Rochus Wolff

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Ghost School

  • Pakistan 2025
  • R: Seemab Gul
Die einzige Schule im kleinen Dorf einer zehnjährigen Pakistanerin wird geschlossen. Auf Nachfragen wird das Gerücht verbreitet, ein Jinn habe Besitz von einem Lehrer ergriffen und das Gebäude verflucht. Doch das Mädchen will sich damit nicht zufriedengeben und beginnt selbst nach Antworten zu suchen. Aus der neugierigen Perspektive der Zehnjährigen macht der bemerkenswerte Jugendfilm sichtbar, wie Bildungsungleichheit, Aberglaube und Verdrängung ineinandergreifen und die Erwachsenen wirtschaftliche Not hinter übernatürlichen Erklärungen verbergen. Die ruhige, eindringliche Erzählung thematisiert sensibel Mut, Zweifel und das Recht eines Kindes, für die eigene Zukunft einzustehen.
Rochus Wolff | 27.08.2026

Lotte und Totte

  • Dänemark 2025
  • R: Mia Fridthjof
Eine Vierjährige zieht mit ihren Eltern und dem neugeborenen Bruder von der Stadt in ein größeres Haus aufs Land und freundet sich mit dem Nachbarjungen an, der mit seiner Oma im Nachbarhaus lebt. Die beiden erleben jede Menge Abenteuer, doch dann stellt ein Streit die Freundschaft auf die Probe. Der Animationsfilm nach einer Kinderbuchreihe von Gunilla Wolde thematisiert kindliche Gefühle wie Eifersucht und Einsamkeit, Angst und Neugier und richtet sich gezielt an die jüngsten Zuschauer. Auch mit der einfachen Strichführung, kräftigen Farben, behutsamer Musikbegleitung und der episodischen Erzählweise mit einfachen Lektionen erweist sich der nur knapp einstündige Film als sehr aufmerksam für die Bedürfnisse und Sehgewohnheiten der Zielgruppe.
Rochus Wolff | 18.08.2026

Verstoßene - Kein Zuhause bei Maman

  • Frankreich 2024
  • R: Grégory Lucilly
Ein Jugendlicher von der Insel La Réunion träumt vom Gewinn eines Breakdance-Wettbewerbs und der Chance auf die Migration nach Frankreich. Doch dann werden er, seine Schwester und deren Baby von ihrer Mutter hinausgeworfen und kommen bei ihrem entfremdeten Vater unter. Die Geschwister versuchen sich mit der neuen Situation zu arrangieren, doch vor allem der Junge ringt mit Verzweiflung und Wut. Ein Jugendfilm mit präzise interpretierten Hauptfiguren und einem aufmerksamen Blick für die Lebensrealität der kreolischen Bewohner von La Réunion. Vorangetrieben durch die komplizierte Familienkonstellation und die verzweifelte Lage der Charakter, verzichtet der Film auch auf das Stereotyp feindlicher Behörden.
Rochus Wolff | 29.06.2026

Nulpen

  • Deutschland 2024
  • R: Sorina Gajewski
Zwei Berliner Freundinnen haben gerade das Abitur gemacht und wissen mit dem Sommer, der vor ihnen liegt, nicht viel anzufangen. Als sie den Vogel eines Nachbarn freilassen und der Bruder des einen Mädchens ebenfalls verloren geht, machen sie sich auf die Suche nach beiden. Dabei werden sie sich immer mehr bewusst, dass für sie ein neuer Lebensabschnitt ohne Struktur und mit vielen Fragezeichen begonnen hat. Der Jugendfilm passt sich mit einer ruhelosen Bewegung ohne konkretes Ziel seinen Hauptfiguren an und zeichnet mit vielen kleinen, prägnanten Details das Porträt zweier junger Frauen. Neben dem Übergang ins Erwachsenenalter und der Suche nach einer Richtung findet auch die gesellschaftliche Stimmung mit Erschöpfung und Wut ihren Platz, ohne das mäandernde Szenario thesenhaft zu überfrachten.
Rochus Wolff | 11.06.2026

