Michael Ranze

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Ein Haus in Jerusalem (2022)

  • Palästinensergebiete 2022
  • R: Muayad Alayan

Ein britischer Jude zieht nach dem Unfalltod seiner Frau mit seiner heranwachsenden Tochter in eine Villa in Jerusalem, die er von seinem Vater geerbt hat. Besonders das Mädchen leidet noch sehr unter dem Tod seiner Mutter. Bis es den Geist eines palästinensischen Mädchens entdeckt und Freundschaft mit ihm schließt. Die imaginäre Freundin hilft sogar bei der Suche nach den ehemaligen Besitzern des Hauses. Ein sensibel inszeniertes Drama, das die Geistergeschichte nutzt, um über die Traumata des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erzählen. Auch wenn es an Spannung und Tempo fehlt, entfaltet sich die Geschichte ebenso sensibel wie aufschlussreich.

Im Schatten des Orangenbaums

  • Zypern 2025
  • R: Cherien Dabis

Sieben Jahrzehnte im Leben einer palästinensischen Familie: 1948 bombardieren paramilitärische Truppen Jaffa und vertreiben die Palästinenser aus ihren Wohnungen. Der Großvater wird verhaftet, seine Frau verlässt mit den Kindern Jaffa und geht ins Westjordanland. 30 Jahre später geht noch immer ein Riss durch die Familie: Der Vater versucht sich an die Verhältnisse anzupassen, während sich sein Sohn radikalisiert. Ein kraftvolles Familienepos, in der die bekannte palästinensische Perspektive auf die Entstehung des Nahost-Konflikts den Hintergrund für die Entwicklung der Figuren darstellt. Lebendig wirkt der Film vor allem durch klug gezeichnete, schillernde Figuren, die eigentlich nur ein normales Leben führen wollen.

Alpha (2025)

  • Frankreich 2025
  • R: Julia Ducournau

Ende der 1980er-Jahre lässt sich eine 13-jährige Schülerin auf einer Party tätowieren. Doch die Wunde will nicht verheilen. In der Schule verbreitet sich das Gerücht, dass sie sich mit einer hochansteckenden Krankheit infiziert habe. Nähe und Verbundenheit erlebt sie nur mit ihrem Onkel, einem abgemagerten, hochnervösen Junkie, der an einem Virus erkrankt ist, der Menschen versteinern lässt. Ein ebenso beeindruckendes wie bildmächtiges Drama um eine junge Frau, die allmählich erwachsen wird, sich urplötzlich aber in die Rolle der Außenseiterin gedrängt fühlt. Die Virus-Erkrankung lässt sich als Allegorie auf Aids lesen.

Teresa - Ein Leben zwischen Licht und Schatten

  • Nordmazedonien 2025
  • R: Teona Strugar Mitevska

Im August 1948 lebt Schwester Teresa als Nonne des katholischen Loreto-Ordens in Kalkutta. Sie hat an den Papst geschrieben, weil sie das Kloster verlassen und ihren eigenen Orden gründen will. Doch die Antwort lässt auf sich warten. In der Zwischenzeit will sie eine andere Schwester als ihre Nachfolgerin bestimmen. Doch die ist schwanger. Der auf Fakten basierende Film will eine wegweisende Woche im Leben der später als Mutter Teresa bekannten Ordensfrau erzählen und ihren Konflikt zwischen Pflicht und Wille, Glaube und Enttäuschung erläutern. Doch provozierende Anleihen beim Horrorfilm und irritierende Kontraste, besonders durch die Hardrock-Filmmusik, hintertreiben das Unterfangen.

