Kathrin Häger

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Little Disasters

  • Großbritannien 2025
  • R: Eva Sigurdardottir

Die Krankenhauseinweisung eines zehn Monate alten Säuglings mit Schädelfraktur zwingt die behandelnde Ärztin, ihre ehemals beste Freundin behördlich zu melden. Dass es sich bei der in Verdacht geratenen Frau ausgerechnet um die Inkarnation einer „perfekten Mutter“ handelt, wirft in der sechsteiligen Serie spannende Fragen über hoch angelegte Messlatten von Mutterschaft und die Solidarität in Freundeskreisen auf. Im Bemühen, auch noch einen spannungsgeladenen Plot zu entwickeln, der am Ende eine überhastete Auflösung erfährt, kommt der Anspruch, von tiefgreifenden Belastungsstörungen zu erzählen, allerdings ins Straucheln. Dennoch kann die Serie emotional dank der weiblichen Hauptfiguren punkten.

Die My Love

  • USA 2025
  • R: Lynne Ramsay

Eine junge Schriftstellerin zieht mit ihrem Freund von New York aus in den Mittleren Westen aufs Land, wo sie im Haus eines verstorbenen Onkels eine Familie gründen. Doch nach der Geburt eines Kindes ist die Anfangseuphorie bald verflogen, als sich die Frau in die Rolle der Mutter gedrängt fühlt, während sich ihr Freund einen Hund anschafft. Die exzessive Erkundung einer postnatalen Depression mit wüsten Gewalt-, Angst- und Sexfantasien mündet in verstörende Handlungen, deren seelische Grundierung trotz einer großartigen Hauptdarstellerin oft plakativ und unglaubwürdig wirkt. Ein visuell eindringlicher, inhaltlich aber eher zwiespältiger Film.

Pavements

  • USA 2024
  • R: Alex Ross Perry

Geschickt verschachtelter Dokumentarfilm über die US-amerikanische Underground-Rockband Pavement, der neben dem Porträt einer zweiten Reunion-Tour im Jahr 2022 ein Triptychon der Imitation aufspannt: Neben Archivaufnahmen vergangener und aktueller Interviews, TV-Auftritten und Konzerten folgt der Film der Entstehung einer musealen Devotionalien-Ausstellung, einem in New York aufgeführten Musical mit den größten Hits der Gruppe und einem Biopic, das die Bandgeschichte zu verfilmen vorgibt. Da diese eingeschobenen Spielfilm-Szenen selbst in ihrer Authentizität brüchig werden, nimmt die Doku selbst Mockumentary-Züge an. Von den Bandmitgliedern selbst eingeordnet und rezensiert, werden die von viel Fan-Liebe betriebenen Projekte zum Teil der künstlerischen Selbstbespiegelung und des fortgesetzten Kreativprozesses der Band.

Alice & Jack

  • Großbritannien 2023
  • R: Juho Kuosmanen

Nach einem ersten Date landen ein Biochemiker und eine Investment-Beraterin aus London miteinander im Bett, was der Beginn einer sich über 15 Jahre hinziehenden On-Off-Beziehung ist, die an den Bindungsängsten der Frau stets aufs Neue scheitert. Wiederholte Berührungspunkte lassen die beiden dennoch nicht voneinander loskommen, was andere Partner verprellt und alternative Lebenskonzepte zerstört. Obwohl die unterkühlte Romanze nuanciert gespielt wird, geht es in der sechsteiligen Serie mehr um die Geschichte des Mannes und seiner sich nicht erfüllenden Liebe. Das sich wiederholende Spiel aus Anziehung, Abstoßung und Auseinanderdriften enthält dabei annähernd gleich viel Tragik wie Romantik.

