Michael Ranze

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Sinn und Sinnlichkeit (2026)

  • USA 2026
  • R: Georgia Oakley
Zwei sehr unterschiedliche Schwestern müssen im ausgehenden 18. Jahrhundert nach dem Tod ihres adligen Vaters einen sozialen Abstieg hinnehmen und in ein bescheidenes Cottage ziehen. Auch in der Liebe gibt es herbe Enttäuschungen, ohne dass sie deshalb ihre Wünsche aufgeben. Die Neuverfilmung des gleichnamigen Romans von Jane Austen entführt mit liebevoller Ausstattung, detailfreudigen Kostümen und überzeugenden Darstellerinnen glaubwürdig in ein anderes Zeitalter, entdeckt in den Themen um Ehrlichkeit, Offenheit und unausgesprochene Gefühle aber auch die Modernität des Stoffes. Auffallend ist der Einbezug der Natur, in der sich die menschliche Gefühlswelt zu spiegeln scheint.
Michael Ranze | 22.09.2026

Adams Acht

  • Deutschland 2026
  • R: Hannu Salonen
In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Ratzeburg will der Lehrer Karl Adam Ende der 1950er-Jahre im örtlichen Ruderclub einen international konkurrenzfähigen Achter aufbauen. Mit seinen Physik-Kenntnissen arbeitet er an den Booten, um die Geschwindigkeit zu erhöhen, und führt seine Ruderer prompt zur deutschen Meisterschaft und zur EM in Polen. Doch das eigentliche Ziel sind die Olympischen Spiele von Rom 1960. Anspruchsvolle Filmbiografie des berühmten „Ruderprofessors“ (1912-1976), die nicht nur der Faszination des Ruderns nachspürt, sondern es auch als Sinnbild für die deutsche Gesellschaft begreift. Dabei stellt sich der in der Hauptrolle charismatisch gespielte Film auch der Vergangenheit Adams als Napola-Lehrer und thematisiert die bevorstehende Abschottung der DDR.
Michael Ranze | 25.08.2026

Frühstück bei Audrey

  • Frankreich 2025
  • R: Sophie Beaulieu
Ein schüchterner Vertreter für Kunstrasen tröstet sich nach der traumatischen Trennung von seiner großen Liebe mit einer lebensgroßen Frauen-Puppe, um weiteren Enttäuschungen vorzubeugen. Sein ruhiges Leben wird jedoch durch eine neue, lebensfreudige Kollegin aufgerührt, und plötzlich erwacht auch die steife Puppe zum Leben. Diese muss jedoch erst einmal lernen, wie man sich als Mensch benimmt. Eine oberflächliche, zu brav und versöhnlich geratene Komödie, die das Frauenbild mit der Puppe als pflegeleichter Partnerin kaum hinterfragt und auch über das Verhältnis der Geschlechter wenig zu sagen hat. Die Witze über Andersartigkeit und falsches Benehmen zünden kaum, weil sich der Film zu viele Schranken auferlegt.
Michael Ranze | 18.08.2026

Der Regenmeister

  • Schweden 2025
  • R: Hannes Holm
Während in Südschweden eine unerträgliche Hitzewelle herrscht und das Trinkwasser knapp wird, entdeckt ein griesgrämiger Witwer in seinem Garten einen geheimnisvollen Wasserhahn. Dreht er diesen auf, beginnt es unerklärlicherweise zu regnen. Da die Bürgermeisterin der nahen Stadt Kalmar die Wasserkrise schnellstens lösen will, ergreift sie die Chance, ein Geschäft mit dem grantigen alten Mann zu machen. Eine nur leidlich unterhaltsame Komödie, die ihre fantastische Prämisse nicht etwa als Warnung vor dem Klimawandel versteht, sondern als Katalysator für den Neustart eines alten, verbitterten Mannes nutzt. Der Witz kocht auf Sparflamme, dem Film fehlen satirische Schärfe und dramatische Höhepunkte.
Michael Ranze | 10.08.2026

Karlovy Vary 2026: Kampf um den Zusammenhalt

In diesem Sommer zelebrierte das Filmfestival in Karlovy Vary seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass herrschte in der tschechischen Stadt Feierlaune und die Kinos waren trotz der Weltmeisterschaft bestens besucht. Neben dem Auftritt charismatischer Schauspieler glänzte der Filmjahrgang auch mit einem anspruchsvollen Wettbewerb, in dem es vor allem um Familien und ihre Herausforderungen ging.