Swapped - Getauscht

  • USA 2026
  • R: Nathan Greno
In einem Tal voll erstaunlicher Tiere und Pflanzen herrschen zwischen den unterschiedlichen Spezies allerlei Reibereien, auch zwischen einer Nagetier-Art und farbenprächtigen Vögeln. Als durch einen von einer magischen Knospe verursachten Körpertausch ein Nagetier-Junge in einem Vogelkörper landet und sich eine Vogeldame umgekehrt im Pelz der Widersacher wiederfindet, müssen sie notgedrungen gemeinsame Sache machen, um ihre ursprüngliche Gestalt zurückzuerlangen. Der Beginn aufregender Abenteuer. Die animierte Körpertausch-Komödie wandelt mit ihrer Geschichte ums Sich-ineinander-Hineinversetzen gegensätzlicher Wesen in bekannten Genregleisen, punktet aber durch die prächtige, überbordende Gestaltung ihrer Erzählwelt genauso wie durch eine Botschaft von Versöhnung und friedlicher Gemeinschaft, die überzeugt, weil sie nicht nur aus gemeinsam erlebten Abenteuern erwächst, sondern aus Entschuldigungen, Vergebung und aktivem Aufeinander-Zugehen.
Rochus Wolff | 04.05.2026

Pferd am Stiel

  • Deutschland 2026
  • R: Sonja Maria Kröner
Zwei Teenagerinnen aus München betreiben gemeinsam einen Videokanal, der aber wenig Interesse weckt. Um das zu ändern, suchen die Freundinnen nach attraktiven Themen und stoßen dabei auf das „Hobby Horsing“, bei dem auf Steckenpferden geritten wird. Während die eine aber nach spöttischen Reaktionen auf das erste Video sofort damit aufhört, ist die andere Feuer und Flamme für die Sportart. In einer Pferde-Turnierreiterin findet sie eine neue Freundin, mit der sie sogar zu einem Wettbewerb in Finnland reist. Der Kinderfilm will erkennbar an das „Hobby Horsing“-Phänomen andocken, bleibt in der Handlung und Figurenzeichnung aber oberflächlich. So vermitteln sich weder die sportliche Ernsthaftigkeit des Steckenpferdreitens noch die im Drehbuch angelegten sozialen Unterschiede zwischen den Figuren.
Rochus Wolff | 21.04.2026

I Accidentally Wrote a Book - Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand

  • Ungarn 2024
  • R: Nóra Lakos
Eine 13-Jährige glaubt den acht Jahre zurückliegenden Tod ihrer Mutter gut verarbeitet zu haben, doch als sie ihre schriftstellerischen Ambitionen entdeckt, drängt sich der mütterliche Verlust als Thema auf. Mit Hilfe einer Autorin und Nachbarin lernt das Mädchen literarische Tricks und beginnt damit, über das eigene Leben zu schreiben, in das auch die Pubertät und eine mögliche neue Partnerin des alleinerziehenden Vaters hineinspielen. Der Familienfilm umschifft übliche narrative Muster um kindliche Verlusterfahrungen und erzählt gelassen und dabei sehr einfühlsam von einer Kindheit, die von Verständnis, Liebe und Förderung geprägt wird. Die originelle Inszenierung übersetzt die literarischen Erkundungen in einfallsreiche Bildideen und feiert das Glück, die eigene Geschichte aktiv erzählen zu können.
Rochus Wolff | 13.04.2026

Hola Frida

  • Frankreich 2024
  • R: André Kadi
Die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954) verarbeitete in ihren Arbeiten viele Einflüsse und auch persönliches Leid. Ein Animationsfilm nähert sich ihrem Leben und Werk über ihre Kindheit an, in der sie Kinderlähmung und als Folge davon zwei ungleiche Beine aus der frühen Sorglosigkeit herausreißen. Dies treibt sie jedoch auch an, gegen alle Widrigkeiten ihr Schicksal anzunehmen und nach einem schweren Unfall mit der Malerei zu beginnen. Der farbenfrohe Film baut Frida Kahlo als Identifikationsfigur für Kinder auf und setzt mit einer auf Niedlichkeit zielenden Charakteranimation auf einen leichten und inspirierenden Zugang. Mit Blick aufs Zielpublikum bleiben dagegen die düsteren Züge von Kahlos Kunst und deren politische Elemente ebenso außen vor wie der Schmerz der Künstlerin.
Rochus Wolff | 13.03.2026