Drachenzähmen leicht gemacht (2025)

  • USA 2025
  • R: Dean Deblois

Realfilm-Adaption des gleichnamigen Trickfilms über einen schmächtigen Wikingerjungen, der sich mit einem pechschwarzen Drachen anfreundet und damit die uralte Feindschaft zwischen Menschen und den Urtieren überwindet. Die Neuverfilmung hält sich bis in inszenatorische Details an die Originalversion aus dem Jahr 2010 und glänzt mit fulminanten Flugsequenzen, einer atemberaubenden Tricktechnik und emotional tief bewegenden Szenen, wenn es um die Überwindung tiefsitzender Einstellungen und Vorurteile geht. Thematisch steht die jugendliche Suche nach dem eigenen Platz in Abgrenzung zur Welt der Eltern im Zentrum.

The Handmaid's Tale - Staffel 6

  • USA 2025
  • R: Elisabeth Moss

In der finalen Staffel der dystopischen Serienverfilmung frei nach Margaret Atwoods gleichnamigem Roman müssen US-Amerikaner, die vor dem Gilead-Regime nach Kanada geflohen sind, darunter auch die Hauptfigur June Osborne, entscheiden, wie sie sich angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen verhalten wollen. Während mit „New Bethlehem“ eine angeblich gemäßigte Dependance des Terrorregimes Gilead entstanden ist und um die Rückkehr der Exilanten wirbt, die Frau von Junes ehemaligem Kommandanten Gilead reformieren will und in Kanada ein immer feindlicheres Klima gegen die US-Flüchtlinge herrscht, bleibt die Wahl zwischen einem Exil in Alaska, der Rückkehr nach Gilead oder dem Kampf im Widerstand. Dabei ist die Serie auch in ihrem Finale vielschichtig, hellsichtig und nah am Puls der US-Gegenwart.

Beating Hearts

  • Frankreich 2024
  • R: Gilles Lellouche

Ein 17-Jähriger und ein zwei Jahre jüngeres Mädchen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen erleben in einem nordfranzösischen Hafenstädtchen ihre erste große Liebe. Die kleinkriminelle Karriere des ungestümen Jugendlichen belastet die Beziehung, und ein Überfall befördert ihn überdies für zwölf Jahre ins Gefängnis. Doch ihrer Liebe tut das keinen Abbruch, auch wenn das Mädchen in der Zwischenzeit Trost und Frieden in einer anderen Beziehung sucht. Ein wildes, energiegeladenes Gangster-Liebes-Drama, das ständig in Bewegung ist und mit pointierter Musik und einer exzellenten Besetzung glänzt. Obwohl der Film immer wieder in Pathos und Brutalität abzurutschen droht, nimmt das überladene Liebesmärchen durch seine raue Unbedingtheit für sich ein.

The Fire Inside

  • USA 2024
  • R: Rachel Morrison

Biopic über die Karriere-Anfangsjahre der US-Profiboxerin Claressa „T-Rex“ Shields aus der im Niedergang begriffenen Industriestadt Flint, Michigan. Die Olympiasiegerin und Weltmeisterin schrieb Boxgeschichte, hatte aber als Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen zu kämpfen – und selbst mit Goldmedaille beim Sponsoring das Nachsehen. Mitreißend und mitfühlend zugleich erzählt das sozialkritisch eingestellte Biopic von einer unvergleichlichen Karriere entgegen allen gesellschaftlichen Vorurteilen. Ohne Schwarz-Weiß-Malerei folgt der Film dabei nicht der üblichen Sportfilm-Dramaturgie, sondern findet nach der ersten Goldmedaille zum wirklichen Kampf in einer Welt, in der Gerechtigkeit hart erkämpft werden muss.

Schneewittchen (2025)

  • USA 2025
  • R: Marc Webb

Realfilm-Adaption des berühmten Grimm’schen Märchens von der Königstochter, die nach dem Verlust von Mutter und Vater ihre bösartige Stiefmutter in Sachen Schönheit aussticht. Während ein magischer Spiegel den mörderischen Neid der Königin anstachelt, findet das Mädchen Unterschlupf bei den sieben Zwergen und die Unterstützung einer Diebesbande, um das unterjochte Königreich zurückzugewinnen. Im Vergleich zum Disney-Zeichentrickklassiker von 1937 sticht vor allem die Emanzipation der Titelfigur und die Umkodierung der Prinzenfigur heraus, während die gelungenen Musikeinlagen dank der trefflichen Besetzung einen märchenhaften Charme entfalten. Empathie, Mitmenschlichkeit und die Erinnerung an bessere Zeiten werden zur treibenden Kraft des Aufstands gegen das auf Reichtum und Selbstbespiegelung fixierte Böse.