Michael Ranze | 14.07.2026

You, Me & Italy

  • USA 2026
  • R: Kat Coiro
Eine junge New Yorkerin, die ihren Traum von einer Karriere als Köchin aufgegeben hat, verliert ihren Job als Housesitterin und steht plötzlich ohne Mittel da. In einer Hotelbar lernt sie einen italienischen Immobilienmakler kennen, der ihr von seiner leeren Villa in der Toskana berichtet. Prompt fliegt sie am nächsten Tag nach Italien und wird von der Familie als Verlobte des Maklers herzlich empfangen. Eine fantastisch-unrealistische romantische Komödie, die mit zahlreichen Italien-Klischees, visuellen Schauwerten und dramatischen Zuspitzungen für sich einnehmen will. Durch eine Vorhersehbarkeit und Künstlichkeit gerät der auch formal plumpe Film jedoch zum Ärgernis.
Michael Ranze | 07.07.2026

Amore und Basta!

  • Italien 2026
  • R: Massimiliano Bruno
Eine selbstbewusste Literaturlehrerin lernt im Bus auf unsanfte Weise einen prinzipientreuen Chauvi kennen und geht mit ihm – trotz aller Unterschiede – ins Bett. Tags darauf entpuppt sich der One-Night-Stand als ihr neuer Chef – er ist Direktor des Gymnasiums, an dem sie arbeitet. Als die Lehrerin entdeckt, dass sie schwanger ist, versuchen die beiden gegensätzlichen Eltern, zu einer Einigung zu kommen. Eine romantische Komödie, die in launigen, manchmal zu didaktisch geratenen Diskussionen Unfruchtbarkeit und Ideologie, Genderfragen und Selbstbestimmung thematisiert. Dabei bleiben Sprachwitz und Leichtigkeit überschaubar, auch wenn die Hauptdarsteller sich redlich mühen.
Michael Ranze | 06.07.2026

Minions & Monster

  • USA 2026
  • R: Pierre Coffin
In ihrem dritten eigenständigen Kinoabenteuer landen die kleinen Minions auf der Suche nach einem Bösewicht im Hollywood der 1920er-Jahre, wo sie die Dreharbeiten zu einem Western stören und trotz des angerichteten Chaos zu Filmstars aufsteigen. Mit dem Aufkommen des Tonfilms scheint ihre Filmkarriere aber wieder vorbei zu sein. Doch dann kommen zwei Außenseiter unter den Minions auf die Idee, einen Monsterfilm zu drehen. Im ersten Drittel ist der Animationsfilm eine furiose, perfekt animierte Liebeserklärung an das Kino, die mit zahlreichen Anspielungen auf die Filmgeschichte aufwartet. Andere Handlungsstränge fallen hingegen schwächer aus. Mit dem Thema des Monsterfilms ändert sich zudem die Stimmung, die für jüngere Kinder zu furchteinflößend wird.
Michael Ranze | 24.06.2026

The Piano Tuner

  • Kanada 2026
  • R: Daniel Roher
Ein junger Klavierstimmer entdeckt, dass er wegen der Überempfindlichkeit seines Gehörs mit Leichtigkeit Safes öffnen kann. Das bringt ihn mit osteuropäischen Gangstern in Kontakt, denen er bei ihren Raubzügen hilft. Gleichzeitig lernt er eine brillante junge Pianistin kennen, die vom Hobby ihres Freundes nichts ahnt. Eine intelligent konstruierte, höchst unterhaltsame Mischung aus Drama, Liebesgeschichte und Krimi, die ihre Erzählstränge geschickt miteinander verknüpft. Die Ironie, die sich anfangs in kleinen Vignetten um Klavierbesitzer zeigt, bekommt mit Auftritt der Gangster eine düstere Note, ohne dass der hervorragend gespielte Film dadurch aus dem Tritt kommt.
Michael Ranze | 18.06.2026

Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit

  • USA 2026
  • R: Steven Spielberg
Ein IT-Sicherheitsexperte hat zahlreiche digitale Informationen gesammelt, die die Existenz von Außerirdischen auf der Erde beweisen. Zur selben Zeit entdeckt eine Wetteransagerin, dass sie plötzlich nicht nur mehrere Fremdsprachen sprechen kann, sondern auch alles über andere Menschen weiß. Gemeinsam wollen die beiden die Informationen über die Aliens veröffentlichen, doch ein Regierungsagent stellt sich ihnen in den Weg, weil er bei Bekanntwerden der Wahrheit chaotische Reaktionen befürchtet. Ein klug geschriebener und perfekt inszenierter Science-Fiction-Film, in dem Aliens als Wesen geschildert werden, die den Menschen nicht feindlich gegenüberstehen. Der Film besitzt aufregende Actionmomente, kreist aber vor allem um Sprache und Kommunikation als Mittel des Konfliktmanagements.
Michael Ranze | 09.06.2026

Finding Emily

  • Großbritannien 2026
  • R: Alicia MacDonald
Ein junger Musiker lernt auf einer Party in Manchester eine hübsche Studentin kennen, doch beim Abschied gibt sie ihm eine falsche Telefonnummer. Da er nicht weiß, ob dies Absicht oder ein Versehen war, schreibt er mit Hilfe einer befreundeten Universitätssekretärin alle Studentinnen mit dem Vornamen der Gesuchten an. Während der Datendiebstahl für Aufsehen sorgt, bietet eine Psychologiestudentin mit ganz eigener Agenda ihre Unterstützung an. Eine nur leidlich unterhaltsame romantische Komödie, die dem Film mit Themen um Datensicherheit und „MeToo“-Proteste viel von seiner beabsichtigten Leichtigkeit nimmt. Auch in der Erzählung von der Liebe als Voraussetzung von privatem Glück und Lebenssinn fehlt es an originellen Ideen.
Michael Ranze | 12.05.2026

LOL 2.0

  • Frankreich 2026
  • R: Lisa Azuelos
Eine Mittfünfzigerin leitet ein Architekturbüro, muss allerdings die Erfahrung machen, dass die Konkurrenz immer größer wird, zudem lässt sie sich von einer Zufallsbekanntschaft zur nächsten treiben. Zu allem Überfluss sorgen auch ihre Kinder für Aufregung: Die jüngste Tochter kehrt nach dem Scheitern eines Start-up-Unternehmens ins Elternhaus zurück, der Sohn macht sie zur Oma. Eine Fortsetzung der Mutter-Tochter-Komödie „LOL“ (2008) als banale und schematische Erzählung vom Älterwerden und beruflichen Scheitern, die mit ihren klischeehaften Konflikten und absurden Einfällen nicht zu unterhalten weiß. Der Zauber und die Leichtigkeit des ersten Teils wollen sich nicht noch einmal einstellen.
Michael Ranze | 12.05.2026

Eagles of the Republic

  • Dänemark 2025
  • R: Tarik Saleh
Der beliebteste Schauspieler Ägyptens fällt von einem Moment auf den anderen bei Studios und Behörden in Ungnade. Um seine Karriere zu retten, willigt er ein, den Staatspräsidenten in einem Propagandafilm zu verkörpern. Dabei muss er sich nicht nur der ideologischen Ausrichtung des Films unterwerfen; er gerät auch in eine politische Verschwörung zum Erhalt der Autokratie. Ein komplexer, gegen Ende hoch spannender Politthriller, in dem das Psychogramm eines unpolitischen Filmstars entworfen wird, der sich unverhofft in einem politischen Komplott wiederfindet und Stellung beziehen muss. Nebenbei huldigt der in der Hauptrolle bemerkenswert gespielte Film auch dem goldenen Zeitalter des ägyptischen Kinos.
Michael Ranze | 05.05.2026

