zukunft auf sich nehmen müssen. Verbunden werden die Schicksale einer syrischen Ärztin, eines Soldaten unter dem Assad-Regime, eines ausbeuterischen Schleusers, eines Dichters und seiner Familie sowie eines Kapitäns der griechischen Küstenwache. Die Erzählung versucht aus verschiedenen Blickwinkeln die aussichtslose Lage der Menschen mit Spannung und Dramatik zu vermitteln. Die vorgeblich guten Absichten des Films verlaufen sich jedoch schnell in der effekthascherischen Inszenierung, die wenig mit ihren eindimensionalen Figuren anzufangen weiß und das Thema nur sehr oberflächlich behandelt.

Michael Kienzl | 08.06.2026

Born to Fake

  • Deutschland 2025
  • R: Erec Brehmer

Der TV-Journalist Michael Born (1958-2019) hat in den 1990er-Jahren zahlreiche erfundene Reportagen fürs Privatfernsehen gedreht, was erst nach Jahren auffiel. Mit Archivmaterial sowie Gesprächen mit Freunden, ehemaligen Kollegen und einer Medienwissenschaftlerin zeichnet der Dokumentarfilm Borns Werdegang nach und porträtiert ihn teils als anarchischen Schelm, teils als zerrissenen Idealisten, der mit seinen dilettantischen Fälschungen indirekt ein auf Sensationslust ausgerichtetes Fernsehen vorgeführt hat. Auf einer analytischen Ebene widmet sich der Film zudem dem fragwürdigen Wahrheitsgehalt dokumentarischer Bilder. Auch wenn er seinen zahlreichen Themen nicht immer gerecht wird, widmet er sich doch über weite Strecken anekdotenreich und amüsant einem verblüffenden Kuriosum der TV-Geschichte.

Michael Kienzl | 27.05.2026

Mother Mary

  • USA 2026
  • R: David Lowery

Nach einem Unfall plant eine gefeierte Popsängerin ihr Comeback und möchte dafür wieder mit ihrer früheren Kostümbildnerin zusammenarbeiten. Während es vordergründig um ein Kleid geht, das die neue Persönlichkeit der Sängerin ausdrücken soll, wird das Wiedersehen zunehmend von ungelösten Konflikten und schließlich auch einer übernatürlichen Erscheinung bestimmt. Das über weite Strecken wortreich und kammerspielartig in Szene gesetzte Drama kreist um Schuld und Vergebung, bleibt dabei aber abstrakt und allegorisch. Auch wenn es gelegentlich bildgewaltige und atmosphärische Momente gibt, zermürbt der Film auf Dauer mit seiner bedeutungsschwangereren Geheimniskrämerei.

Michael Kienzl | 11.05.2026

Glennkill: Ein Schafskrimi

  • Großbritannien 2026
  • R: Kyle Balda

Ein Schäfer in der irischen Provinz liest seinen Tieren regelmäßig Krimis vor. Als er eines Tages ermordet wird, übernehmen die unbedarften Tiere die Ermittlungen und suchen den Täter unter den kauzigen Dorfbewohnern, von denen fast jeder ein Motiv hat. Dem Einsatz der Schafe begegnen die Menschen zunächst allerdings mit völligem Unverständnis. Die Krimikomödie in nostalgischem Ambiente schöpft ihren Humor aus den Missverständnissen zwischen Menschen und Tieren und erzählt über die sprechenden Schafe davon, wie man die Wirklichkeit akzeptieren und durch schlechte Erfahrungen wachsen kann. Ein warmherziger, versöhnlicher, zu Herzen gehender und lustiger Genre-Mix für die ganze Familie.

Michael Kienzl | 29.04.2026

Die Legende des Wüstenkindes

  • Frankreich 2026
  • R: Gilles de Maistre

Eine 14-jährige Französin hat einen Bestseller über einen in der Wüste verschollenen Jungen geschrieben, der von Straußen großgezogen wird. Doch dann erfährt sie, dass sich die von ihrem Großvater vermeintlich erfundene und von ihr adaptierte Geschichte tatsächlich zugetragen haben soll. Von Menschen in der Sahara lässt sie sich die wahre Version erzählen. Der Abenteuerfilm will neben seiner archaischen Erzählung über Zugehörigkeit auch den kolonialen Blick des Westens entlarven. Zwar besticht die betörend fotografierte und emotional aufgeladene Geschichte des Straußenjungen, jedoch nimmt die gut gemeinte, aber nicht ganz überzeugende Rahmenhandlung darin zu viel Raum ein.