Ein Mädchen namens Willow

  • Deutschland 2025
  • R: Mike Marzuk

Eine Halbwaise zieht mit ihrem chaotischen Vater ins Haus ihrer kürzlich verstorbenen Tante. Der magisch anmutende Wald, den die Elfjährige geerbt hat, wird durch die Pläne eines Immobilienmakler-Paares bedroht. Glücklicherweise erfährt das Mädchen, dass es magische Feuer-Kräfte hat und zur vollen Entfaltung ihrer Macht drei gleichaltrige Junghexen der Elemente Wasser, Luft und Erde finden muss. Inhaltlich vorhersehbar und etwas generisch mutet die Geschichte des Kinderfilms an, in der auch die Figurenzeichnung wenig reflektiert ist. Farbprächtigkeit, Gute-Laune-Songs und das Hochhalten von Freundschaft und Natur sorgen dennoch für zielgruppengerechte Unterhaltung.

Babygirl

  • USA 2024
  • R: Halina Reijn

Eine Frau scheint als Geschäftsführerin einer Firma, als Ehefrau eines attraktiven Mannes und als Mutter zweier Töchter ein erfülltes Leben zu führen. Doch dann weckt ein neuer Praktikant ein verdrängtes Begehren und fördert mit seinem dominanten Verhalten heimliche Unterwerfungsbedürfnisse zutage. Sie lässt sich auf eine Sexaffäre mit ihm ein, die ihr nicht nur privat, sondern auch beruflich schaden könnte. Das Erotikdrama kreist um eine ältere Frau, die sich von gesellschaftlichen Normierungen lösen will, dabei aber zum Opfer ihrer eigenen Obsessionen zu werden droht. Die Brisanz einer Affäre am Arbeitsplatz, die mit einem deutlichen Machtgefälle einhergeht, wird zudem zugunsten eines versöhnlichen Endes unter den Tisch gekehrt.

Better Man - Die Robbie Williams Story

  • USA 2023
  • R: Michael Gracey

Fulminantes Biopic-Musical über die Karriere des englischen Popsängers Robbie Williams, das sich ganz auf die Geschichte eines früh von seinem Vater verlassenen, aber weiter an dessen Erwartungen abarbeitenden Sohnes fokussiert. In phänomenalen Plansequenzen und Montagen wird Williams’ Weg von den Anfängen mit „Take That“ bis zur Solokarriere inklusive einer selbstzerstörerischen Drogen- und Alkoholsucht nachgezeichnet. Als clevere Idee entpuppt sich die Verkörperung von Robbie Williams durch einen verblüffend lebensechten CGI-Affen, der dem Protagonisten in Mimik und Gestik exakt nachempfunden wurde. Humorvoll gehaltene Reflexionen verleihen der Coming-of-Age-Geschichte Tiefe, aber auch ein großes Maß an Emotion.

Ronja Räubertochter

  • Schweden 2024
  • R: Lisa James Larsson

Ronja, die Tochter eines mächtigen Räuberhäuptlings, lernt im mittelalterlichen Schweden den Sohn eines verfeindeten Räuberhauptmanns kennen, als dessen Vater mit seiner Sippe in einen abgespaltenen Teil ihrer Burg zieht. Gemeinsam stromern die beiden Kinder durch den Wald und müssen allerlei Abenteuer und Gefahren bestehen. Zudem nimmt auch der Druck durch ein benachbartes Dorf zu, das zu seiner Unterstützung Söldnerinnen engagiert. Die Serie nach dem Jugendroman von Astrid Lindgren fokussiert weniger auf die märchenhaften als vielmehr auf die grimmigeren Aspekte des Stoffs. Die Modernisierung der Vorlage und neue Nebenstränge sorgen für Schauwerte und eine temporeichere Inszenierung, richten sich aber eher an ältere Kinder und Erwachsene. Durch das Serienformat kann dabei mehr ins Detail gegangen werden. Die Motive von Freundschaft und wie man Feindschaft überwindet, werden überzeugend herausarbeitet.