Der Teufel trägt Prada 2

  • USA 2026
  • R: David Frankel
Eine Frau, die sich einst als Assistentin einer egomanen Modemagazin-Chefredakteurin demütigen ließ, kehrt zwanzig Jahre später zu der Zeitschrift zurück. Angesichts einer veränderten Medienlandschaft suchen beide Frauen als Konkurrentinnen wie auch zwangsweise als Gespann nach Möglichkeiten, die Zeitschrift vor dem Kollaps zu bewahren. Die späte Fortsetzung der Komödie „Der Teufel trägt Prada“ (2006) spricht viele ernste Probleme des aktuellen Journalismus an, fällt aber nicht mehr so witzig wie der erste Teil aus. Dennoch glänzt der Film als lakonisches Bild einer von Veränderungen betroffenen Branche und profitiert erneut von hervorragenden Darstellern.
Michael Ranze | 30.04.2026

Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes

  • Polen 2025
  • R: Jan Komasa
Ein Ehepaar entführt einen 19-jährigen Kriminellen und hält ihn im Keller seines einsam gelegenen Herrenhauses gefangen. Mit Schlägen, dem erzwungenen Anschauen von Fernsehsendungen über Gewalt und Kriminalität und dem Lesen guter Bücher wollen sie ihn zu einem besseren Menschen erziehen und in ihre Familie aufnehmen. Doch der Gedanke an Flucht lässt den jungen Mann nicht los. Eine Mischung aus Drama und Thriller, die eine irritierend beklemmende Atmosphäre kreiert, ohne die Beweggründe der Figuren ausreichend aufzuklären. Das dämpft auch die Effektivität der filmischen Konstellation, die gleichwohl mit vielschichtig interpretierten Hauptfiguren besticht.
Michael Ranze | 27.04.2026

Der Wunderweltenbaum

  • Großbritannien 2026
  • R: Ben Gregor
Drei Geschwister ziehen mit ihren Eltern widerwillig von London aufs Land, wo der Vater passierte Tomaten herstellen und verkaufen will. Im nahen Wald entdecken die Kinder einen Baum, in dem skurrile Wesen wohnen und sich aufregende, aber auch düstere Welten eröffnen. Zuhause droht das Projekt des Vaters hingegen auf unerklärliche Weise zu scheitern. Ein fantasievoller Familienfilm nach der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Enid Blyton, der durch eine atemberaubende Bilderwelt voller kräftiger Farben, skurrile Figuren und eine liebevoll-detailreiche Ausstattung besticht. Gleichzeitig weckt der Film Sympathie für das einfache Leben auf dem Land, in dem die Dauerpräsenz moderner Kommunikationsmittel durch Nähe und Zusammenhalt der Familie verdrängt wird.
Michael Ranze | 27.04.2026

Das Drama - Noch einmal auf Anfang

  • USA 2026
  • R: Kristoffer Borgli
Ein junger Mann und eine junge Frau lernen sich in einem Coffee-Shop kennen, verlieben sich ineinander und planen bald ihre Hochzeit. Doch kurz vor dem freudigen Ereignis offenbart die Braut dem Bräutigam ein schreckliches Geheimnis, das den jungen Mann aufs Tiefste schockiert. Der Versuch einer pechschwarzen Komödie zeichnet die Frau fortan als Bedrohung und Gefahr, ohne ihr Verhalten auch nur annähernd glaubhaft zu erklären. Indem die Dialoge die wahren Gefühle der Protagonisten verschweigen, offenbart sich die Unausgegorenheit des Films, dem selbst die vermeintlichen komischen Höhepunkte misslingen.
Michael Ranze | 01.04.2026