Dead of Winter - Eisige Stille

  • USA 2025
  • R: Brian Kirk

Eine Fischerin fährt mit der Urne ihres verstorbenen Mannes durch die verschneite Wildnis im Norden von Minnesota, um die Asche an einem bestimmten Ort zu verstreuen. Als sie bei einem einsamen Haus nach dem Weg fragen will, wird sie unversehens Zeugin einer Entführung. Da sie inmitten dieser Einsamkeit keine fremde Hilfe erwarten kann, will sie das entführte Mädchen auf eigene Faust retten. Eine unausgeglichene Mischung aus Drama und Actionfilm, die an kruden Drehbucheinfällen, einem abstrusen Finale und überzogener Darstellung leidet. Einzig die Bilder einer einsamen, menschenfeindlichen Schneelandschaft vermögen in ihren Bann zu schlagen.

Lolita lesen in Teheran

  • Italien 2024
  • R: Eran Riklis

Im August 1979 kehrt eine iranische Literaturwissenschaftlerin voller Hoffnung in ihre Heimat zurück. Doch der Neuanfang am Lehrstuhl für Englische Literatur gestaltet sich schwierig. Romane unterliegen zunehmend der Zensur des Regimes, und außerdem verlieren Frauen ihre Rechte. Als sie sich weigert, ein Kopftuch zu tragen, muss sie die Universität verlassen. Fortan unterrichtet sie bei sich zu Hause. Das packende Drama basiert auf den autobiografischen Erinnerungen von Azar Nafisi und verhandelt die Bedeutung von Literatur in einer repressiven Gesellschaft. Gleichzeitig geht es um die Unterdrückung der Frau und um den Widerstand einer Professorin, die sich unbeirrt für die Freiheit des Denkens einsetzt.

Die Zeit festhalten - Kleber Mendonça Filho über „The Secret Agent“

Der brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho taucht in seinen Filmen tief in die Geschichte seines Landes ein und spürt dessen dunkle Punkte auf. Gleichzeitig sind seine Arbeiten reich an Verweisen auf Popkultur und die Kinogeschichte, voller farbenfroher Details. Sein jüngster Film „The Secret Agent“ (ab 6.11. im Kino) spannt ein Szenario über die Umtriebe in der Militärdiktatur der 1970er-Jahre auf. Ein Gespräch über die vielschichtige Rekonstruktion der Historie und die Freiheit, nicht alles perfekt zu organisieren.

Der Mann, der immer kleiner wurde - Die unglaubliche Geschichte des Mr. C

  • Belgien 2025
  • R: Jan Kounen

Ein französischer Familienvater wird nach einer seltsamen Begebenheit im Wasser unerklärlicherweise immer kleiner, bis er schließlich ins Puppenhaus seiner Tochter umzieht. Als es ihn in den Keller verschlägt, muss er gegen Spinnen und andere Gefahren ums nackte Überleben kämpfen. Packendes Drama als Remake des Science-Fiction-Klassikers von Jack Arnold aus dem Jahr 1957, das sich eng am Original orientiert und auch dessen Horrormotive und Spannungsmomente aufgreift. Im Kern aber erzählt der in der Hauptrolle eindrucksvoll gespielte Film die Geschichte eines Mannes, der sich immer minderwertiger fühlt und langsam seine Identität verliert.

All das Ungesagte zwischen uns - Regretting You

  • USA 2025
  • R: Josh Boone

Eine Ehefrau und Mutter muss sich mit ihrer 16-jährigen Tochter herumschlagen, die ihren eigenen Kopf hat. Als ihr Ehemann und ihre Schwester bei einem Autounfall sterben, droht die überwältigende Trauer beide Frauen aus der Bahn zu werfen, die Konflikte nehmen zu. Bis sich ein alter Freund der Familie als Hilfe anbietet. Oberflächliches, klischeehaftes Drama nach einer ebenso dürftigen Vorlage. In banalen, schlecht geschriebenen Dialogen handelt der Film Themen wie Trauer und Verrat, mangelnde Kommunikation und Generationenkonflikte ab, ohne Tiefgang oder Realismus zuzulassen.