Toni und Helene

  • Deutschland 2023
  • R: Sabine Hiebler

Um in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können, schließt sich eine einst gefeierte, schwer an Krebs erkrankte Schauspielerin in einer österreichischen Seniorenresidenz mit ihrer tatkräftigen Zimmernachbarin zusammen. Diese willigt ein, sie ins Nachbarland zu fahren, was angesichts ihrer eigenwilligen Auslegung von Verkehrsregeln zu einem Road-Trip der speziellen Art ausartet. Die komödiantische Abfolge von Ereignissen entfaltet in dem Seniorinnen-Buddy-Movie durch fehlenden inszenatorischen Schliff nur bedingt Wirkung und lässt Tempo und Variation vermissen. Herz und Würde steuern immerhin die Hauptdarstellerinnen bei, die als Frauengespann überzeugen, das sich gegen Altersdiskriminierung stemmt.

Die feige Schönheit

  • Deutschland 2024
  • R: Moritz Krämer

Ein nonbinärer junger Mann aus Amsterdam kommt in Berlin bei seinem Bruder unter und verbringt die Tage mit Stunts und Kiffen mit seinen Skater-Freunden. Als es unter Drogeneinfluss zu einem tödlichen Stoß gegen den kleinen Bruder seiner Freundin kommt, werden die pragmatischen Wiederannäherungsversuche des jungen Manns zunächst von Mutter und Clique abgeblockt, bis die Schwester des Toten an ihre vormalige Liebe neu anknüpft. Eine stimmungsvoll-tragische Skizze über jugendliche Resilienz, die mit einer eindrucksvollen Kameraarbeit zu fesseln weiß. Schwächen zeigt das Drehbuch in der unglaubwürdig schnellen Wiederannäherung, während der Bewältigung von Trauer und Schuldgefühlen nicht ausreichend Raum eingeräumt wird.

Achtsam Morden

  • Deutschland 2024
  • R: Boris Kunz

Serien-Adaption einer Krimi-Romanreihe, in der sich ein frisch in der Achtsamkeits-Meditation geschulter Anwalt seines kriminellen Hauptklienten entledigt und damit eine Kaskade neuer Probleme lostritt. So muss er das Weiterleben des Mafia-Oberhaupts vortäuschen, um nicht selbst über die Klinge zu springen. Aber auch dabei hilft ihm das Prinzip der Achtsamkeit weiter. Schwarzhumorig und unterhaltsam werden gesellschaftliche Phänomene wie Hipster-Kindergärten und Esoterik-Trips auf die Schippe genommen, während die trefflich besetzte Hauptfigur in der Krimi-Schiene spannend den Simulationsmodus hochschaltet. Aufwändig inszeniert, irritiert die Serie mit schwachen Frauencharakteren und Scherzen auf Kosten von Randgruppen.

Where's Wanda?

  • Deutschland 2024
  • R: Christian Ditter

Als ein 17-jähriges Mädchen in einer Kleinstadt verschwindet und die Polizei monatelang im Dunkeln tappt, beschließen die Eltern mit Hilfe ihres gehörlosen Sohns, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen. Heimlich werden die Häuser der verschrobenen Nachbarn verwanzt und in den Kellern manches dunkle Geheimnis aufgespürt. Die achtteilige Serie bietet einen wilden Genre-Mix mit dramatischen und satirischen Elementen. Die Erzählung im Rhythmus der heimlichen Bespitzelungen erweist sich aber zusehends als langatmig und monoton. Gegen den Strich gebürstete Darsteller und der quietschbunte Stilwillen zeugen allerdings von inszenatorischem Mut.