Hear Me: Our Summer

  • Südkorea 2024
  • R: Cho Sun-ho
Ein koreanischer College-Absolvent, der übergangsweise als Lieferant im Imbiss seiner Eltern arbeitet, lernt bei einer seiner Touren eine gehörlose Schwimmtrainerin kennen. Schüchtern und beharrlich macht er ihr den Hof. Doch urplötzlich zieht sich die junge Frau von ihrem Verehrer zurück. Eine schlichte und warmherzige Liebesgeschichte, die die langsame Annäherung zwischen dem Mann und der Frau nutzt, um die Lebenswelt von Gehörlosen zu zeigen, Diskriminierung zu benennen und die Besonderheit ihrer Kommunikation filmisch anschaulich zu erklären. Umso mehr irritiert eine Wendung, die das zuvor Gezeigte scheinbar in Frage stellt.
Michael Ranze | 26.03.2026

Operation: Kabul

  • Frankreich 2025
  • R: Martin Bourboulon
Im August 2021 rücken die Taliban unaufhaltsam auf Kabul vor, die Amerikaner, aber auch Deutsche und Franzosen haben das Land bereits verlassen. Vor diesem Hintergrund wird die wahre Geschichte des Sicherheits-Kommandanten der französischen Botschaft in Kabul erzählt. Mehrere hundert Menschen müssen evakuiert und zum Flughafen gebracht werden, doch der Weg zum Flughafen ist weit und die Taliban sind eine stete Bedrohung. Spannende Mischung aus Politthriller, Actionfilm und Charakterdrama, das die Hintergründe des Machtwechsels nur kurz anreißt, um dann den Kommandanten bei seinen Organisations- und Vermittlungsbemühen zu beobachten und sich auf die Spannungssequenz des gefährlichen Transports zu konzentrieren.
Michael Ranze | 12.03.2026

The Chronology of Water

  • Frankreich 2025
  • R: Kristen Stewart
Verfilmung der gleichnamigen Memoiren der Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, die als Jugendliche eine erfolgreiche Leistungsschwimmerin war, aber ebenso wie ihre Schwester von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde. Mit einem Schwimmstipendium gelingt ihr die Flucht an eine Universität in Texas, doch mit einer Alkoholsucht und selbstzerstörerischem Verhalten verbaut sie sich ihre sportliche Zukunft. Erst als sie zum Schreiben findet, kann sie sich von ihrer Vergangenheit lösen. Ein komplexer, kraftvoller und mutiger Film, der als Collage aus Bildern, Geräuschen, Erinnerungsfetzen, Einsprengseln und Fragmenten angelegt ist und die Linearität der Erzählung immer wieder aufbricht. Die rohe Inszenierung wird vor allem in der Hauptrolle herausragend umgesetzt.
Michael Ranze | 26.02.2026

Die Ältern

  • Deutschland 2025
  • R: Sönke Wortmann
Ein Bestsellerautor gerät mit Mitte 50 in eine Krise, als seine 18-jährige Tochter unverhofft auszieht und seine Ehefrau gleich mitnimmt. Zu allem Überfluss eröffnet ihm sein Lektor, dass seine kommerziell einträgliche Buchreihe eingestellt wird. Just da lernt er eine schöne, schlagfertige Frau kennen, die seinem Leben vielleicht eine neue Richtung geben könnte. Eine unausgeglichene Komödie, die zunächst plakativ die künstlich aufgerissene Kluft zwischen den Geschlechtern verhandelt, um sich dann auf die berufliche und private Neuorientierung und Läuterung eines einstmals erfolgreichen Mannes zu konzentrieren, wobei vieles Behauptung des Drehbuchs bleibt.
Michael Ranze | 03.02.2026