Der letzte Walsänger

  • Deutschland 2025
  • R: Reza Memari
Ein kleiner Buckelwal trägt schwer am Tod seiner Eltern und zweifelt daran, dass er es seinem Vater nachtun und mit einem magischen Lied das Meer und seine Bewohner beschützen kann. Doch als der monströse Leviathan infolge der Erderwärmung aus seinem Eis-Gefängnis ausbricht und alles Leben unter Wasser bedroht, lässt sich der junge Wal darauf ein, zusammen mit seinen Freunden nach einer Lösung zu suchen. Der an Filmreferenzen und mythischen Bezügen reiche Animationsfilm erzählt vom Erwachsenwerden inmitten einer von den Menschen bedrohten Natur mit magischen Szenen und buntleuchtender Schönheit. Er hebt sich aber kaum vom Überangebot vergleichbarer Filme ab und verbleibt in Vielem eindimensional und vage.
Rochus Wolff | 04.02.2026

Woodwalkers 2

  • Deutschland 2026
  • R: Sven Unterwaldt jr.
An einer Schule für junge Gestaltwandler, die zwischen Mensch- und Tierform wechseln können, beginnt ein neues Schuljahr. In einem Verfahren gegen einen früheren Förderer, dem Angriffe gegen Menschen vorgeworfen werden, versteht es der Angeklagte jedoch, den Hauptzeugen von seiner Ausgabe abzubringen. Dessen Freunde verkraften diesen Vertrauensbruch indessen rasch und treten dem Bösewicht erneut entgegen. Der zweite Teil der Jugend-Fantasy-Reihe setzt die Romanvorlage zwar nahtlos um, versäumt es jedoch, die Figuren und ihre Beziehungen glaubhaft auszugestalten. Zudem fehlt der Inszenierung jede Leichtigkeit, während die Darsteller sich durch steife Dialoge kämpfen müssen.
Rochus Wolff | 21.01.2026

Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren

  • Schweden 2025
  • R: Wilfried Hauke
Vor ihrem Durchbruch als Kinderbuchautorin mit „Pippi Langstrumpf“ (1945) führte Astrid Lindgren (1907-2002) während des Zweiten Weltkriegs Tagebücher, in denen sie auch Gedanken und Ängste über das Kriegsgeschehen und ihre Arbeit in der Postzensur notierte. Der Dokumentarfilm setzt die erst posthum veröffentlichten Aufzeichnungen mit Spielszenen sowie mit Interviews mit Lindgrens Nachfahren um und widmet auch den Problemen in ihrem Privatleben viel Aufmerksamkeit. Dem formal routiniert erzählten Film geht es insbesondere um die Notizen, die Astrid Lindgren als mitfühlenden, politisch denkenden Menschen zeigen, der Nazi-Deutschland und die Sowjetunion mit Sorge und Abscheu betrachtete und Empathie gegenüber den Kriegsopfern bezeugte. Die unaufgeregte Machart lässt sich dabei auch als Huldigung an die reflektierte Haltung Lindgrens begreifen.
Rochus Wolff | 20.01.2026

Mission Santa - Ein Elf rettet Weihnachten

  • USA 2025
  • R: Ricard Cussó
Das Ungeschick eines jungen Elfen ermöglicht es einer Hackerin, die vollautomatisierte Werkstatt des Weihnachtsmannes am Nordpol zu übernehmen. Sie droht damit, das Fest zu sabotieren, falls ihr Santa Claus nicht ausgeliefert werde. Da der Weihnachtsmann aber seit Längerem verschwunden ist, machen sich der Elf und ein paar Gefährten auf die Suche nach ihm. Ein nicht sonderlich origineller, formal mäßiger Animationsfilm, der das aller religiösen Bedeutung beraubte Fest nur als nostalgischen Kleister für Verluste und Traumata versteht und seinem kindlichen Publikum weismacht, es bedürfe keiner weiteren Auseinandersetzung mit tiefsitzenden Ängsten.
Rochus Wolff | 06.11.2025