Hardcore Never Dies

  • Niederlande 2023
  • R: Jim Taihuttu

Nachdem ihn seine Eltern hinausgeworfen haben, nimmt ein kleinkrimineller Dealer im Rotterdam Mitte der 1990er-Jahre wieder Kontakt zu seinem jüngeren Bruder auf. Der schuftet auf einer Tomatenfarm, bereitet sich aber intensiv für ein Klavierstudium am Konservatorium vor. Sein Bruder gerät derweil in eine immer gewalttätigere Abwärtsspirale in der Gabber-Technoszene. Mit viel Gespür für die Protagonisten entfaltet sich ein vielschichtiges Brüder-Drama zwischen Coming-of-Age, Drogenkrimi und authentischem Porträt einer in den 1990er-Jahren aufblühenden Subkultur. Freiheitsgefühl und Faszination der Clubabende vermitteln sich ebenso wie die negativen Aspekte der drogeninduzierten Ekstase.

Niemals allein, immer zusammen

  • Deutschland 2024
  • R: Joana Georgi

Porträt von fünf Berliner Aktivisten, die sich in unterschiedlichen sozialen Bewegungen engagieren, von der Krankenhaus-Bewegung über den Klimaprotest, der Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ bis zur migrantischen Bewegung und dem Kreieren von politischer Kunst. Der Film richtet sich eher an die eigene Zielgruppe, als dass er sich um eine Ansprache bislang nicht aktiver Menschen bemühen würde. Zudem bleibt er eine Antwort darauf schuldig, wie die Akteure auf die um sich greifende Stagnation reagieren. Wie die Protagonisten bewegt sich auch der Film innerhalb einer geschlossenen Blase sozialer Bewegungen im Berliner Umfeld.

Chantal im Märchenland

  • Deutschland 2024
  • R: Bora Dagtekin

In einem überdrehten Spin-off zu den „Fack ju Göhte“-Schulkomödien wird die prollige Titelfigur, nunmehr eine Möchtegern-Influencerin, von einem magischen Spiegel in ein Märchenland gezogen. Vordergründig herrscht dort eine traditionelle Geschlechterverteilung, doch die junge Frau sorgt mit mehr Glück als eigener Überzeugung dafür, dass die (Märchen-)Geschichte und ihre fest zementierten Rollenbilder emanzipatorisch umgeschrieben werden. Garniert mit inflationär gebrauchten Schimpfwörtern aus dem Genitalbereich, frönt die Persiflage dem Fettnäpfchen-Humor und lärmenden Dialoggefechten. Einige gewitzte Drehbucheinfälle können nicht verhindern, dass die an sich ambitionierte Botschaft durch die Zeichnung der Titelfigur untergraben wird.

Madame Web

  • USA 2024
  • R: S. J. Clarkson

Eine junge Rettungssanitäterin aus New York entdeckt nach einem Nahtoderlebnis ihre hellseherischen Fähigkeiten und wird Zeugin, wie drei Teenager-Mädchen von einem Spinnenmenschen angegriffen werden. Der Widersacher entpuppt sich überdies als Mörder ihrer eigenen Mutter, die von ihm im peruanischen Amazonas bei der Suche nach einem heilenden Spinnen-Serum erschossen wurde. Das Spin-Off aus dem „Spider Man“-Universum versucht zwischen der Titelfigur und den drei jungen Spider-Women ein Netz zu weben, produziert dabei aber viele erzählerische Lücken. Obwohl die Kamera und die Hauptdarstellerin sich souverän schlagen, untergraben aufdringlich-redundante Dialogszenen und die starre Figurenzeichnung das Interesse.

