Felicitas Kleiner

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Lord of the Flies

  • Großbritannien 2026
  • R: Marc Munden

Nach einem Flugzeugunglück findet sich eine Gruppe von Kindern im Alter zwischen ca. sechs und zwölf Jahren ohne Erwachsene auf einer Insel irgendwo in der Südsee wieder. Der Versuch, sich zu organisieren, scheint zunächst zu funktionieren; die Kinder wählen einen verantwortungsbewussten Anführer, der von einem besonders klugen Jungen unterstützt wird. Doch als ein anderer Junge, der auch gerne Anführer wäre, eine Gruppe von "Jägern" um sich schart, die mehr und mehr aggressiv agieren, bekommt die Gruppendynamik einen Drall ins Zerstörerische. Die vierteilige Neuadaption von William Goldings 1954 erschienenen Literaturklassiker stellt pro Folge jeweils eine andere Figur ins Zentrum, eröffnet damit unterschiedliche Blickwinkel und überzeugt durch ihre in Kameraarbeit und Sounddesign ungemein sinnlich-suggestive Inszenierung und das starke Spiel der jungen Darsteller. Dabei ist die Adaption so texttreu, dass sie nicht nur die Stärken der Vorlage als dichte sozialpsychologische Versuchsanordnung übernimmt, sondern auch deren Schwäche, ihre Geschichte in ein letztlich koloniales Narrativ zu packen, das die Gewaltdynamik innerhalb der Gruppe als "Going Native", als Rückfall in den Status von "Wilden" deutet.

How to Get to Heaven from Belfast

  • Irland 2026
  • R: George Kane

Drei Belfaster Freundinnen Ende Dreißig erfahren durch dubiose E-Mails vom Tod der einstigen Vierten im Bunde ihrer Jugendclique, zu der der Kontakt nach einem traumatischen Ereignis schon in Teenager-Jahren abgebrochen war. Als sie zur Totenwache der einstigen Freundin nach Donegal reisen, entdecken sie, dass es sich bei der Toten keineswegs um die Freundin handelt, und sie versuchen herauszufinden, was wirklich mit dieser passiert ist. Der Beginn einer immer wildere Haken schlagenden Odyssee, bei der das Trio bald eine waschechte Killerin auf den Fersen hat. Die Serie von „Derry Girl“-Schöpferin Lias McGee kombiniert stimmig skurrilen Humor und Murder-Mystery-Spannung und lebt vor allem von der Dynamik zwischen den drei lebensprallen Hauptfiguren. Diese verleihen der Serie auch da bodenständigen Charme, wo sie sich bisweilen in eine lustvoll überzeichnete Räuberpistole versteigt.

Bookish - Ein Mord spricht Bände

  • Großbritannien 2025
  • R: Carolina Giammetta

London 1946: In der noch vom Zweiten Weltkrieg gezeichneten Metropole betreibt ein Buchhändler ein heimeliges Antiquariat und hilft mit seinem detektivischen Spürsinn einem örtlichen Kommissar bei den Ermittlungen, wenn die Nachbarschaft von einem dubiosen Todesfall erschüttert wird. Während ihn seine Fälle mit unterschiedlichsten Milieus und Mördern konfrontieren, sorgt auch das Verhältnis zu seinem neu angestellten jungen Gehilfen, mit dem ihn ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit verbindet, sowie die Beziehung zu seiner Ehefrau, mit der er mehr in freundschaftlicher Allianz als in einer klassischen Liebesbeziehung lebt, für Bewegung. Die auf Hauptdarsteller und Serienschöpfer Mark Gatiss zugeschnittene Serie verbindet solide, humorvoll grundierte Murder-Mystery-Spannung mit einem Zeitbild britischer Nachkriegsgeschichte sowie interessanten, in episodenübergreifenden Handlungssträngen vertieften Charakterzeichnungen der zentralen Figuren.