Jeunes Mères - Junge Mütter

  • Belgien 2024
  • R: Jean-Pierre Dardenne
Fünf minderjährige Belgierinnen, die bereits Kinder geboren haben, leben in einem Heim für alleinerziehende Mütter. Trotz familiärer Konflikte und gesellschaftlicher Hürden wollen sie ihrem Nachwuchs ein besseres Leben ermöglichen. Sie helfen und unterstützen sich gegenseitig, während die Betreuerinnen ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das episodenhaft konzipierte, klare und einfach gehaltene Drama begleitet die Protagonistinnen fast dokumentarisch durch den Alltag und stellt eine große Nähe zu ihnen her. Die klug verknüpften Handlungsbögen vermitteln zwar auch Sozialkritik, vor allem aber Zärtlichkeit, Mitgefühl und Menschlichkeit.
Michael Ranze | 13.01.2026

Song Sung Blue

  • USA 2025
  • R: Craig Brewer
In den 1980er-Jahren begegnen sich bei einer Musikveranstaltung in Wisconsin, auf der Amateure musikalische Legenden imitieren, ein Automechaniker, der für den Musiker Neil Diamond schwärmt, und eine lebensfrohe Sängerin. Die beiden werden ein Paar und gehen als Diamond-Tribute-Band „Lightning and Thunder“ auf Tournee. Doch dann ereilen sie unerwartete Schicksalsschläge. Eine auf wahren Begebenheiten beruhende unterhaltsame Mischung aus Biopic und Musikfilm, die in der ersten Hälfte durch perfekt nachempfundene Auftritte des Duos überzeugt, um dann ins Fahrwasser eines Melodrams zu münden. Dieses ist hochemotional und kann der dank der leidenschaftlichen Hauptdarsteller gleichfalls überzeugen.
Michael Ranze | 06.01.2026

Lust an der Provokation - Brigitte Bardot

In den 1950er- und 1960er-Jahren war Brigitte Bardot die meistfotografierte Frau der Welt. Ihr Ehemann Roger Vadim inszenierte sie in „…und immer lockt das Weib“ als internationales Sexsymbol. Doch mit dem Image der flatterhaften Blondine war es 1973 endgültig vorbei, als sich Bardot vom Kino zurückzog und fortan als kämpferische Türschützerin und mit rechtspopulistischen Parolen für Aufsehen sorgte. Im Alter von 91 Jahren ist sie am 28. Dezember 2025 gestorben.

Michael Ranze | 30.12.2025

Ein Haus in Jerusalem (2022)

  • Palästinensergebiete 2022
  • R: Muayad Alayan
Ein britischer Jude zieht nach dem Unfalltod seiner Frau mit seiner heranwachsenden Tochter in eine Villa in Jerusalem, die er von seinem Vater geerbt hat. Besonders das Mädchen leidet noch sehr unter dem Tod seiner Mutter. Bis es den Geist eines palästinensischen Mädchens entdeckt und Freundschaft mit ihm schließt. Die imaginäre Freundin hilft sogar bei der Suche nach den ehemaligen Besitzern des Hauses. Ein sensibel inszeniertes Drama, das die Geistergeschichte nutzt, um über die Traumata des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erzählen. Auch wenn es an Spannung und Tempo fehlt, entfaltet sich die Geschichte ebenso sensibel wie aufschlussreich.
Michael Ranze | 03.12.2025

Im Schatten des Orangenbaums

  • Zypern 2025
  • R: Cherien Dabis
Sieben Jahrzehnte im Leben einer palästinensischen Familie: 1948 bombardieren paramilitärische Truppen Jaffa und vertreiben die Palästinenser aus ihren Wohnungen. Der Großvater wird verhaftet, seine Frau verlässt mit den Kindern Jaffa und geht ins Westjordanland. 30 Jahre später geht noch immer ein Riss durch die Familie: Der Vater versucht sich an die Verhältnisse anzupassen, während sich sein Sohn radikalisiert. Ein kraftvolles Familienepos, in der die bekannte palästinensische Perspektive auf die Entstehung des Nahost-Konflikts den Hintergrund für die Entwicklung der Figuren darstellt. Lebendig wirkt der Film vor allem durch klug gezeichnete, schillernde Figuren, die eigentlich nur ein normales Leben führen wollen.
Michael Ranze | 20.11.2025