Arkie und die Stadt des Lichts

  • Australien 2023
  • R: Ricard Cussó

Ein junges Mädchen, das nur auf einem Auge sieht und einen Tentakelarm hat, will seinen Vater, einen Riesenoktopus mit magischen Kräften, aus den Fängen eines skrupellosen Erfinders befreien. Der thront über der Stadt des Lichts und zapft auf der Suche nach dem perfekten Genom mit zerstörerischen Folgen die Sonne an. Der quietschbunte Animationsfilm fußt auf einer bereits 2001 erschienenen Graphic Novel, die ein ganzes Franchise-Universum hervorgebracht hat. Für die Pubertätsthemen um Außenseitertum oder mangelndes Selbstvertrauen bleibt in dem actionlastigen Plot so wenig Platz wie für Fragen nach Ökozid und genetischer Manipulation. Die Themen kommen in der auch visuell überfordernden Mischung nicht zum Zuge.

60 Minuten

  • Deutschland 2024
  • R: Oliver Kienle

Kurz vor einem entscheidenden Karrierekampf sieht sich ein junger MMA-Fighter gezwungen, sich innerhalb von 60 Minuten zum 7. Geburtstag seiner Tochter durch Berlin zu boxen. Während die Exfreundin mit dem Entzug des Sorgerechts droht, sind dem jungen Vater allerhand Kleingangster und die Wettmafia auf den Fersen. Mit einer reichlich abstrusen Prämisse spult der Actionfilm seine Jagd durch Berlin nach Schema F ab, ohne eigene Akzente zu setzen oder aus den angeschnittenen Problemen väterlicher Unzulänglichkeit und kommunikativer Dauererreichbarkeit etwas zu machen. Die Figuren verharren im Guten wie Bösen in den Grenzen ihrer Klischees.

Girl You Know It's True

  • Deutschland 2023
  • R: Simon Verhoeven

Anfang der 1990er-Jahre sorgte das erfolgreiche Pop-Duo Milli Vanilli für einen weltweiten Skandal, als herauskam, dass die beiden Breakdancer Rob Pilatus und Fab Morvan auf Anleitung ihres Produzenten Frank Farian weder auf der Bühne noch auf ihren Platten je einen einzigen Ton selbst gesungen hatten. Der zwischen Satire und Künstlerporträt angesiedelte Film zeichnet mit knallbunten Konzert- und Videoclip-Passagen den sagenhaften Aufstieg und den „unerhörten“ Fall der Künstler nach. Die individuellen Hintergründe aus Fremdbestimmung und Selbstüberschätzung werden dabei nur am Rande gestreift, strukturelle Themen wie rassistische Erfahrungen oder die Aneignung afroamerikanischer Musik durch die weiße Popkultur sogar komplett ignoriert.

Icon of French Cinema

  • Frankreich 2023
  • R: Judith Godrèche

Eine französische Schauspielerin will nach zehn Jahren in Hollywood wieder in Paris Fuß fassen. Der Neuanfang ist durchsetzt von Rückblenden auf eine „Mesalliance“ ihres jugendlichen Selbst mit einem wesentlich älteren Regisseur. Als ihr die versprochene Rolle in einem Filmprojekt durch einen rachsüchtigen Freund ihres Exmannes versagt bleibt, beginnt sie selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Eine Miniserie, in der Schauspielerin Judith Godrèche sich selbst spielt und ihre Erfahrungen verarbeitet. In angenehm unskandalösen Bildern und einer selbstironischen, leicht entrückten Darstellung wird die Balance zwischen Naivität, Hingabe, Ausgeliefertsein und männlichen Machtmissbrauch derart fein austariert, dass manch inszenatorischer Leerlauf dieser tragikomischen Aufarbeitung verschmerzbar bleibt.

Die Tribute von Panem - The Ballad of Songbirds and Snakes

  • USA 2023
  • R: Francis Lawrence

Die fünfte Verfilmung der Romanreihe von Suzanne Collins erzählt die Vorgeschichte des grausamen Herrschers von Panem. 64 Jahre vor den Geschehnissen um Katniss Everdeen bewirbt sich der aus verarmten Verhältnissen stammende Coriolanus Snow um ein Stipendium, das für besondere Verdienste als Mentor bei den Hungerspielen vergeben wird. Snows Schützling, eine charismatische junge Frau, soll mit ihrem Gesang die Einschaltquoten nach oben treiben. Mit spannungsreicher Ambiguität und beeindruckender visueller Gestaltung entfaltet sich ein dystopisches Panorama, das mit Emotionen und inneren Zerwürfnissen nicht geizt. Das Prequel ist ein wichtiger Puzzlestein im Kosmos der „Tribute“-Adaptionen, vermag aber auch als eigenständiger Film zu bestehen.