Sherlock & Daughter

  • Großbritannien 2025
  • R: Bryn Higgins

Sherlock Holmes gerät Ende des 19. Jahrhunderts in Schwierigkeiten, als seine Freunde Dr. Watson und Mrs. Hudson von einer kriminellen Vereinigung entführt werden, um ihn daran zu hindern, gegen sie zu ermitteln. Unerwartete Hilfe erhält er von einer jungen US-Amerikanerin, die glaubt, seine Tochter zu sein. Nach anfänglichem Streit über die Vaterschaft engagiert Holmes das kluge, willensstarke Mädchen als Assistentin an. Gemeinsam untersuchen sie die Entführung der Tochter des US-Botschafters, die sich als Puzzleteil eines größeren Plans des Syndikats entpuppt. Die Serie kombiniert Mystery, Abenteuer und Historiendrama, setzt auf ein wendungsreiches Duo à la „Enola Holmes“ und überzeugt vor allem durch den Hauptdarsteller des berühmten Detektivs.

Wonder Man

  • USA 2026
  • R: Tiffany Johnson

Ein aufstrebender Vollblut-Schauspieler kämpft darum, seine Hollywood-Karriere endlich in Schwung zu bringen. Bei einer Begegnung mit einem älteren Kollegen mit zweifelhafter Vergangenheit erfährt er, dass ein ambitionierter Regisseur eine Neuverfilmung des Superheldenstoffs „Wonder Man“ plant, und beiden Darsteller tun sich zusammen, um eine Rolle in dem Film zu ergattern. Dass einer von ihnen tatsächlich über übermenschliche Kräfte verfügt und der andere von einer Regierungsbehörde auf ihn angesetzt wurde, um Beweise dafür zu beschaffen, macht die Sache noch komplizierter, als eine Schauspielkarriere in der Traumfabrik eh schon ist. Die komödiantisch grundierte Serie aus dem „Marvel Cinematic Universe“ setzt nur dezent auf fürs Superhelden-Genre typische Action , sondern entfaltet sich primär als köstliche Showbiz-Satire und Hommage ans Kino und die Superkraft großer Schauspieler, mit ihren Rollen die Menschen zu bewegen.

The Danish Woman

  • Island 2025
  • R: Benedikt Erlingsson

In einen Wohnblock in Reykjavik ist kürzlich eine aus Dänemark stammende Dame Mitte 50 eingezogen, die alsbald beginnt, Kontakt zu den neuen Nachbarn zu knüpfen. Was diese nicht ahnen: Die freundliche, wenn auch etwas pedantische Frau ist keineswegs so harmlos, wie sie wirkt, sondern hat früher als Elitesoldatin und Agentin jede Menge knallharte Dinge getan und nichts davon verlernt. Diese Fähigkeiten nutzt sie nun, um tatkräftig einzuschreiten, wo sie es mit Ungerechtigkeiten und Alltagsrüpeln zu tun bekommt. Doch ihre früheren Geheimdienst-Kontakte haben sie noch nicht vergessen und wollen noch etwas von ihr. Eine schwarzhumorige Serie mit einer herrlich rigorosen Antiheldin, von Hauptdarstellerin Trine Dyrholm trefflich gespielt. Auch die Zeichnung des Wohnblock-Milieus, in dem unterschiedlichste Typen zusammentreffen, ist pointiert gelungen.

Agatha Christie's Seven Dials

  • Großbritannien 2026
  • R: Chris Sweeney

England im Jahr 1925: Am Morgen nach einer rauschenden Party in einem noblen ländlichen Anwesen wird einer der Gäste, ein junger Mitarbeiter des Auswärtigen Amts, tot in seinem Bett aufgefunden. Während der Tod offiziell als Selbstmord oder Unfall abgetan wird, wittert die Tochter des Hauses und Freundin des Verstorbenen ein Verbrechen und beginnt zu ermitteln. Doch damit droht sie gefährlichen Leuten in die Quere zu kommen, denn der Mord entpuppt sich als Teil einer größeren Intrige. Die dreiteilige Adaption des Krimis "The Seven Dials Mystery" (dt.: "Der letzte Joker") von Agatha Christie ist als glamouröses Murder Mystery inszeniert, das mit komödiantischen Tönen, aber auch dunkel-tragischeren Nuancen versehen ist und durch gute Darsteller ebenso überzeugt wie durch seine stilbewusste Inszenierung.