Mission: Mäusejagd - Chaos unterm Weihnachtsbaum

  • Norwegen 2025
  • R: Henrik Martin Dahlsbakken
Eine Mäusefamilie will wie jedes Jahr ein friedliches Weihnachtsfest in einem leerstehenden Haus feiern. Doch die Idylle wird gestört, als plötzlich die neuen menschlichen Besitzer des Gebäudes auftauchen. Die Mäuse, insbesondere der Vater, gehen daran, die Eindringlinge zu vertreiben, doch auch die Menschen setzen sich zunehmend rabiat zur Wehr. Eine eher brachiale als feinsinnige Komödie, die einschlägige Vorbilder zitiert, in der Folgenlosigkeit der Gewalt und dem versöhnlichen Ton durch eine Freundschaft von Mausmädchen und Menschenjunge aber auf ein Familienpublikum zielt. Während die Mäuse überzeugend animiert sind, fehlt es der Handlung an wirklichen Überraschungen.
Rochus Wolff | 06.11.2025

Ab morgen bin ich mutig

  • Deutschland 2025
  • R: Bernd Sahling
Ein schüchterner zwölfjähriger Junge verliebt sich in eine Mitschülerin, die deutlich größer ist als er, und traut sich anfangs kaum, dies durchblicken zu lassen. Mit Hilfe seines Bruders, seines Talents als Fotograf sowie eines Klassenprojekts, bei dem ein Dokumentarfilm über das Verliebtsein gedreht wird, kommt er ihr jedoch allmählich näher. Ein mit viel Kreativität umgesetzter Kinderfilm, der die Perspektiven seiner Figuren stets ernstnimmt und sensibel von der ersten Liebe erzählt. Der Verzicht auf große Konflikte in der Zeichnung des Schulumfelds wirkt leicht idealisiert, doch beschwört der Film gekonnt eine Atmosphäre zeitloser Magie.
Rochus Wolff | 23.10.2025

Karla (2025)

  • Deutschland 2025
  • R: Christina Tournatzés
1962 läuft ein zwölfjähriges Mädchen seiner Familie davon und zeigt seinen Vater wegen sexuellen Missbrauchs an. Ein älterer Richter nimmt sich des Kindes an und bereitet es auf den Prozess vor, auch wenn er weiß, dass ihre Chancen für eine Verurteilung schlecht stehen. Das Mädchen scheut vor Details der Missbrauchstaten zurück, doch in intensiven Sitzungen finden die beiden nach und nach Wege, die Anklage zu formulieren. Das an einen realen Fall angelehnte Drama bleibt bis auf wenige Szenen bei der jungen Hauptfigur und verzichtet auf jeden Sensationalismus. Der sich aneinander herantastende Umgang zwischen dem Kind und dem älteren Mann prägt auch die Inszenierung des Films, der sensibel vorführt, wie aus wachsendem Respekt und Mitgefühl eine Nähe und gegenseitiges Vertrauen entstehen.
Rochus Wolff | 02.10.2025

Momo (2025)

  • Deutschland 2025
  • R: Christian Ditter
Ein junges Waisenmädchen lebt in den Ruinen eines alten Amphitheaters und hört jedem zu, der Hilfe braucht. Doch als ein mächtiger Konzern beginnt, den Menschen ihre Zeit zu stehlen, wenden sich selbst seine engsten Freunde von ihm ab. Verzweifelt folgt sie einer geheimnisvollen Schildkröte zu einem mysteriösen Hüter der Zeit. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen die Zeitdiebe auf, der sich zu einem Wettlauf gegen die Uhr entwickelt. Die Neuverfilmung des berühmten Romans von Michael Ende ist geschickt in der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie der Gegenwart verankert, in der jede freie Sekunde von digitalen Allzweckgeräten aufgesogen wird. Allerdings verfällt der märchenhafte Film selbst diesem Muster und hetzt ohne Ruhe durch das Geschehen, was der Tiefe der Gedanken wenig Raum lässt.
Rochus Wolff | 02.10.2025