Ballad of a Small Player

  • Deutschland 2025
  • R: Edward Berger

Ein britischer Hochstapler, der sich als Lord ausgibt, hat beim Baccara-Spiel in den Casinos von Macau ungemein viel Geld verloren, nicht einmal seine Hotelrechnung kann er bezahlen. Zu allem Überfluss ist ihm eine Privatdetektivin auf den Fersen. Doch er erhält Hilfe – ausgerechnet von einer Casino-Angestellten, die Spielern gelegentlich Kredite gewährt. Visuell und akustisch überwältigendes Spielerdrama, das Macau als schillernde und verheißungsvolle Metropole zeichnet und gleichzeitig als eigenen Charakter etabliert. Die Handlung bleibt hingegen blass, das Schicksal des Spielers erweckt trotz einer überragenden darstellerischen Leistung keine Empathie.

The Last Rodeo

  • USA 2025
  • R: Jon Avnet

Ein ehemaliger Rodeoreiter will trotz seines hohen Alters und der wesentlich jüngeren Konkurrenz noch einmal an einem hochdotierten Wettbewerb teilnehmen, um seinem Enkel eine lebensrettende, aber extrem teure Gehirnoperation zu ermöglichen. Das vorhersehbare, spannungsarme Drama reiht ein Klischee ans andere und weckt kein Interesse für seine vom Drehbuch nur grob umrissenen Figuren. Auch die Actionszenen enttäuschen, weil sie von hoch oben gefilmt sind und kein Gefühl für die Anstrengung und das Geschick vermitteln, sich wenigstens ein paar Sekunden auf dem Rücken der Bullen zu halten. Der Glaube an Gott dient hingegen als naiv vorgetragenes Allheilmittel für alle Schwierigkeiten im Leben.

Filmklassiker: „Electra Glide in Blue“

Mit seinem Motorrad-Cop-Film „Electra Glide in Blue“ inszenierte Musikproduzent James William Guercio 1973 seinen einzigen Spielfilm. Das als Antithese zum ikonischen Hippie-Film „Easy Rider“ konzipierte Werk stellt einen Polizisten ins Zentrum, der an gar nicht friedvolle Hippies gerät. Der Film lief im September beim Filmfest Oldenburg im Rahmen einer Hommage an James William Guercio und ist beim Label Camera Obscura in einer Mediabook-Edition verfügbar.

Die lachende Diva - Claudia Cardinale

Die Auszeichnung als „schönste Italienerin von Tunis“, mit der die 19-jährige Claudia Cardinale 1957 einen Schönheitswettbewerb gewann und als Prämie eine Reise zum Filmfestival in Venedig erhielt, besiegelt ihr Schicksal. Kurz nach ihrem 20. Geburtstag unterschrieb sie ihren ersten Filmvertrag und eroberte von da an die internationalen Leinwände. Insgesamt zählt ihre Filmografie über 150 Werke. Am 23. September ist die Ikone des europäischen Kinos im Alter von 87 Jahren gestorben.

Die Rosenschlacht

  • Großbritannien 2025
  • R: Jay Roach

Ein Architekt und eine Köchin heiraten Hals über Kopf, ziehen in die USA und bekommen zwei Kinder. Doch zehn Jahre später hat der Mann ein berufliches Desaster erlebt, während die Frau auf einer Erfolgswelle schwimmt. Die einstige Liebe schlägt mehr und mehr in Neid, Hass und Zerstörungswut um. Witzige und unterhaltsame Streit- und Scheidungskomödie, die sich vor allem auf das britische Temperament der Hauptfiguren und perfekt geschriebene Dialoge verlässt. Daneben findet der Film auch zahlreiche originelle Wege, die Konfrontation über soziale Medien auszufechten.

Große Erwartungen - Locarno-Retrospektive zum Britischen Nachkriegskino

Umfangreiche Film-Retrospektiven leistet sich kaum noch ein Festival, eine Ausnahme bildete jedoch einmal mehr das Locarno Film Festival. Die mustergültige Retro „Great Expectations“ widmete sich dem britischen Nachkriegskino und war mit 45 Filmen aus den Jahren von 1945 bis 1960 reich bestückt. Neben temporeichen Komödien und Melodramen erlaubte sie insbesondere die Begegnung mit stilsicheren britischen Varianten des Film-noir-Genres.