Goodbye June

  • Großbritannien 2025
  • R: Kate Winslet

Im Dezember wird eine Seniorin ins Krankenhaus eingeliefert; nach dreijährigem Kampf gegen den Krebs zeichnet sich ab, dass ihr Leben nun rapide dem Ende zugeht. Am Bett der Sterbenden wachen den Advent hindurch ihr kauziger Ehemann, die vier erwachsenen Kinder und diverse Enkel; in ihrer Trauer gegenseitig beistehen können sich die Familienmitglieder indes nur bedingt, weil angesichts des Ausnahmezustandes alte Brüche und Spannungen zutage treten. Das Regiedebüt von Kate Winslet bleibt nah und unprätenziös an den hervorragend gespielten Figuren und lotet feinfühlig deren emotionale Reaktionen auf den nahenden Tod und aufeinander aus. Dabei fließen in das schmerzhafte Sterbedrama-Thema auch tragikomische Töne ein, die nicht wie künstliche Aufheller wirken, sondern sich stimmig aus den markanten Charakteren ergeben.

Marzahn Mon Amour

  • Deutschland 2025
  • R: Clara Zoë My-Linh von Arnim

In einer Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn beginnt eine Frau, deren Karriere als Schriftstellerin nicht richtig in Fahrt kommt und deren Mann sie gerade verlassen hat, als Fußpflegerin in einem kleinen Beauty-Salon zu arbeiten. Dort hat sie es nicht nur mit den Füßen ihrer Kundschaft zu tun, sondern auch mit den vielfältigen Schicksalen und Eigenheiten meist hochbetagter Menschen. Aber auch ihre beiden Kolleginnen und ihre Teenager-Tochter stellen sie immer wieder vor Herausforderungen. Die Serienadaption des gleichnamigen Romans überzeugt mit einem warmherzig-menschenfreundlichen Blick auf die Marzahner Plattenbauwelt und einer herausragend gespielten Hauptfigur, deren zugewandte Art selbst kratzborstige Zeitgenossen erweicht. Tragikomische „Ein Fall pro Folge“-Geschichten verbinden sich dabei mit übergreifenden Spannungsbögen, die etwa die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Salons oder das Verhältnis der Fußpflegerin zu ihrer Tochter in den Blick nehmen.

Das Wunder von Stoneford

  • Großbritannien 2025
  • R: Chris Foggin

Ein Hollywood-Actionstar auf dem absteigenden Ast lässt sich über Weihnachten auf ein Theaterengagement in England ein. Als er erfährt, dass es keineswegs um eine Charakterrolle auf einer renommierten Londoner Bühne geht, sondern um einen Part im Weihnachtsstück eines englischen Provinztheaters, will er erst das Handtuch werfen, sieht sich dann aber gezwungen zu bleiben und entdeckt im Zusammenspiel mit dem liebenswerten Theaterensemble langsam einen Sensus für die Magie der Bühnenshow. Außerdem ist der Aufenthalt in England eine Chance, seiner ihm entfremdeten Teenager-Tochter, die mit ihrer Mutter dort lebt, wieder näherzukommen. Eine liebenswerte Weihnachtskomödie um die Läuterung eines Egozentrikers zum Teamplayer, die vor allem als Hommage auf die britische „Christmas Panto“-Tradition und ihre gemeinschaftsstiftende Kraft gelungene weihnachtliche Unterhaltung bietet.

