Kirsten Taylor

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Wild Foxes

  • Belgien 2025
  • R: Valery Carnoy

Nach einem schweren Unfall, den ein Jugendlicher nur dank seines besten Freundes überlebt, verändert sich für den Nachwuchsboxer auf einem Sportinternat alles. Denn fortan wird er von Schmerzen und Panikattacken geplagt. Doch weder bei seinem Trainer noch bei seinen Mitschülern findet er Verständnis für seinen Zustand. Ein dicht und sensibel inszeniertes Drama über das Erwachsenwerden, bei dem die Kamera hautnah erfasst, wie die jungen Charaktere sich eine stark auf Körperlichkeit ausgerichtete Männlichkeit aneignen. Über die Konfrontation der Hauptfigur mit der eigenen Verletzlichkeit lotet der Film die Grenzen einer Welt aus, die keinen Raum für Schwäche lässt.

Weihnachten im Zaubereulenwald

  • Estland 2019
  • R: Anu Aun

Ein zehnjähriges Mädchen aus Tallinn muss die Weihnachtszeit bei fremden Leuten auf einem Bauernhof verbringen, wo es ein weniger hektisches Leben kennenlernt. Doch die winterliche Idylle ist bedroht, weil ein habgieriger Verwalter den Wald abholzen will. Zusammen mit einem Nachbarsjungen schmiedet das Mädchen einen Plan zur Gegenwehr. Der ganz aus der kindlichen Perspektive erzählte Film spitzt die Gegensätze mitunter zwar recht plakativ zu, entfaltet den Konflikt zwischen Ökonomie und Nachhaltigkeit aber äußerst kindgerecht und unterstreicht, dass es im Leben vor allem auf Freundschaft, Respekt und Zusammenhalt ankommt.

The Mastermind

  • Großbritannien 2025
  • R: Kelly Reichardt

Ein arbeitsloser Tischler aus Massachusetts glaubt in den 1970er-Jahren der Misere seines Daseins zu entkommen, indem er vier abstrakte Gemälde des US-amerikanischen Malers Arthur Dove aus einem kleinen Museum klaut. Doch nach der Tat weiß er nicht so recht, wie er die Beute zu Geld machen kann. Er nimmt Reißaus und sucht sein Glück in der Flucht. Ein leichtfüßig-ironisches Porträt eines Mannes, der sich und die Dinge nicht im Griff hat, was sich unter der Hand zum Bild der USA in jenen Jahren weitet, wo Spinner und Träumer ebenfalls einen schweren Stand hatten.

Zirkuskind

  • Deutschland 2025
  • R: Anna Koch

Ein Jahr lang begleitet der Dokumentarfilm den „Circus Arena“ auf seinen Reisen durch Deutschland, wobei ein elfjähriger Junge zum Tourguide wird, der einen mitnimmt in seine Welt und das Leben zwischen Wohnwagen, Schule und Zirkuszelt zeigt. Im Wechsel zwischen beobachtender Doku und fantasievollem Zeichentrick entwickelt sich eine packende Dynamik, die vom Zusammenhalt und der Wertschätzung innerhalb der Zirkusfamilie erzählt, aber auch problematische Seiten nicht unterschlägt. Ein kurzweiliger, spannender Dokumentarfilm für Kinder, der eine fremde Lebenswelt eröffnet und mit Vorurteilen aufräumt.

Milch ins Feuer

  • Deutschland 2024
  • R: Justine Bauer

Eine 17-Jährige aus dem Süddeutschen, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, möchte ebenfalls Bäuerin werden. Doch der elterliche Hof soll von ihrem Bruder weitergeführt werden und die Situation für Bauernhöfe ist in ihrem Dorf alles andere als verheißungsvoll. Mit großer Nähe und einem zärtlichen Blick beobachtet der Film drei Generationen hart arbeitender Frauen in ihrem Alltag. Ein überwiegend mit Laiendarstellerinnen gedrehter Heimatfilm ohne Kitsch oder Ideologie, der auf subtile Weise über Bilder, Bemerkungen und Beiläufiges vom Wandel der Zeiten erzählt.