Willkommen um zu bleiben

  • Belgien 2024
  • R: Tallulah Hazekamp Schwab

Nach einem missglückten Auftritt will ein Zauberer in einem viktorianischen Hotel übernachten. Doch am nächsten Morgen findet er keinen Ausgang. Da ihm die seltsamen Bewohner auch nicht helfen können, sieht er sich gezwungen, verschiedene Jobs im Hotel anzunehmen, etwa als Aushilfe in der riesigen Küche. Bis ihm auffällt, dass das Haus allmählich immer kleiner wird. Eine bildmächtige Hommage an Franz Kafka voller überbordender Tableaus, absurder Einfälle und skurriler Typen. Die visuelle Detailversessenheit trägt zur Verrätselung eines Films bei, der sich klaren Deutungen entzieht.

Filmklassiker: „Nackte Gewalt“

In den 1950er-Jahren schrieb Regisseur Anthony Mann mit einer Reihe von Western Filmgeschichte, die nicht heroisierend um den „Frontier“-Mythos kreisen, sondern um einen Wilden Westen, der zur Bühne für komplexe psychologische Dramen und moralische Konflikte wird. Zu den besten von ihnen gehört „Nackte Gewalt“, in dem sich James Stewart als Kopfgeldjäger in schuldhaften Verstrickungen zu verlieren droht. Nun erscheint der Film bei Plaion neu auf Blu-ray.

70 ist auch nur eine Zahl

  • Finnland 2021
  • R: Johanna Vuoksenmaa

Eine fast 70-jährige finnische Pop-Diva verliebt sich in einen 25 Jahre jüngeren Gitarristen. Als der den Wunsch äußert, Vater werden zu wollen, bringt sie eine Freundin als Leihmutter ins Spiel. Doch die will sich nur unter speziellen Bedingungen darauf einlassen. Eine Komödie um eine Beziehung mit großem Altersunterschied, die den Konflikten des Stoffes ausweicht und nur oberflächlich die sozialen Aspekte aufgreift. Auch Dialoge und Situationskomik sind wenig treffsicher, sodass der Film am ehesten von der Ausstrahlung und Präsenz der Hauptdarstellerin lebt.

Zum Handeln gezwungen - 59. Filmfestival Karlovy Vary

Beim 59. Filmfestival in Karlovy Vary drehte sich viel um das konfliktbeladene Verhältnis der Geschlechter. Meist standen Frauen im Mittelpunkt der Filme, die sich gegen patriarchale Zumutungen zur Wehr setzen oder mit seelischen Wunden und Traumata ringen. Leid, Scham, Leistungsdruck und Versagensangst, aber auch das Spiel mit Identitäten oder die Lust am Verbotenen spielten in vielen Filme eine große Rolle.

Elio

  • USA 2025
  • R: Adrian Molina

Ein vom Weltraum besessener Junge träumt davon, von Aliens entführt zu werden. Freundliche Außerirdische beamen den kleinen Kerl mit dem blauen Augenpflaster tatsächlich ins Weltall, mitten in eine Konferenz des Kommuniversums, einer Art Vereinte Nationen mit intergalaktischen Ausmaßen. Durch ein Missverständnis wird der Knabe für den Anführer der Erde gehalten, der das Kommuniversum vor einem finsteren Bösewicht bewahren soll. Ein fantasievoller, höchst unterhaltsamer Animationsfilm, der Werte wie Freundschaft und Heranwachsen, Gemeinschaft und Zugehörigkeit, Verlust und Trauer verhandelt. Dabei überzeugen auch die Brillanz der Bilder und der Reichtum der Ideen, die vom 3D-Verfahren geschickt unterstützt werden.