In Your Dreams - Im Traum ist alles möglich

  • USA 2025
  • R: Alexander Woo

Ein junges Mädchen leidet darunter, dass sein glückliches Familienleben durch finanzielle Sorgen und Reibungen zwischen den Eltern Risse bekommt. Als die Mutter für ein Bewerbungsgespräch in eine weiter entfernte Stadt reist, fürchtet die Teenagerin eine Trennung. Doch dann gerät sie zusammen mit ihrem quirlig-chaotischen jüngeren Bruder an ein mysteriöses Buch über den Sandmann. Gemeinsam wagen sich die Geschwister auf eine turbulente Reise ins Traumland und meinen, nur an der Herrin der Albträume vorbeizumüssen, um es zum Sandmann und ans Ziel ihrer Wünsche zu schaffen. Doch die wahre Herausforderung ist es, sich der Realität und ihren beängstigenden Veränderungen zu stellen. Der Animationsfilm nimmt das Traumreise-Thema als Steilvorlage für schräg-surreale Action-Einfälle und erdet diese in einer Story, die einfühlsam auf die Angst eines Kindes vor dem Zerbrechen seiner Familie eingeht und nebenbei ein Hohelied auf die Kraft von Geschwisterliebe singt. Dabei entfaltet der Film visuell nicht ganz die Originalität von Vorbildern wie „Die bunte Seite des Mondes“, hat dank seines liebevollen Charakter-Designs und pfiffiger Dialoge aber doch viel Charme.

Filmliteratur: „Music in the Air! Die deutsche Musikfilm-Komödie im Exil 1933-1950

Die Zeit des NS-Regimes war für die deutsche Filmkultur ein verheerender Kahlschlag; betroffen war nicht zuletzt auch das in der Weimarer Zeit enorm erfolgreiche Genre der Tonfilmoperette. Viele Filmschaffende, die das Genre prägten, sahen sich zur Emigration gezwungen. Eine Studie des Filmhistoriker Helmut G. Asper folgt den Spuren der exilierten Darsteller und ihrem weiteren Wirken in Hollywood und im europäischen Ausland.

Down Cemetery Road

  • USA 2025
  • R: Samuel Donovan

Als in ihrer Oxforder Nachbarschaft ein Haus bei einer angeblichen Gasexplosion zerstört wird und sie sich bei Klinik und Polizei nach dem Schicksal eines überlebenden kleinen Mädchens erkundigt, aber auch eine Mauer des Schweigens prallt, beginnt eine Restauratorin einer brisanten Affäre nachzuspüren, in die der Militärgeheimdienst und zwei von ihm angeheuerte Killer verwickelt sind. Flankiert von einer gewieften Privatermittlerin, beginnt sie den Spuren des verschwundenen Mädchens zu folgen und allmählich die Hintergründe der Explosion aufzudecken, was sie ihre gesicherte Existenz zu kosten droht und beide Frauen in höchste Gefahr bringt, als sie ins Visier der Agenten und Killern geraten. Die Thriller-Serie nach einem Roman von Mick Herron punktet mit einer Fusion von Suspense und schrägem Humor und einem trefflich gezeichneten und gespielten Figurenensemble.

Welcome to Derry

  • USA 2025
  • R: Andy Muschietti

1962 zieht eine afroamerikanische Familie in die Stadt Derry im Bundesstaat Maine, weil der Vater, ein Offizier, auf den Luftwaffenstützpunkt nahe der Stadt versetzt wurde. Dort bekommen es die neuen Einwohner nicht nur mit latentem Rassismus zu tun, sondern auch mit den Gräueln eines bösartigen Wesens, das seit Jahrhunderten Derry heimsucht. Während der Vater in ein dubioses Militärprojekt verwickelt wird, findet sein Sohn Anschluss an eine kleine Gruppe anderer Kinder, die dem Bösen Widerstand zu leisten versuchen, wobei ihnen das reaktionäre Gros der Erwachsenenwelt eher schadet als nützt und allenfalls das Wissen von Derrys American-Natives-Community helfen könnte. Eine Horrorserie um die Vorgeschichte zu Andy Muschiettis "ES"-Kinofilmen frei nach Motiven aus Stephen Kings gleichnamigem Roman. Dabei gründet der Schrecken nicht nur auf suggestive „Scares“, die noch etwas drastischer ausfallen als in den Kinofilmen, sondern vor allem auf ein effektives, clever den Zeithintergrund der 1960er einflechtendes Psychohorrorszenario rund den Passionsweg der kindlichen Protagonisten, denen nicht nur ein übernatürliches Wesen zusetzt, sondern auch ein gesellschaftliches Umfeld, in dem Paranoia, Vorurteile, Ressentiments und Ignoranz regieren.