Was Marielle weiß

  • Deutschland 2025
  • R: Frédéric Hambalek

Die Ehe eines Paares büßt ihre langweilige Selbstverständlichkeit ein, als die zwölfjährige Tochter nach einem Schlag auf den Kopf plötzlich all das sehen und hören kann, was ihre Eltern andernorts erleben. Die Folge dieser seltsamen telepathischen Fähigkeit sind peinliche bis absurde Situationen, da unbequeme Wahrheiten ans Licht kommen. Mit beißendem Humor und viel Sinn für Ironie enthüllt das Ehedrama, wie sich der Zwang, die Wahrheit zu sagen, auf alle Beteiligten auswirkt. Eine amüsante Versuchsanordnung mit nahezu stilisierten Figuren, die mit den alltäglichen Halbwahrheiten aufräumt, aber auch die Abgründe totaler Offenheit sichtbar macht.

Könige des Sommers

  • Frankreich 2024
  • R: Louise Courvoisier

Ein 18-jähriger Bauernsohn aus dem französischen Jura feiert gern und neigt zu unüberlegten Entscheidungen. Nach dem plötzlichen Tod seines alleinstehenden Vaters ist der junge Erwachsene jedoch für seine siebenjährige Schwester verantwortlich und muss den heruntergekommenen Hof weiterführen. Als bei einem Wettbewerb für Comté-Käse ein hoher Geldpreis winkt, setzt er alles daran, diesen zu gewinnen. Ein humorvoll, detailgenau und mit großer Zärtlichkeit umgesetztes Jugenddrama, dessen herausragende Laiendarsteller Garanten für die Authentizität der Geschichte sind. Einfühlsam und ohne Sentimentalität erzählt der Film vom Leben in der Provinz und einer Reifung unter schwierigen Voraussetzungen.

Gotteskinder

  • Deutschland 2024
  • R: Frauke Lodders

Zwei Geschwister wachsen in einer streng religiösen Familie auf. Beide leben ihren Glauben mit Leidenschaft. Als das Mädchen sich in einen Mitschüler verliebt, verkomplizieren sich die Dinge. Auch der Bruder entwickelt Gefühle für jemanden, und zwar für seinen besten Freund. Um sich von seinen „sündigen“ Empfindungen zu reinigen, meldet er sich für ein „Konversions“-Seminar an. Der sorgfältig recherchierte Film führt in eine geschlossene evangelikale Welt, die von Jesusliebe und Geborgenheit, aber auch von einem rigiden Sünden- und Schuldbewusstsein bestimmt ist. Manches in der Auseinandersetzung mit dem freikirchlichen Christentum wirkt etwas einfach und konstruiert, doch das Schicksal der beiden Jugendlichen berührt und strahlt in der Schilderung ihrer inneren Zerrissenheit eine große Glaubwürdigkeit aus.

Sieger sein

  • Deutschland 2024
  • R: Soleen Yusef

Ein elfjähriges Mädchen ist mit seiner Familie vor dem Krieg aus Syrien geflohen und muss sich in einer Berliner Schule behaupten, an der ein rauer Ton herrscht. Als neue Schülerin wird sie gemobbt und ausgegrenzt, bis ein engagierter Lehrer ihr Talent für Fußball entdeckt. Mit viel Power und Witz, aber auch einer großen Ernsthaftigkeit erzählt der Film vom Ankommen der Protagonistin und von anderen Mädchen und Jungen, denen die Gesellschaft keine Chance zugesteht. Die vielschichtige Geschichte spielt mit Übertreibungen und Stereotypen und hinterfragt überdies ein Schulsystem, das primär auf Leistung setzt, anstatt auf die Kinder und ihre Stärken.