Superkräfte mit Köpfchen

  • Niederlande 2024
  • R: Dylan Haegens
Ein von seinen ängstlichen Eltern überbehüteter Junge träumt von einer Begegnung mit seinem liebsten Superhelden beim Kostümwettbewerb auf der Comic Con. Unterstützung findet er bei seiner skurrilen Großmutter, die statt Gefahren überall Chancen sieht. Doch dann erfährt der Junge, dass ihm eine beunruhigende Aussicht verschwiegen worden ist. Die Familienkomödie baut zunächst ein knallig-buntes, überdrehtes, aber auch etwas oberflächliches Szenario auf, um mit einem Mal einen radikalen Stimmungswechsel zu vollziehen und recht explizit die Angst vor existenziellen Verlusten aufzugreifen. Diese Wendungen kommen dem Film jedoch zugute, der sich zwischen schnoddrigem Humor und hoher Emotionalität als Ausnahmeerscheinung im Kinderfilm einpendelt.
Rochus Wolff | 11.09.2025

Tafiti - Ab durch die Wüste

  • Deutschland 2025
  • R: Nina Wels
Ein neugieriges Erdmännchen wurde von seinen Angehörigen stets ermahnt, den Kontakt mit anderen Tierarten zu meiden. Als es dann aber doch einmal einem Pinselohrschwein helfen will, wird sein Großvater prompt von einer Giftschlange gebissen. Um ihn zu retten, macht sich sein Enkel quer durch die Wüste auf die Suche nach einer heilenden Blume, gefolgt von dem Pinselohrschwein. Der animierte Kinderfilm erzählt von der sich allmählich entwickelnden Freundschaft der beiden, aber auch von Mut und der Offenheit anderen gegenüber. Vieles davon ist vorhersehbar, doch zugleich überrascht die Erzählung immer wieder mit originellen Einfällen und einer ausgezeichneten Animation.
Rochus Wolff | 04.09.2025

Heidi - Die Legende vom Luchs

  • Deutschland 2025
  • R: Toby Schwarz
In der Fortschreibung der Geschichte um das berühmte Mädchen aus den Bergen geht es um ein verletztes Luchs-Junges, um das sich Heidi so lange kümmert, bis es wieder zu seinen Anverwandten zurückkehren könnte. Doch die Auswilderung ist durch einen rücksichtslosen Geschäftsmann bedroht, der Luchse jagt und mit dem Plan eines Sägewerks überdies den Frieden im Dorf gefährdet. Der visuell an die Ästhetik der „Heidi“-Serie von Isao Takahata angelehnte Animationsfilm rekurriert recht holzschnittartig auf den Gegensatz von Stadt und Land, unberührter Natur und technischem Fortschritt. Auch inszenatorisch gelangt die Geschichte um Naturbewahrung und Rücksichtnahme nicht über eine bloße Addition von ein wenig Spannung, Menschen, Tieren und viel CGI-Natur hinaus.
Rochus Wolff | 26.06.2025

Club der Dinosaurier

  • Deutschland 2025
  • R: Lutz Heineking jr.
Zwei jugendliche Außenseiter wollen durch illegales Testosteron männlicher wirken und bei einer neuen Mitschülerin punkten. Die Pillen zeitigen zunächst überraschenden Erfolg, da Muskeln wie Selbstbewusstsein wachsen. Doch es gibt auch unerwartete Nebenwirkungen. Die Jugendlichen verwandeln sich nämlich allmählich in reptilienartige Kreaturen. Die Serie nimmt die Rollenkonflikte männlicher Teenager und die neuerliche Popularität überkommender Männerbilder satirisch aufs Korn, wobei das Fantasy-Sujet durch sympathisch-lebensechte Hauptfiguren geerdet wird. Der Versuch, aus den zugespitzten Geschlechterrollen komische Funken zu schlagen, reduziert sich aber auf die ironische Bebilderung der Lust am Testosteron, sodass der Zugriff aufs Thema etwas unterkomplex ausfällt.
Rochus Wolff | 06.06.2025