Harlan Coben's Lazarus

  • USA 2025
  • R: Daniel O'Hara

Ein forensischer Psychiater wird von der Nachricht, dass sein Vater verstorben ist, aus der Bahn geworfen: Angeblich soll der renommierte Psychoanalytiker sich in seiner Praxis selbst erschossen haben, doch der Sohn zweifelt, dass der Tod ein Selbstmord war. Beunruhigende paranormale Begegnungen führen ihn auf die Spur eines verschlungenen Falls, bei dem es nicht nur um den potenziellen Mord an dem Vater geht, sondern auch um die gewaltsamen Tode von Menschen, die einst bei diesem in Behandlung waren, sowie um den lang zurückliegenden, die Familie traumatisierenden Mord an der Zwillingsschwester des Psychiaters. Die Serie mischt Murder Mystery-, Psychothriller- und Geisterfilm-Elemente zu einer arg konstruiert wirkenden Geschichte rund um unkurierbare seelische Abgründe und entfaltet dabei inszenatorisch trotz guter Darsteller und eines passablen Produktionsdesigns nur wenig Sinn fürs Unheimliche ihres Sujets.

Der Horror des Alterns: Ein Bilderbuch

Der Hamburger Autor Heinz Strunk und der Wiener Illustrator und Comickünstler André Breinbauer haben ein Bilderbuch geschaffen, das mit den Figuren der klassischen Universal-Horrorfilme spielt, um humorvoll von den Schrecken des Altwerdens zu erzählen. „Graf Fauchi und das verschwundene Gebiss“ ist diesen Herbst im Lappan Verlag erschienen.

Spermageddon

  • Norwegen 2024
  • R: Rasmus A. Sivertsen

Ein schüchterner Teenager bringt während eines Wochenendausflugs den Mut auf, dem Mädchen, in das er schon länger verliebt ist, seine Gefühle zu gestehen, und beide haben den ersten Sex ihres Lebens. Ein ängstliches Spermium findet sich zusammen mit seiner besten Freundin auf der gefahrvollen Reise zur Eizelle wieder, wobei nicht nur ein unerwarteter Umweg durch den Verdauungstrakt, sondern auch ein größenwahnsinniger Konkurrent und diverse Verhütungsmittel ungeahnte Herausforderungen darstellen. Fröhlich-frivol und einfallsreich erzählt die mit Musical-Elementen arbeitende, knallbunte Animationskomödie unverblümt von dem, was sich unter der Gürtellinie abspielt, und kombiniert das mit einer humorvollen Coming-of-Age-Story rund um die Unsicherheiten beim ersten Mal.

House of Guinness

  • Irland 2025
  • R: Tom Shankland

Irland in den späten 1860er-Jahren: Nach dem Tod des Familienpatriarchen wird die Geschichte der Dubliner Bierbrauer-Dynastie Guinness von vier Guinness-Geschwistern fortgeschrieben. Die Familie, die zu den reichsten des Landes gehört, blickt unruhigen Zeiten entgegen, da die irische Unabhängigkeitsbewegung zunehmend an Einfluss gewinnt und der protestantisch-unionistische Brauereiclan sich genötigt sieht, sich mit der neuen Kraft zu arrangieren. Wie schon in dem historischen Gangsterdrama „Peaky Blinders“ gelingt Showrunner Steven Knight eine elegante Verbindung von Familiensaga und politischer Zeitgeschichte einer Umbruchsära, getragen von einem Ensemble lebenspraller, komplexer Charaktere.