One Life

  • Großbritannien 2023
  • R: James Hawes

Der englische Börsenmakler Nicholas Winton organisiert 1939 die sogenannten Kindertransporte von Prag nach London, mit denen er Hunderte von minderjährigen, überwiegend jüdischen Mädchen und Jungen vor den Nationalsozialisten rettete. 50 Jahre später holt ihn das Geschehene wieder ein und hält eine berührende Überraschung parat. Das biografische Drama erzählt die Heldengeschichte eines Mannes, der sich selbst nie als Held gesehen hat, in Rückblenden aus den 1980er-Jahren heraus. Dabei setzt der Film auf eine hohe Emotionalisierung bis hin zum Pathos, profitiert aber vor allem vom brillanten Anthony Hopkins in der Rolle des betagten Humanisten.

Träume & Realitäten

Die Sektion „Generation“ mit ihrem Kinder- und Jugendprogramm „Kplus“ und „14plus“ strahlt weit über die Berlinale hinaus. Denn dort sind Filme aus aller Welt zu sehen, in denen junge Menschen im Mittelpunkt stehen. Die müssen ihren Platz in der Welt erst noch finden: Wer bin ich? Was will ich? Wen will ich lieben? Es geht um Beziehungen zu anderen Menschen, aber auch darum, wie man die eigenen Lebensziele und Träume verwirklichen kann.

Sultanas Traum

  • Spanien 2023
  • R: Isabel Herguera

Eine junge Künstlerin stößt in der indischen Stadt Ahmedabad auf das titelgebende Buch der Sozialreformerin Rokeya Hossain, die schon 1905 eine utopische Vision einer Welt entwarf, in der Frauen angstfrei leben und öffentliche Ämter bekleiden, während die Männer den häuslichen Bereich nicht verlassen. Der Film entwirft drei parallele Geschichten über die Künstlerin, die Sozialreformerin und die von ihr entworfene Gesellschaftsvision, wobei für jeden Erzählstrang unterschiedliche Animationsarten von 2D über die Cut-Out-Technik bis zum Mehndi-Stil verwandt werden. Eine intime, mit viel Fantasie und animatorischem Einfallsreichtum entfaltete Entwicklungsgeschichte, die im Kern vom Ist-Zustand der Beziehung zwischen Männern und Frauen handelt.

Alle meine Geheimnisse

  • Südkorea 2022
  • R: Lee Ji-eun

Ein 12-jähriges Mädchen schämt sich für seine Familie, die für ihr Auskommen hart arbeiten muss und in der ein rauer, abschätziger Ton herrscht. Es erfindet deshalb eine Vorzeigefamilie und versucht, in der Schule die Anerkennung zu bekommen, an der es ihr zuhause mangelt. Doch das Lügenkonstrukt steht auf wackligen Beinen. Der südkoreanische Kinderfilm punktet mit einer vielschichtig-ambivalenten jungen Hauptfigur und einem Sinn für kleine Gesten und Zwischentöne. Andere Charaktere, vor allem die Eltern, geraten dagegen etwas holzschnitthaft. Gegen Ende hätten die Inszenierung auch mehr Verdichtung vertragen.

Chevalier Noir

  • Frankreich 2022
  • R: Emad Aleebrahim-Dehkordi

Ein junger Iraner, der mit seinem Bruder und seinem kranken Vater im begüterten Stadtteil Shemroon im Norden von Teheran lebt, hat gerade seine Mutter verloren und will seinen Schmerz im Rausch vergessen. Doch das hilft so wenig über die Leere hinweg wie sein Versuch, als Dealer in der Welt der jungen Teheraner Oberschicht zu landen, die hinter hohen Mauern einem westlichen Lebensstil frönt. Das etwas schemenhafte Neo-Noir-Drama erzählt von zwei ungleichen Brüdern und ihren unterschiedlichen Lebenswegen, von Liebe, Vergeltung und Schuld. Ein Sittenbild, das erstaunliche Einblicke in eine wenig bekannte Nische des Irans liefert.

Stop-Zemlia

  • Ukraine 2021
  • R: Katerina Gornostai

In einer ukrainischen Stadt reiben sich eine 16-jährige Schülerin und ihre Klassenkameraden aneinander und an den Erwachsenen. Mit flirrenden Augenblicksaufnahmen und subjektiven Einstellungen erzählt der Film mit viel Respekt und größtem Mitgefühl vom Jungsein und Erwachsenwerden, wozu auch semidokumentarische Interviews gehören, die die Spielhandlung immer wieder unterbrechen. Doch so nahe der Film den Figuren und ihrer Zerrissenheit zwischen Weltschmerz und Langeweile auch kommt, wirkt er auf Dauer doch eher wie eine Feldstudie des Fragmentarischen, die sich im Momenthaften erschöpft.