Akiko, der fliegende Affe

  • Deutschland 2024
  • R: Veit Helmer
Ein aufgeweckter kleiner Affe lebt mit seiner Familie in einem wenig attraktiven Zoo, den die Direktorin mit harter Hand leitet. Als er von Verwandten erfährt, die vor der Stadt in einem Wald leben sollen, wagt er mit einem Modellflugzeug die Flucht, verfolgt von der Zoodirektorin und der Polizei. Doch der Affe erhält auch Unterstützung von den anderen Tieren in der Stadt. Ein turbulenter Kinderfilm mit sprechenden Tieren und überzogen agierenden Menschen, dem anzurechnen ist, dass er sich in seinen schrägen Einfällen außerhalb der Komfortzone deutscher Durchschnittsproduktionen bewegt. Die Animation der Tiere fällt allerdings durchwachsen aus, während sich Spannung und anarchischer Esprit in Grenzen halten.
Rochus Wolff | 05.06.2025

Bambi - Eine Lebensgeschichte aus dem Wald

  • Frankreich 2024
  • R: Michel Fessler
Ein junges Rehkitz entdeckt nach seiner Geburt den Wald und dessen Geheimnisse. Es freundet sich mit einem Raben und anderen Tieren an. Doch als es im Herbst während einer Treibjagd von seiner Mutter getrennt wird, muss es fortan alleine klarkommen. Dabei kann es auf seine Freunde und seinen Vater, einen prächtigen Hirsch, zählen. Die nach dem gleichnamigen Roman von Felix Salten mit dokumentarischen Bildern verfilmte allegorische Geschichte übers Erwachsenwerden wird von einer menschlichen Erzählerin aus dem Off strukturiert. Das fällt mal trocken-beschreibend, mal bürokratisch-sachlich aus, erliegt streckenweise aber auch dem patriarchalen Pathos der Vorlage.
Rochus Wolff | 01.05.2025

Familie Faultier - Kochen auf der Überholspur

  • Australien 2024
  • R: Tania Vincent
Eine südamerikanische Faultierfamilie versucht nach einer Sturmflut in der Stadt ein Restaurant zu betreiben, doch das Geschäft beginnt erst zu florieren, als sich die Tochter von einer geschäftstüchtigen Gepardin beraten lässt. Allerdings setzt diese in ihren Fast-Food-Lokalen auch fragwürdige Mittel ein, die ungeahnte Nebenwirkungen hervorbringen. Der bunte Animationsfilm startet recht unbekümmert mit kurzweiligen Abenteuern, wandelt sich dann von einer Familienkomödie über ein Coming-of-Age-Drama und ein Heist-Movie zunehmend zum Zombie-Horrorfilm, in dem eine Fast-Food-Seuche um sich greift. Das sorgt für manchen Leerlauf, aber auch für einige charmante Momente.
Rochus Wolff | 27.02.2025

Extreme Körper

Die Darstellung von Körperlichkeit ist immer politisch. Erst recht in Jugendfilmen zum Thema Rechtsextremismus. Mal folgen die Bilder der Riefenstahl-Tradition und verzichten zugunsten klarer Zuordnungen auf Mehrdeutigkeiten, mal brechen sie Stereotype auf – auch wenn die Versuchung bestehen bleibt, schönen Körpern eine Bühne zu bereiten.


Rochus Wolff | 03.02.2025

Die Abenteuer von Kina & Yuk

  • Frankreich 2023
  • R: Guillaume Maidatchevsky
Zwei Polarfüchse, die miteinander Nachwuchs erwarten, werden durch den Klimawandel getrennt und müssen sich unabhängig voneinander den Gefahren des viel zu warmen Winters stellen. Der fast ausschließlich mit dokumentarischen Bildern montierte Kinderfilm will eine tierische Liebesgeschichte vor arktischer Kulisse erzählen, die zugleich von existentieller Bedrohung, Trennung und Happy End mit niedlichem Nachwuchs handelt. Dabei werden viele schwierige Fragen aufgeworfen, auf die der bildmächtige, aber ziemlich naive Film keine Antworten geben will.
Rochus Wolff | 16.01.2025