Michael Kienzl | 22.04.2026

Only Margo

  • USA 2026
  • R: Dearbhla Walsh

Als eine Studentin mit schriftstellerischen Ambitionen von ihrem Professor schwanger wird, beginnt für sie der harte Alltag als alleinerziehende Mutter mit notorischen Geldproblemen. Ihre Mutter, die gerade ihr Glück mit einem neuen Mann sucht, und ihr Vater, ein ehemals drogensüchtiger Profi-Wrestler, erweisen sich dabei nur gelegentlich als Unterstützung. Ein Account bei der Video-Plattform OnlyFans scheint die finanziellen Probleme jedoch vorerst zu lösen. Eine Dramedy-Serie, die zunächst auf Lebensnähe setzt und sich den Herausforderungen eines finanziell weniger privilegierten Umfelds widmet. Die Geschichte über den ständigen Abgleich zwischen Wunsch und Wirklichkeit findet nicht immer eine überzeugende Balance zwischen Authentizität und dramatischer Zuspitzung, lohnt sich aber schon wegen der ausgezeichneten Schauspieler.

Michael Kienzl | 15.04.2026

The History of Sound

  • USA 2025
  • R: Oliver Hermanus

Im Jahr 1917 reisen zwei Musikstudenten durch die USA, um traditionelle Volkslieder auf Wachszylindern aufzunehmen und zu archivieren. Weil sie ihre Liebe zueinander wegen der äußeren Umstände nur bedingt ausleben können, trennen sich ihre Wege vorerst wieder. Doch nach dem Ersten Weltkrieg kreuzen sich ihre Wege erneut, und auch Jahre später holen sie die Erinnerungen wieder ein. Ein kunstvolles Drama über Vergänglichkeit und Erinnerung, das eine Brücke vom musikalischen zum emotionalen Sujet schlägt. Der sorgfältig gestaltete und anmutig sinnliche Film erzählt von unerfüllter Sehnsucht, wobei es ihm nicht immer gelingt, die Leidenschaft und Tiefe seiner zentralen Liebesgeschichte auszuloten.

Michael Kienzl | 31.03.2026

Skunk

  • Belgien 2023
  • R: Koen Mortier

Ein 17-jähriger Junge aus einer gewalttätigen Familie landet in einem Wohnheim für traumatisierte Jugendliche. Doch die Betreuer sind überfordert, die Mitbewohner gewalttätig. Der Junge wird immer wieder von seiner schmerzhaften Vergangenheit eingeholt. Ein hartes, pessimistisches Sozialdrama, das Kinder aus zerrütteten Verhältnissen als irreparabel beschädigt vorstellt und keinerlei Hoffnung in die Bemühungen pädagogischer Institutionen setzt. Ein zumeist überzeugend gespielter Film, der die unkontrollierbare Zerstörungswut der Protagonisten eindrucksvoll vermittelt. Mit seiner programmatischen Hoffnungslosigkeit und unnötigen Provokationen macht er es sich aber auch etwas einfach.

Michael Kienzl | 30.03.2026

Kokuho - Meister des Kabuki

  • Japan 2025
  • R: Sang-il Lee

Der auf Frauenrollen spezialisierte Sohn eines Yakuza-Bosses wird nach dem Tod seines Vaters zum Schüler und Adoptivsohn eines berühmten Kabuki-Schauspielers, dessen leiblicher Sohn sein Freund und Konkurrent wird. Ihm steht ein harter, steiniger Weg bis zu künstlerischer Exzellenz bevor, der ihn zudem mit dem Mangel konfrontiert, sich als Waise in einem von Familiendynastien beherrschten Theatersystem behaupten zu müssen. Ein episches, ein halbes Jahrhundert umspannendes Drama über einen ehrgeizig-kühlen Aufsteiger, das sich um das ausgefeilte Handwerk des Kabuki dreht und dabei die Grenzen zwischen Leben und Bühne zunehmend verwischt. Der bildmächtige Film ist überzeugend gespielt, oft mitreißend inszeniert und vermittelt eindrücklich die Faszination dieser besonderen Theatergattung, auch wenn ihm Hintergrund die These steht, dass man für wahre Kunst leiden muss.