Blindgänger (2024)

  • Deutschland 2024
  • R: Kerstin Polte

Im Hamburger Schanzenviertel wird bei Bauarbeiten eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Als die Umgegend evakuiert wird, kreuzen sich die Wege mehrerer Menschen. Im Mittelpunkt steht eine Bombenentschärferin, die ihren krebskranken Kollegen vertreten soll, obwohl sie selbst mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Ein geschickt entfaltetes Kaleidoskop menschlicher Schicksale, das um Flüchtlingskrise, Krankheit und berufliche Überforderung kreist und ein vielschichtiges Bild der Gesellschaft entwirft. Zugleich streift der Film auch das Thema des Bombenkriegs auf deutsche Städte.

Karate Kid: Legends

  • USA 2025
  • R: Jonathan Entwistle

Ein junger Karateschüler zieht mit seiner Mutter von Peking nach New York. Dort nimmt er an einem Karate-Wettbewerb teil, in dem er anfangs hoffnungslos unterlegen zu sein scheint. Nachhilfe erteilen ihm sein Kung-Fu-Lehrer, der extra aus Peking anreist, und ein älterer Bekannter, der sich ebenfalls gut in Karate auskennt. Die schlichte Geschichte widmet sich allerdings kaum noch den Lebensweisheiten traditioneller chinesischer Kampfkünste, sondern rückt brachiale Duelle an ihrer Stelle, deren realistisch inszenierte Brutalität verstört.

Saint-Exupéry - Die Geschichte vor dem kleinen Prinzen

  • Frankreich 2024
  • R: Pablo Agüero

Argentinien 1930. Antoine de Saint-Exupéry arbeitet zusammen mit seinem besten Freund für das französische Flugunternehmen Aéropostale. Als dieser auf der Suche nach einer Abkürzung über die hohen Berge der Anden fliegen will, stürzt er ab und bleibt verschollen. Seine Frau und Saint-Exupéry machen sich auf die Suche nach ihm. Ein dramatischer Abenteuerfilm, in dem es um Mut, Entdeckerfreude und Grenzüberschreitung geht, um Hoffnung und eine unzertrennliche Freundschaft. Neben den drei Hauptdarstellern überzeugen vor allem die Luft- und Naturaufnahmen, die mit ungewöhnlichen Farben und fantasiegetränkten Bildern in eine ganz eigene Welt entführen, und auf die spätere Karriere Saint-Exupérys als Schriftsteller vorausdeuten.

Lioness

  • Niederlande 2023
  • R: Raymond Grimbergen

Eine fußballbegeisterte 17-jährige Schülerin aus dem südamerikanischen Surinam zieht mit ihren Eltern widerwillig in die Niederlande. Sie schließt Freundschaft mit einer Mitschülerin und wird aufgrund ihres großen Talents in das Frauenfußball-Team ihrer Schule aufgenommen. Doch Rivalität und Missgunst gefährden den sportlichen Erfolg. Eine unterhaltsame und anrührende Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Sportfilm, die zwar den Konventionen der Genres folgt, mit den Motiven über Neuanfang in der Fremde, Freundschaft und Rivalität aber auch andere wichtige Themen streift. In der Hauptrolle sensibel und warmherzig verkörpert.

100 Jahre Columbia. Retro in Hamburg

2024 jährte sich zum 100. Mal die Gründung des Hollywood-Studios Columbia, das sich nach bescheidenen Anfängen an der Spitze des US-Filmgeschäfts etablierte. Columbia wurde unter Studiogründer Harry Cohn zur Vorreiterin bei Screwball-Comedys, Films noirs und der Förderung  junger Talente. Im Jubiläumsjahr lief beim Filmfestival Locarno die Retro „The Lady with the Torch“, ab Mai ist eine Auswahl von 20 Filmen daraus in Hamburg zu sehen. Anlass für eine Würdigung des Studios.