Bulldog

  • Deutschland 2022
  • R: André Szardenings

Ein 21-Jähriger lebt mit seiner nur 15 Jahre älteren Mutter in einer kumpelhaften Symbiose und kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Doch dann verliebt sich die Mutter in eine Frau, die den jungen Mann aus dem gemeinsamen Bett vertreibt. Ihm wird klar, dass er etwas ändern muss. Der auf der sonnenüberfluteten Insel Ibiza spielende Film erkundet eine intensive Mutter-Sohn-Beziehung, verliert dabei aber den psychologischen Unterbau der Figuren aus dem Blick. Der Konflikt wirkt alles in allem arg behauptet.

Belleville. Belle et Rebelle

  • Deutschland 2022
  • R: Daniela Abke

Das Pariser Quartier de Belleville, ein altes Arbeiter- und Künstlerviertel im Nordosten der Stadt, ist für viele Menschen aus aller Welt ein Zuhause. Ausgehend von einem kleinen Bistro, in dem abends alte Chansons gesungen werden, streift der schwarz-weiße Dokumentarfilm durch die engen Straßen und porträtiert Menschen, die hier leben, das Viertel durch ihre Arbeit prägen und in ihren Erzählungen die Vergangenheit lebendig erhalten. Eine sympathisch nostalgische Reise durch ein Paris, das wie aus der Zeit gefallen scheint.

Wie im echten Leben

  • Frankreich 2021
  • R: Emmanuel Carrère

Eine französische Schriftstellerin heuert undercover in der nordfranzösischen Hafenstadt Caen als Reinigungskraft an, um die Arbeitsbedingungen von Menschen kennenzulernen, die in prekären Verhältnissen schuften. Doch während sie wie eine Touristin eine ihr fremde Welt erkundet, ist das für ihre Kolleginnen die knallharte Realität, aus der es kein Entkommen gibt. Das wird für die Reporterin, aber auch für den Film, der auf einem literarischen Tatsachenbericht fußt, zum moralischen Problem. Überzeugend und packend ist die Adaption vor allem dort, wo das Umfeld der Menschen genau skizziert und die Solidarität unter den Arbeiterinnen beschrieben wird.

Das Mädchen mit den goldenen Händen

  • Deutschland 2021
  • R: Katharina Marie Schubert

In einem ostdeutschen Provinzstädtchen soll 1999 ein leerstehendes Gutshaus, das zu DDR-Zeiten als Kinderheim genutzt wurde, verkauft und in ein Luxushotel umgewandelt werden. Während viele im Ort das Projekt unterstützen, kämpft eine 60-jährige Frau vehement gegen das Vorhaben. Sie hat eine besondere Verbindung zu dem Haus, in dem sie elternlos aufgewachsen ist. Mit Bedacht und viel Umsicht lotet das Drama die Gräben zwischen Ost und West aus, wo Menschen zwischen Erinnern und Vergessen nach Wegen suchen, wie es weitergehen soll. Zugleich erzählt der psychologisch dichte Film ein komplexes Beziehungsdrama zwischen einer Mutter und ihrer Tochter.

Arthouse für Kinder

Filme aus der Reihe „Der besondere Kinderfilm“ erzählen Geschichten aus dem Alltag. Sie nehmen ihr Publikum ernst und trauen ihm etwas zu. Und müssen sich trotzdem an Unterhaltungsfilmen messen lassen.