Michael Kienzl | 25.03.2026

Truly Naked

  • Niederlande 2026
  • R: Muriel d'Ansembourg

Ein Teenager arbeitet heimlich als Kameramann für das Porno-Unternehmen seines Vaters. Als er für ein Schulprojekt über Internetsucht mit einem selbstbewussten und emanzipierten Mädchen zusammenarbeitet, beginnt er allmählich den Unterschied zwischen männlichen Fantasien und realer Sexualität zu verstehen. Die Coming-of-Age-Geschichte führt vor, wie sich junge Männer von weiblichem Begehren entfremden und wahre Zärtlichkeit und Intimität erst erlernen müssen. Zwar ist die Chemie zwischen den beiden charmanten jungen Hauptdarstellern einnehmend, aber der Film nutzt Handlung und Figuren überwiegend auf didaktische und etwas eindimensionale Weise dazu, seine Skepsis gegenüber Pornografie zu veranschaulichen.

Michael Kienzl | 13.03.2026

Maysoon

  • Deutschland 2025
  • R: Nancy Biniadaki

Jahre nach dem Arabischen Frühling hat sich eine ägyptische Archäologin in Berlin eine gesicherte Existenz mit einem Freund und zwei gemeinsamen Kindern aufgebaut. Als ihr Partner ihr einen Seitensprung gesteht, holen sie jedoch verdrängte Traumata ein und ihr Leben gerät zunehmend aus den Fugen. Mit einer offenen Erzählweise, die der nuanciert gezeichneten Hauptfigur gerecht wird, und einem ausgefeilten Sounddesign, das ihre Entfremdung von ihrer Umwelt verdeutlicht, widmet sich das Drama einer migrantischen Erfahrung, ohne auf vereinfachende Klischees zurückzugreifen. Indem die Protagonistin gleich mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert wird, verliert sich der Film allerdings ein wenig in seiner lebensnahen, aber etwas unfokussierten Geschichte.

Michael Kienzl | 13.03.2026

A New Dawn

  • Japan 2025
  • R: Yoshitoshi Shinomiya

Drei junge Freunde aus der Provinz verbarrikadieren sich in einer stillgelegten Feuerwerksfabrik, die einer neuen Straße weichen soll. Während sie einen Plan schmieden, um ihren Rückzugsort vor der anstehenden Räumung zu bewahren, müssen sie sich verdrängten Gefühlen stellen und das Geheimnis eines mythischen Feuerwerks entschlüsseln. Erfindungsreich und detailverliebt gestalteter Coming-of-Age-Anime, in dem die jungen Protagonisten ihre Träume gegen die dröge Welt der Erwachsenen verteidigen. Der Film erschafft äußerst lebendige und fantasievolle Bildwelten, verliert sich inhaltlich aber in einem Wirrwarr an nur angedeuteten Themen, in dem man als Zuschauer schnell die Orientierung verloren hat.

Michael Kienzl | 13.03.2026

The Weight - Goldrausch

  • Deutschland 2026
  • R: Padraic McKinley

Während der Großen Depression wird im US-Bundesstaat Oregon ein mittelloser Witwer von seiner Tochter getrennt und in ein Straflager geworfen. Ein Aufseher verspricht ihm dort eine vorzeitige Entlassung, wenn er mit weiteren Häftlingen eine große Menge Gold durch die Wildnis schmuggelt. Die knochenharte Aufgabe erweist sich jedoch als lebensgefährlich. Ein stimmungsvoll fotografierter, gut gespielter und einfallsreich inszenierter Abenteuerfilm alter Schule. Trotz eines minimalistischen Settings und eher kleinen Budgets erwachsen aus zwischenmenschlichen Spannungen und dichten Actionsequenzen immer neue Herausforderungen.