Bernard Bär - Mission Mars

  • China 2023
  • R: Chao Wang
Ein tollpatschiger Eisbär nimmt illegal an einer Mars-Mission teil, weil er gerne beim Geheimdienst arbeiten würde. Auf dem roten Planeten freundet er sich mit einem Androiden an, um ein gefährliches Monster zu fangen. Das aber entpuppt sich als Mitglied einer friedliebenden Population, die ihrerseits durch ein Komplott des Militärs beseitigt werden soll. Der Animationsfilm besticht durch Momente voller visuellem Überschwang und grandioser Schönheit, die narrativ aber komplett in der Luft hängen, weil sich die Geschichte zunehmend in simpler Action-Klopperei und militaristischem Blödsinn verliert.
Rochus Wolff | 02.01.2025

Die Heinzels 2 - Neue Mützen, Neue Mission

  • Deutschland 2024
  • R: Ute von Münchow-Pohl
In der Fortsetzung der animierten Geschichte um die fleißigen Kölner Helferlein entdeckt ein aufmüpfiges Heinzelmädchen bei seinen verbotenen Ausflügen eine unbekannte Heinzel-Sippe, die aus Wien ins Rheinland zurückgekehrt ist. Obwohl der Kontakt zu den digital ausgerüsteten und hedonistisch lebenden Fremden verboten ist, sucht es deren Nähe, was von großem Nutzen ist, als eine Polizistin und deren Katze Jagd auf die Heinzel machen. Der flott inszenierte Animationsfilm streift die politischen Themen nur am Rande, verfügt aber über einige witzige Ideen und schwingt sich zum Plädoyer für gegenseitige Hilfe auf.
Rochus Wolff | 24.12.2024

Weihnachten in der Schustergasse

  • Norwegen 2023
  • R: Mikal Hovland
Ein elternloses Mädchen landet an Weihnachten 1945 in einem verschneiten Dorf in Norwegen, wo es bei einem mürrischen Schuster unterkommt, der zu seiner eigenen Tochter schon lange keinen Kontakt mehr hat. Während der Bürgermeister darauf besteht, dass die Ausreißerin wieder ins Heim zurückmuss, verändert das Mädchen durch sein offenes Wesen und einfache Fragen den alten Mann und seine Umwelt. Der liebevoll gestaltete, auf viele Details bedachte Kinderfilm erzählt ruhig und unaufdringlich von einem Weihnachtsfest, an dem die Menschen wieder ein fürsorgliches Miteinander entdecken und alte Narben langsam heilen.
Rochus Wolff | 14.11.2024

Marianengraben

  • Luxemburg 2024
  • R: Eileen Byrne
Eine junge Frau und ein alter Mann, die beide in Trauer gefangen sind, fahren in einem alten Wohnmobil nach Italien. Sie will den Ort besuchen, an dem ihr jüngerer Bruder ertrunken ist, er die gestohlene Urne seiner Frau dorthin bringen, wo sie früher glücklich waren. Auf der Reise geraten die zwei zuerst sehr aneinander, bevor sie sich allmählich zu öffnen beginnen. Das Road Movie entfaltet sich zwischen einfühlsam-dramatischen und herzlich-komischen Momenten, wobei die widerstreitenden Gefühle der Figuren durch ein hervorragendes Darsteller-Duo vermittelt werden. Die Erkenntnisse zur Trauer und zum Tod als Teil des Lebens sind nicht gerade überraschend, aber mit viel Gefühl in den Film eingeschrieben.
Rochus Wolff | 07.11.2024

Niko - Reise zu den Polarlichtern

  • Finnland 2024
  • R: Kari Juusonen
Ein kleiner Rentier-Junge träumt davon, wie sein Vater den Schlitten des Weihnachtsmannes zu ziehen. Als eine Konkurrentin um den einen Nachrückplatz auftaucht, muss er sich einem Wettbewerb stellen. Doch dann verschwindet einen Tag vor Weihnachten der Schlitten mitsamt allen Geschenken. Auf der Suche nach den Dieben muss sich das Rentier seinen eigenen Zweifeln stellen und sich außerdem von seinem Vater emanzipieren. Der hübsch animierte Film wartet mit wilden Verfolgungsjagden, amüsanten Nebenfiguren und einer beschwingten Filmmusik auf. Allerdings fällt die Distanzierung von den patriarchalen Regeln und Uralt-Traditionen der Väter etwas zu zögerlich aus.
Rochus Wolff | 07.11.2024