Ein Festtag

  • Großbritannien 2021
  • R: Eva Husson

Eine erfolgreiche britische Schriftstellerin erinnert sich im Alter an jenen Sonntag im März des Jahres 1924, als sie die Gunst des Augenblicks nutzte und sich aus dem Dasein eines Dienstmädchens befreite und ihr Leben in die eigenen Hände nahm. Der nach einem bekannten Roman inszenierte Film verbindet in elliptischen Rückblenden drei Zeitebenen miteinander und entwirft ein nostalgisches Panorama der englischen Gesellschaft und eines Frauenlebens. Die gefällige Adaption schwelgt in melancholischen Details, verliert darüber aber jede sozialkritische Schärfe.

Nomadland

  • USA 2020
  • R: Chloé Zhao

Seit sie im Zuge des wirtschaftlichen Niedergangs ihrer Heimatstadt ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage verloren hat, driftet eine ältere Frau in ihrem Van durch die USA, immer auf der Suche nach Arbeit. Dabei begegnet sie anderen Menschen, die ihr Schicksal teilen und findet Anschluss an kurzzeitige Gemeinschaften mit anderen modernen Nomaden, bevor sich ihre Wege wieder trennen. Das empathische, überwiegend mit Laien besetzte Frauenporträt lenkt den Blick auf sozial marginalisierte Menschen und lebt von der durch sorgfältige Recherche hergestellten Authentizität. Mitfühlend, aber nie sentimental erforscht der Film die schwierigen Lebensumstände seiner Figuren und betont zugleich ihre Stärke und Würde.

Songs My Brother Taught Me

  • USA 2015
  • R: Chloé Zhao

Ein junger Mann und seine kleine Schwester, die zu den Lakota Sioux gehören, wachsen im Pine Ridge Reservat in South Dakota auf. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters und während ihr älterer Bruder im Gefängnis sitzt, haben die Jugendlichen und ihre Mutter mit den harschen Lebensbedingungen vor Ort zu kämpfen. Der Debütfilm von Chloé Zhao taucht mit dokumentarisch anmutender Genauigkeit und einem Ensemble aus Laiendarstellern in eine Lebensrealität jenseits des Amerikanischen Traums ein. Dabei hat das Porträt nicht nur einen scharfen Blick für die Härten im Alltag seiner Protagonisten, sondern nähert sich diesen auch mit großer Empathie und bei aller Nüchternheit mit einem Sinn für Poesie.

Das Blubbern von Glück

  • Australien 2019
  • R: John Sheedy

Eine höchst aufgeweckte 12-Jährige wird in ihrem Optimismus herausgefordert, als die Trauer um ihre unerwartet verstorbene Schwester und ein Streit zwischen Vater und Onkel ihre Familie bedrohen. Neben dem Projekt, das Familienglück wiederherzustellen, hält sie auch ein neuer Mitschüler auf Trab, der glaubt, aus einer anderen Dimension zu stammen. Einfallsreicher und bunter, dabei aber ernsthafter Jugendfilm, der seine gewichtigen Themen mit leichter Hand vermittelt. Dabei gibt es zwar einige Vereinfachungen, doch zeigt der Film einfühlsam und mitunter sehr komisch, dass sich Glück nicht erzwingen lässt und wie wichtig Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe sind.

Mein etwas anderer Florida Sommer

  • Großbritannien 2019
  • R: Simon Bird

Ein unmotivierter 16-jähriger Teenager kann den Sommer nicht wie erhofft bei seinem Vater in Florida verbringen, sondern muss in einer öden englischen Vorstadt bei seiner Mutter bleiben. Diese versucht zu ihrem passiven Sohn durchzudringen, der jedoch immer wieder abblockt, obwohl ihre Vertrautheit unübersehbar ist. Zugleich fragt sich die geschiedene Bibliothekarin aber auch selbst zaghaft, ob ihr Leben ihr nicht noch mehr zu bieten habe. Eine leise-melancholische Komödie voller Empathie und Humor, die das Auseinanderdriften zwischen Eltern und Teenagern realitätsnah wiedergibt. Neben schmerzlichen Begegnungen stehen dabei auch schreiend-komische Situationen.