Michael Kienzl | 05.03.2026

Pictures of Ghosts

  • Brasilien 2023
  • R: Kleber Mendonça Filho

Der brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho beschäftigt sich in dem dokumentarischen Essay anhand von Kinos und seiner Familienwohnung mit dem historischen Wandel in seiner Heimatstadt Recife. Der Film konzentriert sich dabei vor allem auf Dinge, Orte und Menschen, die längst verschwunden sind, aber Spuren in der Gegenwart hinterlassen haben und zeigt, wie eng Kultur, Gesellschaft und Politik miteinander verzahnt sind. Die hypnotische Montage lässt das reiche, bunt zusammengewürfelte Archivmaterial regelrecht ineinanderfließen, offenbart, wie sich Geschichte in urbane Landschaften eingeschrieben hat und huldigt alten Filmpalästen als Rückzugsorte zum Träumen und Bastionen des Widerstands.

Michael Kienzl | 27.02.2026

Allegro Pastell

  • Deutschland 2025
  • R: Anna Roller

Eine Schriftstellerin und ein Webdesigner führen im Jahr 2018 eine Fernbeziehung zwischen Berlin und Frankfurt, die von einem angeregten Austausch geprägt ist, aber Risse bekommt, als sich die Frau eingeengt fühlt. Nachdem sich die beiden aus den Augen verloren haben und einige Zeit später wiedersehen, ist die gegenseitige Anziehung noch da, aber etwas hat sich dennoch verändert. Die Adaption des Romans „Allegro Pastell“ zeichnet ein zeitgeistiges Porträt bürgerlicher Millennials, die in einer popkulturell kodierten Welt voller überfordernder Eindrücke nach Liebe suchen. Der solide inszenierte Film kreist um die Idee einer unmöglichen Beziehung, scheitert jedoch an nur mäßig interessanten Figuren und wirkt weniger wie ein authentisches Milieuporträt als vielmehr wie eine Selbstbespiegelung.

Michael Kienzl | 26.02.2026

Sleep No More (2026)

  • Indonesien 2026
  • R: Edwin

In einer ausbeuterischen Fabrik schuften die Arbeiter bis zur Erschöpfung. Ein Dämon, der als riesiges Haarbüschel über die Wände huscht, nutzt die Überanstrengung der Angestellten, um von ihnen Besitz zu ergreifen und sie zu blutigen Taten zu treiben. Als zwei Schwestern neu in der Fabrik angestellt werden, wollen sie dem Geheimnis auf den Grund gehen. Halb Horrorfilm, halb Satire über die Abgründe industrieller Arbeitswelten, folgt der Film seinen Protagonistinnen durch klassische Spannungsmomente und absurde Situationen. Manchmal nimmt er dabei etwas viel Distanz zu seiner Gruselgeschichte ein, besticht aber überwiegend durch seinen schwarzen Humor und fantasievolle handgemachte Spezialeffekte.

Michael Kienzl | 18.02.2026

Marty Supreme

  • USA 2025
  • R: Josh Safdie

New York, im Jahr 1952: Ein junger Schuhverkäufer möchte professioneller Tischtennisspieler werden und versucht seinem Ziel so gewitzt wie rücksichtslos und egoistisch näher zu kommen. Ein Schuldenberg und ein anstehendes Match mit seinem Konkurrenten in Japan fordern seinen Erfindungsreichtum schließlich besonders heraus. Zwischen Sportlerdrama und Schelmenstück erzählt der Film mit inhaltlichen Abschweifungen, originellen Einfällen und einer anachronistischen Musikauswahl von einem, der in der Nachkriegszeit hoch hinauswill. Die Stärke des atemlos inszenierten Werks liegt in der markanten Präsenz seiner Figuren und den ständigen Reibungen, die das Drehbuch zwischen ihnen entfacht.

Michael Kienzl | 18.02.2026

Once Upon a Time in Gaza

  • Frankreich 2025
  • R: Arab Nasser

Zwei Betreiber eines Falafel-Ladens im Gazastreifen dealen im Jahr 2007 unter der Hand mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Bis ihnen ein korrupter Polizist in die Quere kommt, der einen von ihnen tötet. Als der andere zwei Jahre später die Hauptrolle in einem propagandistischen Actionfilm übernimmt, trifft er erneut auf den Mörder seines Freundes. Der Film ist eine Mischung aus entschleunigtem Gangsterfilm und trockener schwarzer Komödie, die in einer Meta-Erzählung auch die aussichtslose Lage der Zivilbevölkerung in Gaza thematisiert. Trotz sanft-hoffnungsvollem Galgenhumor und spannender Ansätze bleibt der Film sprunghaft und fragmentarisch sowie in der Figurenzeichnung zu blass.