Flora and Son

  • USA 2023
  • R: John Carney

Als der 14-jährige Sohn einer alleinerziehenden Irin auf die schiefe Bahn gerät, besorgt sie dem Jungen eine Gitarre vom Sperrmüll. Das Instrument zieht jedoch nicht den Teenager in seinen Bann, sondern die Mutter, die über einen Online-Gitarrenkurs einem gescheiterten Singer-Songwriter aus dem fernen Los Angeles näherkommt. Die neue Liebe zur Musik stößt aber auch innerfamiliär eine Annäherung an. Mit viel Gespür für zwischenmenschliche und musikalische Zwischentöne entfaltet sich das Drama über die heilende Kraft der Musik, die tiefe Verletzungen heilt. Dabei sind es mehr als die Songs die hervorragenden Darsteller, die trotz einer etwas glatten Geschichte berühren.

The Changeling (2023)

  • USA 2023
  • R: Jonathan van Tulleken

Für ein junges Paar in New York scheint sich mit der Geburt ihres Sohnes das Glück zu vervollkommnen. Doch dann schrecken bedrohliche Ereignisse die Frau auf und wecken Zweifel am Wesen des Babys, die in eine unheilvolle Tat münden. Die zwischen Grusel-Mysterydrama und Familientragödie wechselnde Serie arbeitet virtuos mit unterschiedlichen inszenatorischen Tonarten, Traumsequenzen, Rückblenden und blankem Horror. Manche Wendung scheint dabei etwas überambitioniert ins Nichts zu führen. Dennoch beeindruckt die Vielschichtigkeit der angeschnittenen individualpsychologischen und kulturellen Themen.

Transformers: Aufstieg der Bestien

  • USA 2023
  • R: Steven Caple Jr.

Siebter Teil einer US-Filmreihe um außerirdische Kampfroboter, die die Erde erneut vor einem übermächtigen Gegner verteidigen. Dieses Mal schließen sich ein arbeitsloser Ex-Militär mit Latino-Wurzeln und eine kluge schwarze Museumspraktikantin den Maschinenwesen an, um einen ominösen „Schlüssel“ sicherzustellen, der die Rückkehr zum Heimatplaneten der Autobots verspricht, aber auch in den Fokus des brutalen Planetenverschlingers Unicron geraten ist. Bis auf die endzeitlichen CGI-Schlachten und eine erfrischend diverse Besetzung kann die 1994 in Brooklyn spielende Geschichte in ihrer Austauschbarkeit nicht überzeugen. Im Actiongewitter geht das Interesse an den nicht allzu stringent entwickelten Charakteren wie auch den eher selten zu sehenden „Bestien“ allzu schnell verloren.

Book Club - Ein neues Kapitel

  • USA 2023
  • R: Bill Holderman

Inspiriert durch das fiktive Tagebuch einer nie unternommenen Italienreise, machen sich vier betagte „Buchclub“-Freundinnen Jahrzehnte später nach Italien auf, um einen Junggesellinnenabschied zu feiern. Auf der Reise durchleben sie allerhand Abenteuer, bis das Konzept der Ehe selbst auf dem Prüfstand steht. Dank der renommierten Besetzung und der Schönheit Italiens kann die Reise zu den romantischen Gefühlen der Rentnerinnen mitunter verbal und mit sehnsuchtsvollen Kamerabildern punkten. Die narrativ und inszenatorisch nicht sonderlich einfallsreiche Fortsetzung gelangt auch durch den offensiv zur Schau getragenen Reichtum der Seniorinnen aber nicht aus seichten Gefilden heraus.