Call My Agent Berlin

  • Deutschland 2025
  • R: Boris Kunz

Eine deutsche Adaption der französischen Serie „Call My Agent“ um den turbulenten Arbeitsalltag einer durch den Tod des Senior-Chefs in Bedrängnis geratenen Schauspieler-Agentur, zu deren Klientel namhafte Filmstars zählen. Nah am Original bleibend, vereint die Serie „Ein Fall pro Folge“-Handlungen rund um prominente Filmgrößen, die sich selbst spielen, mit episodenübergreifenden Verwicklungen rund um die Agenten-Figuren, wodurch sich insgesamt ein erhellend-unterhaltsamer Blick auf die Filmbranche und die Tücken und Wunder des Schauspieler-Berufs ergibt. Dass das Ganze im Vergleich zum französischen Original nicht epigonal wirkt, liegt vor allem daran, dass die Serienmacher ein großes Geschick dabei entfalten, die deutschen Darsteller und ihre schauspielerischen Stärken zum Strahlen zu bringen bzw. sich mal spannend, mal humorvoll an ihnen und ihren Images abzuarbeiten.

Miss Austen

  • Großbritannien 2025
  • R: Aisling Walsh

Jahre nach dem Tod der Schriftstellerin Jane Austen stellt sich für ihre Schwester Cassandra die Frage, wie sie mit Janes brieflichem Nachlass umgehen soll. Im Haus eines verstorbenen Bekannten, dessen Frau in regem Briefwechsel mit den Austen-Schwestern stand, kümmert sie sich nicht nur darum, für die ledige Tochter der Familie eine neue Bleibe zu finden, sondern versenkt sich auch in die Briefe, die Erinnerungen an die Vergangenheit wecken. Der mit zahlreichen Rückblenden arbeitende, inszenatorisch und schauspielerisch überzeugende Vierteiler kreist anhand der Geschichte von Austens Briefen um weibliche Entfaltungsmöglichkeiten in einer Gesellschaft, die wenig Spielraum dafür lässt, und wird zur Ode an weibliche Solidarität.

Das Gift der Seele

  • USA 2025
  • R: Andrea Harkin

Eine Galeristin aus der Londoner High Society ist irritiert von der neuen Freundin, die ihr Sohn, ein angehender Arzt, ihr und ihrem Mann vorstellt; schnell entwickelt sie ein Misstrauen gegen die junge Maklerin, die sie für eine manipulative Goldgräberin hält. Die Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Michelle Frances beruht, kontrastiert die Mutter-Perspektive auf die schwierige Beziehung der beiden Frauen mit der der Schwiegertochter in spe, die sich als Arbeiterklasse-Tochter von dem Oberschichtsmilieu ihres Freundes verunsichert fühlt und ihre Herkunft vertuschen will. Dabei entsteht ein von Drama Richtung Psychothriller changierendes Szenario, bei dem es nicht nur um Eifersucht zwischen den beiden Frauen geht, sondern vor allem auch um die Spannungen, die aus den unterschiedlichen Herkunftsmilieus entstehen.

Filmfestival Venedig 2025: Sein oder Nichtsein

Haben die Menschen die Gegenwart in ein Haus aus Dynamit verwandelt, das ihnen früher oder später um die Ohren fliegt? Die Filme der 82. Filmfestspiele in Venedig drückten in diesem Jahr immer wieder das Lebensgefühl aus, dass die Menschheit an einem Scheideweg steht und sich dringend neu orientieren muss, um nicht den eigenen Untergang zu besiegeln. In einigen Filmen gab es durchaus Grund zur Annahme, dass eine Wende zum Positiven möglich ist.

Filmfestival Venedig 2025: Stop this War!

Das 82. Filmfestival in Venedig verschließt nicht die Augen vor den quälenden Krisen der Gegenwart. Vor allem der Krieg in Gaza war ein wichtiges Thema. Das Drama „The Voice of Hind Rajab“ von Kaouther Ben Hania setzt einem 2024 ums Leben gekommenen palästinensischen Kind ein Denkmal.

Filmfestival Venedig 2025: Smash!