Alpha (2025)

  • Frankreich 2025
  • R: Julia Ducournau
Ende der 1980er-Jahre lässt sich eine 13-jährige Schülerin auf einer Party tätowieren. Doch die Wunde will nicht verheilen. In der Schule verbreitet sich das Gerücht, dass sie sich mit einer hochansteckenden Krankheit infiziert habe. Nähe und Verbundenheit erlebt sie nur mit ihrem Onkel, einem abgemagerten, hochnervösen Junkie, der an einem Virus erkrankt ist, der Menschen versteinern lässt. Ein formal beeindruckendes, bildmächtiges Drama um eine junge Frau, die allmählich erwachsen wird, sich urplötzlich aber in die Rolle der Außenseiterin gedrängt fühlt. Die Virus-Erkrankung lässt sich dabei auch als Allegorie auf Aids lesen.
Michael Ranze | 17.11.2025

Teresa - Ein Leben zwischen Licht und Schatten

  • Nordmazedonien 2025
  • R: Teona Strugar Mitevska
Im August 1948 lebt Schwester Teresa als Nonne des katholischen Loreto-Ordens in Kalkutta. Sie hat an den Papst geschrieben, weil sie das Kloster verlassen und ihren eigenen Orden gründen will. Doch die Antwort lässt auf sich warten. In der Zwischenzeit will sie eine andere Schwester als ihre Nachfolgerin bestimmen. Doch die ist schwanger. Der auf Fakten basierende Film will eine wegweisende Woche im Leben der später als Mutter Teresa bekannten Ordensfrau erzählen und ihren Konflikt zwischen Pflicht und Wille, Glaube und Enttäuschung erläutern. Doch provozierende Anleihen beim Horrorfilm und irritierende Kontraste, besonders durch die Hardrock-Filmmusik, hintertreiben das Unterfangen.
Michael Ranze | 17.11.2025

Dead of Winter - Eisige Stille

  • USA 2025
  • R: Brian Kirk
Eine Fischerin fährt mit der Urne ihres verstorbenen Mannes durch die verschneite Wildnis im Norden von Minnesota, um die Asche an einem bestimmten Ort zu verstreuen. Als sie bei einem einsamen Haus nach dem Weg fragen will, wird sie unversehens Zeugin einer Entführung. Da sie inmitten dieser Einsamkeit keine fremde Hilfe erwarten kann, will sie das entführte Mädchen auf eigene Faust retten. Eine unausgeglichene Mischung aus Drama und Actionfilm, die an kruden Drehbucheinfällen, einem abstrusen Finale und überzogener Darstellung leidet. Einzig die Bilder einer einsamen, menschenfeindlichen Schneelandschaft vermögen in ihren Bann zu schlagen.
Michael Ranze | 13.11.2025

Lolita lesen in Teheran

  • Italien 2024
  • R: Eran Riklis
Im August 1979 kehrt eine iranische Literaturwissenschaftlerin voller Hoffnung in ihre Heimat zurück. Doch der Neuanfang am Lehrstuhl für Englische Literatur gestaltet sich schwierig. Romane unterliegen zunehmend der Zensur des Regimes, und außerdem verlieren Frauen ihre Rechte. Als sie sich weigert, ein Kopftuch zu tragen, muss sie die Universität verlassen. Fortan unterrichtet sie bei sich zu Hause. Das packende Drama basiert auf den autobiografischen Erinnerungen von Azar Nafisi und verhandelt die Bedeutung von Literatur in einer repressiven Gesellschaft. Gleichzeitig geht es um die Unterdrückung der Frau und um den Widerstand einer Professorin, die sich unbeirrt für die Freiheit des Denkens einsetzt.
Michael Ranze | 12.11.2025