Zu weit weg

  • Deutschland 2019
  • R: Sarah Winkenstette

Ein 12-jähriger Junge muss sich nach einem Umzug in die Stadt in einer fremden Umgebung zurechtfinden, was auch beim Fußball gilt, wo er plötzlich nicht mehr die Nummer eins ist. Es ergeht ihm damit ganz ähnlich wie einem Jungen aus Syrien, der in der Schule neben ihm sitzt, ohne Angehörige in einem Heim lebt und mit einer unbekannten Welt zurechtkommen muss. Der Kinderfilm erzählt einfühlsam und alltagsnah von Entwurzelung, Heimatverlust, Freundschaft und Integration, wobei insbesondere Kamera und Regie die Annäherung der unterschiedlichen Erfahrungswelten recht behutsam und mit filmischen Mitteln gestalten.

Nur die halbe Geschichte

  • USA 2020
  • R: Alice Wu

Eine 17-jährige Jugendliche aus einer Familie mit asiatischen Wurzeln fühlt sich in ihrem US-amerikanischen Provinznest als Außenseiterin. Ihre Mitschüler hänseln sie, greifen aber dennoch auf ihre Dienste zurück, um sich gegen Bezahlung gute Aufsätze schreiben zu lassen. Als sie einem Jungen beim Verfassen eines Liebesbriefes hilft, entdeckt sie ihre eigene Hinneigung zu der Adressierten. Eine High-School-Teenager-Romanze, die nicht nur um amouröse Verwicklungen kreist, sondern auch darum, seinen eigenen Weg zu finden. Ein zwischen scharfsinnigen Beobachtungen und großen Gefühlen, luftig-leichten und tiefernsten Momenten wechselnder Film voller Herzenswärme.

Giant Little Ones

  • Kanada 2018
  • R: Keith Behrman

Ein kanadischer Junge führt oberflächlich gesehen ein perfektes Teenager-Leben, inklusive süßer Freundin und einem besten Freund, den er ewig kennt. Doch als er nach einer alkoholgeschwängerten Party-Nacht statt mit seiner Freundin mit seinem Kumpel im Bett landet, gerät sein Leben in eine Schieflage – und das nicht nur wegen der eigenen Gefühlsverwirrung, sondern weil sich sein Freund von ihm abwendet und dafür sorgt, dass er in der Schule ausgegrenzt und gedemütigt wird. Ein sensibler Coming-of-Age-Film, der die Gemütslage seiner Hauptfigur eindringlich vermittelt und für den Mut plädiert, zu sich selbst und den eigenen Gefühlen zu stehen.

Bait

  • Großbritannien 2019
  • R: Mark Jenkin

Ein Fischer aus Cornwall hat sich mit seinem Bruder zerstritten, seit dieser den geerbten Kutter für Vergnügungsfahrten an Touristen vermietet. Während er sich mittels am Strand ausgelegter Netze einen bescheidenen Fang sichert und auf ein eigenes Boot spart, machen sich die Urlauber immer mehr in dem Ort breit und bringen die Einheimischen gegen sich auf. Ein komplexes, in grobkörnigem Schwarz-weiß gefilmtes Drama über die Verdrängung einer identitätsstiftenden Arbeits- und Lebenskultur, das seine einzelnen Schichten erst nach und nach freilegt und große Nähe zu den Figuren aufbaut. Mit einer eigenwilligen Bildsprache und der dramatischen Erzählweise verbindet der Film mühelos Vergangenes und Gegenwärtiges, Archaik und Poesie.

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte

  • Deutschland 2019
  • R: Matthias Bruhn

Ein 12-jähriges Mädchen gerät im Herbst 1989 in Leipzig unbeabsichtigt in die Geschehnisse rund um die Nikolaikirche, weil es sich um seine Freundin sorgt, deren Familie sich in den Westen abgesetzt hat. Der nach dem Kinderbuch „Fritzi war dabei“ entstandene Zeichentrickfilm erzählt liebevoll und spannend von einer Umbruchszeit, in der auch das bislang unpolitische Mädchen in die gesellschaftlichen Spannungen hineingezogen wird. Mit ihren klar umrissenen Figuren und detailreichen Hintergründen orientiert sich die Animation an französischen und japanischen Vorbildern.