Beim Filmfestival in Venedig glänzt Dwayne Johnson als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer in „The Smashing Machine“ von Ben Safdie. Echte Chancen auf die „Löwen“ dürften hingegen zwei französische Filmemacher haben: Olivier Assayas mit „The Wizard of the Kremlin“ und François Ozon mit einer Neuverfilmung von Albert Camus’ Roman „Der Fremde“. Die 82. „Mostra“ endet am Samstag mit der Verleihung des „Goldenen Löwen“.

Filmfestival Venedig 2025: „The Testament of Ann Lee“

In ihrem Film „The Testament of Ann Lee“ entwirft die Regisseurin Mona Fastvold das inbrünstige Porträt jener Frau, die im 18. Jahrhundert die Shaker-Bewegung in den USA begründete. Auch mit Hilfe von Musical-Elementen erzählt der Film eindringlich vom Versuch, eine Lebensform zu finden, die der Botschaft der Evangelien irdische Gestalt gibt.

Filmfestival Venedig 2025: Ehrenlöwe für Werner Herzog

Beim 82. Filmfestival in Venedig ist Werner Herzog mit einem „Ehrenlöwen“ für sein Lebenswerk geehrt worden. Zudem feierte sein neuer Dokumentarfilm „Ghost Elephants“ Premiere und wurde vom Publikum mit minutenlangen Standing Ovations quittiert.

Filmfestival Venedig 2025: Menschen, Götter & Monster

In den ersten Tagen der 82. „Mostra“ hat der Wettbewerb durchaus gehalten, was die renommierten Namen der Filmemacher vorab versprachen. Dabei glänzten nicht zuletzt Filme, die sich inszenatorisch und thematisch mit ganz großen Fragen beschäftigten, beispielsweise Park Chan-Wooks „No Other Choice“ und Guillermo del Toros „Frankenstein“.

Filmfestival Venedig 2025: Sie sind unter uns!

Mit seinem neuen Film „Bugonia“ könnte Yorgos Lanthimos, der beim Filmfestival von Venedig 2023 mit „Poor Things“ den „Goldenen Löwen“ abräumte, 2025 erneut zu den Festival-Favoriten gehören. Die Groteske um einen Verschwörungstheoretiker, seinen simpel gestrickten Cousin und die Chefin eines Chemie- und Pharmakonzerns, die die beiden Männer für ein bösartiges Alien halten, sorgte für Glamour auf dem roten Teppich und einen ersten starken Akzent im Wettbewerb.

The Thursday Murder Club

  • USA 2025
  • R: Chris Columbus

Eine verwitwete Krankenschwester im Ruhestand schließt sich in dem noblen Altersheim, in das sie kürzlich umgezogen ist, einem Seniorentrio an, das als „Donnerstagsmordclub“ alte, ungelöste Fälle wieder aufrollt. Doch dann bekommen es die Hobbydetektive mit einem frischen Mord zu tun, als einer der Eigentümer ihres Altersheims erschlagen wird. Mit Hilfe einer jungen Polizistin beginnen sie zu ermitteln, auch, um ihr Heim zu retten. Die Verfilmung des ersten Bandes von Richard Osmans „Donnerstagsmordclub“-Romanreihe kommt in Sachen „Murder Mystery“ noch etwas blass daher, punktet aber mit ihrem liebenswerten, hervorragend verkörperten Figurenensemble. Lustvoll-dick aufgetragene „Cozy Crime“-Wohlfühlunterhaltung.

Filmfestival Venedig 2025: Das Programm

Heute beginnt die 82. „Mostra“ am Lido von Venedig mit dem Eröffnungsfilm "La Grazia" von Paolo Sorrentino. Im Wettbewerb überbieten sich die prominenten Namen hochkarätiger Filmemacher. Unter anderem laufen neue Werke von Kathryn Bigelow, Jim Jarmusch, Yorgos Lanthimos, Guillermo del Toro und Ildikó Enyedi. Außer Konkurrenz warten Arbeiten von Werner Herzog, Luca Guadagnino und eine Serie von Hagai Levi.