Michael Kienzl | 11.02.2026

Die Stimme von Hind Rajab

  • Tunesien 2025
  • R: Kaouther Ben Hania

Im Januar 2024 kam die fünfjährige Palästinenserin Hind Rajab bei einer israelischen Militäraktion im Gazastreifen ums Leben. Zuvor verharrte sie mehrere Stunden zwischen ihren toten Angehörigen in einem zerschossenen Autowrack. Das Mädchen stand dabei telefonisch im Kontakt mit der Hilfsorganisation Roter Halbmond, die einen Rettungswagen organisieren wollte. Unter Verwendung der realen Tonaufnahme rekonstruiert der Film das Geschehen in der Zentrale in Ramallah mit Hilfe von Schauspielern. Reale und fiktive Elemente finden dabei jedoch weder zusammen, noch bereichern sie sich gegenseitig. Die Handlung bleibt statisch, während die nur grob umrissenen Figuren vor allem dazu dienen, der Wut und Trauer über die Situation Ausdruck zu verleihen. Die Kombination solcher melodramatischen Effekte mit einem leibhaftig um Hilfe flehenden Mädchen wirkt fragwürdig.

Michael Kienzl | 15.01.2026

Smalltown Girl

  • Deutschland 2026
  • R: Hille Norden

Zwei ehemalige Schulkameradinnen mit gegensätzlichen Lebensentwürfen ziehen zusammen. Die schüchternere von beiden bewundert die freizügige, scheinbar von sämtlichen gesellschaftlichen Zwängen befreite Andere, für die Sex ein Lebenselixier ist. Bei der Erforschung ihrer Vergangenheit offenbart sich jedoch, dass sich hinter der zwanghaften Libido mangelndes Selbstwertgefühl und missbräuchliche Erfahrungen verbergen. Mit artifizieller Ästhetik widmet sich das Drama der unabgeschlossenen Aufarbeitung seiner Protagonistin und den schiefen Machtverhältnissen, auf die sie sich als Minderjährige eingelassen hat. Trotz einiger beklemmender Momente wirkt die Geschichte aber unausgegoren und die Inszenierung mitunter etwas steif und didaktisch.

Michael Kienzl | 13.01.2026

The Housemaid - Wenn sie wüsste

  • USA 2025
  • R: Paul Feig

Eine vorbestrafte, obdachlose junge Frau erschleicht sich eine Anstellung als Hausmädchen bei einer reichen Familie in Long Island. Zunächst erträgt sie, dass ihr die psychisch instabile Hausherrin das Leben zur Hölle macht, doch als dies immer bösartigere Züge annimmt, stößt die junge Frau auf finstere Abgründe hinter der glänzenden Fassade. Ein wendungsreicher Thriller um Abhängigkeit und schiefe Machtverhältnisse, der zunächst gemächlich beginnt, dann aber gehörig an Fahrt aufnimmt. So entsteht eine turbulente und virtuos gespielte Mischung aus Melodram, Thriller und Gesellschaftssatire, die Spaß an der grotesken Entwicklung der Handlung hat.

Michael Kienzl | 06.01.2026

Things to come - Vorschau auf Filmstarts 2026

Ein episches Kinojahr liegt vor uns: Christopher Nolans „Odyssee“ und Steven Spielbergs Science-Fiction-Film „Disclosure Day“ könnten für volle Kinos sorgen, und Netflix präsentiert Greta Gerwigs „Narnia“. Aber auch das internationale Autorenkino schläft nicht; neue Projekte von Albert Serra, Luca Guadagnino, Alejandro G. Iñárritu, Paul Schrader, Angela Schanelec und vielen anderen sind in der Pipeline. Eine Vorschau auf neue Filme, mit denen Cineasten in den nächsten Monaten rechnen können.

Michael Kienzl | 05.01.2026

Lurker

  • USA 2025
  • R: Alex Russell

Ein junger Verkäufer schleicht sich durch gezielte Manipulation in den erlesenen Kreis rund um einen aufstrebenden Popstar ein. Innerhalb der Entourage des Musikers herrscht jedoch ein erbitterter Wettstreit um dessen Aufmerksamkeit, bei dem man schnell in Ungnade fallen kann. Der Film verbindet die Thriller-Motive über einen obsessiven Fan mit einer zunehmend ins Satirische kippenden Reflexion über Ruhm, Abhängigkeit und Unterwerfung. Dabei tritt er dramaturgisch gelegentlich auf der Stelle, bewegt sich über weite Strecken aber geschickt zwischen sezierenden Beobachtungen zwischenmenschlicher Machtverhältnisse und schelmischer Verbundenheit mit dem ambivalenten Protagonisten.