Balconettes

  • Frankreich 2024
  • R: Noémie Merlant

Drei befreundete Nachbarinnen aus Marseille nehmen an einem heißen Sommertag die Einladung eines gutaussehenden Mannes zu einem Nachttrunk in dessen Wohnung an. Der Gastgeber erweist sich jedoch als wüster Macho und ist plötzlich tot; so haben die drei Frauen alle Hände voll zu tun, die Leiche zu beseitigen. Eine schrille, laute Komödie, die dramaturgisch aber viel zu aufgedreht und holprig ist, um ihrem feministischen Anspruch gerecht zu werden. Die Verachtung für das männliche Geschlecht wirkt irritierend; der Krieg der Geschlechter wird lustvoll auf die Spitze getrieben, doch die Grenzüberschreitung bleibt blankes Kalkül.

Volveréis - Ein fast klassischer Liebesfilm

  • Frankreich 2024
  • R: Jonás Trueba

Eine spanische Filmemacherin und ihr Freund, ein Schauspieler, entscheiden sich nach 14 Jahren für eine Trennung. Anstatt Trübsal zu blasen, wollen sie das Ereignis gebührend feiern. Doch die eingeladenen Gäste glauben nicht so recht an den Grund für die Party, und so verbringt das Paar viel Zeit und Energie damit, sich zu rechtfertigen. Gespiegelt wird die Handlung durch einen Film-im-Film, bei dem sich Realität und Fiktion vermischen. Verweise auf die Filmgeschichte, insbesondere auf die Screwball-Komödie Hollywoods, sowie auf die Philosophie von Sören Kierkegaard lassen den Film mitunter sehr verkopft wirken. Ironischer Wortwitz, verhaltene Situationskomik und die Verrücktheit der Erzählprämisse machen dieses Manko aber wett.

Der Pinguin meines Lebens

  • Großbritannien 2024
  • R: Peter Cattaneo

1976 beginnt ein britischer Lehrer seine Arbeit an einem Jungeninternat in Buenos Aires, kurz vor dem Militärputsch. Bei einem Kurzurlaub in Uruguay rettet der mürrische Mann einem ölverschmierten Pinguin das Leben und wird ihn fortan nicht mehr los. Zurück in Buenos Aires, nutzt er das putzige Tier, um die Aufmerksamkeit seiner desinteressierten und aufmüpfigen Schüler zu erregen. Doch als die Schergen der Militärdiktatur in unmittelbarer Nähe aktiv werden, muss er endlich Stellung beziehen. Zu Beginn unterhaltsame und witzige Komödie über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die die Hauptfigur zu einem besseren Menschen macht. Darüber drängt die filmische Erzählung allerdings die Grausamkeit des Militärregimes zu sehr in den Hintergrund.

Über weiße Identität - Joshua Oppenheimer über „The End“

Nach einem ökologischen Kollaps hat sich eine reiche Familie in einen luxuriösen Bunker unter der Erde gerettet, wo sie in solider Langeweile ihr Dasein fristet. Das ist der Ausgangspunkt der kuriosen Endzeitparabel „The End“ (aktuell im Kino), die Joshua Oppenheimer als echtes Musical inszeniert hat. Im Interview verrät der US-Filmemacher, was ihn zu dieser ungewöhnlichen Inszenierung verführt hat.

Love Hurts - Liebe tut weh

  • Großbritannien 2025
  • R: Jonathan Eusebio

Ein freundlicher Immobilienmakler wird von seiner kriminellen Vergangenheit eingeholt, als seine ehemalige Geliebte ihren Anteil aus einem schon einige Jahre zurückliegenden Coup einfordert. Boss der Gangsterbande, die diesen Coup einst verübte, ist der Bruder des Maklers. Der scheinbar harmlose Immobilienmann muss sich nun mit Hilfe bislang verborgener Kung-Fu-Fähigkeiten an mehreren Fronten gleichzeitig wehren. Die realistisch inszenierten, selbstzweckhaften, oft drastischen Gewaltszenen hintertreiben den Versuch einer turbulenten Actionkomödie. Erzählerisch wird aus der Prämisse, dass sich ein durchschnittlicher Normalbürger als Kung-Fu-versierter Actionheld entpuppt, derweil nicht viel entwickelt.