Michael Kienzl | 18.12.2025

Dreamers (2025)

  • Großbritannien 2025
  • R: Joy Gharoro-Akpojotor

Eine nigerianische Migrantin, die wegen ihrer Homosexualität aus der Heimat geflohen ist, landet in einem Londoner Abschiebegefängnis, wo sie auf ihr Asylverfahren warten muss. An diesem rauen, trostlosen Ort freundet sie sich mit Frauen an, die ein ähnliches Schicksal teilen. Zu ihrer Zimmergenossin beginnt sie ein zögerliches Liebesverhältnis, das jäh beendet wird, als diese abgeschoben wird. Ein ausschließlich hinter Gittern spielendes Drama, das seine Aufmerksamkeit ganz den geflüchteten Frauen und ihrer zermürbend unbestimmten Situation schenkt. Die Handlung gerät mitunter etwas holzschnittartig, doch der Film besitzt ein gutes Gespür für die kostbare Intimität der Protagonistinnen und zeigt, dass man sich auch in Gefangenschaft Freiheit erkämpfen kann.

Michael Kienzl | 08.12.2025

Flux Gourmet

  • Großbritannien 2022
  • R: Peter Strickland

Bei einem Förderprogramm für kulinarische Performance-Kunst darf ein Trio in einem viktorianischen Landhaus vier Wochen experimentieren und sich mit anderen austauschen. Bald kommt es im streng ritualisierten Tagesablauf sowohl innerhalb der Gruppe als auch mit der extravaganten Institutsleiterin zu Unstimmigkeiten. Die stilistisch ausgefeilte Komödie widmet sich peinlichen Spannungen, Ausstattungsdetails und markanten Tableaus. Motive wie die Bedeutung von Authentizität und die Rolle des Künstlers werden angedeutet, ohne dass sich der Film trotz großer visueller Reize einem eindeutigen Thema verschreiben würde.

Michael Kienzl | 27.11.2025

Formen moderner Erschöpfung

  • Deutschland 2025
  • R: Sascha Hilpert

In einem alten Sanatorium im Harz kümmern sich Therapeuten aus unterschiedlichen Bereichen um Menschen mit psychosomatischen Störungen. Während eine Historikerin über die Geschichte des Hauses forscht, lernen sich zwei Gäste kennen, die hier ihren inneren Frieden suchen. Ein Hybrid aus Dokumentation und Fiktion, in dem Schauspieler als Patienten zu sehen sind, die ausführliche Einblicke in die therapeutische Arbeit ermöglichen und zugleich doch nur skizzenhaft entworfene Charaktere verkörpern. Ein stimmungsvoll gefilmtes Experiment mit einem interessanten Schauplatz, das allerdings langatmig erzählt ist und seine unterschiedlichen Elemente oft ohne erkennbaren Mehrwert miteinander kombiniert.

Michael Kienzl | 13.11.2025

Ich sterbe, kommst du?

  • Deutschland 2025
  • R: Benjamin Kramme

Eine unheilbar an Brustkrebs erkrankte Frau zieht in ein Hospiz, um dort ihre letzten Tage zu verbringen. Während sich ihre Familie – auch ihr kleiner Sohn – zunehmend von ihr zurückzieht, erlebt sie in Begegnungen mit Pflegerinnen und Mitbewohnern kurze Momente des Trosts. Der Film schildert schnörkellos den langsamen, unausweichlichen Prozess des Sterbens, mit all seiner sozialen Isolation und den psychischen Herausforderungen. Zugleich fängt er den Alltag einer mit großem Feingefühl arbeitenden Einrichtung ein. Trotz einer teils lockeren Dramaturgie überzeugt er durch seinen präzisen Blick und nähert sich der Ungeheuerlichkeit der eigenen Vergänglichkeit unsentimental und authentisch.

Michael Kienzl | 13.11.2025